CIO-Interview: «Im Bauwesen muss die IT bis auf die ­Baustelle gebracht werden»

CIO-Interview: «Im Bauwesen muss die IT bis auf die ­Baustelle gebracht werden»

Artikel erschienen in IT Magazine 2022/03
Wie ist die IT von Implenia technisch konzipiert?
Wir legen den Fokus auf wenige strategische Plattformen. Eine davon ist Microsoft Azure, mit der wir unsere Cloud-first-Strategie abbilden. Zwei weitere sind SAP S/4Hana, das wir in der Schweiz 2021 eingeführt haben, und RIB iTwo – eine Cloud-basierte Plattform, um das Bauwesen mit allen Projekten von A bis Z zu steuern. Das meiste läuft in der Cloud: Implenia ist eines der ersten europäischen Bau- und Immobilienunternehmen, das fast zu hundert Prozent in die Cloud transformiert hat – bis hin zu virtuellen Desktops für rechenintensive Statik- oder CAD-Anwendungen. Im Implenia Connect haben wir eine Free Seating Policy, es stehen keine grossen PCs mehr an den Arbeitsplätzen, sondern die Mitarbeitenden haben ihren Standard-Laptop und nutzen alles aus der Cloud. Man hat somit einen Hochleistungs-PC zur Verfügung, aber komplett virtualisiert.

Sie haben eingangs Security als wichtiges Thema erwähnt. Wie arbeitet die Implenia-IT in dieser Hinsicht?
IT-Dienste müssen von der Zentrale über die verschiedenen regionalen Standorte bis zur Baustelle verfügbar sein. Durch den Cloud-first-Ansatz kennen wir keine On-Premises Data Center mehr und haben dadurch auch keinen klassischen Perimeter mehr. Wir müssen somit jedes Device schützen, egal wo und wie es genutzt wird. Wir setzten auf Endpoint Protection, kombiniert mit einem Security Operations Center, arbeiten mit einem Zero-Trust-Ansatz und Multifaktor ­Authentifizierung. Auf der Baustelle kommt noch die physische Security hinzu – diese wird aber durch die Cloud vereinfacht, da zum Beispiel keine Server oder PCs mit lokaler Datenhaltung mehr vor Ort stehen, nur noch ein Router mit einer möglichst leistungsfähigen Verbindung ins Cloud Data Center.

Welche IT-Themen stehen bei Implenia 2022 im Vordergrund?
Die letzten drei Jahre haben wir unsere IT rasch zentralisiert und professionalisiert. Dieses Jahr steht unter dem Motto Konsolidierung und Stabilisierung. Wir wollen all die modernen Plattformen, die wir jetzt haben, noch besser nutzen und ins Business integrieren – das ist der eine Schwerpunkt. Der andere ist, dass wir die ERP-Transformation weiter vorantreiben und die nächsten Rollouts bereits vorbereiten wollen. Persönlich will ich dieses Jahr vermehrt dazu nutzen, das Alignment mit den Kollegen und Partnern aus dem Business voranzutreiben – wo ist der Demand, wo tut es weh, um dann zielgerichtet zu investieren. IT ist ja nicht Selbstzweck: Wenn die IT nicht fürs Business da ist, hat sie keine Existenzberechtigung.
Und wie äussert sich dies in Projekten?
Ein wichtiger Meilenstein 2021 war die ERP-Transformation in der Schweiz. Das ist für uns das Fundament für die weitere Digitalisierung. Wir haben jetzt alle Daten konsolidiert, alle Prozesse harmonisiert und konsolidiert. Dieses Jahr sind wir dabei, die HR-Prozesse basierend auf SAP Success Factors weiter zu digitalisieren. In der Schweiz ist dies schon weit fortgeschritten, nun starten die Rollouts in den anderen Ländern. Was wir stark entwickeln wollen ist Data Driven Implenia. Das ist eine Initiative, die wir auch gegenüber dem Verwaltungsrat rapportieren. Sie umfasst Bereiche wie Data Analytics, Prozessautomatisierung, Datenharmonisierung, verschiedenste IoT-Themen sowie die Nutzung der Daten für Machine-­Learning-basierte Anwendungen.

Nach welchen Kriterien werden Projekte angegangen?
Es gibt ein ganzes Portfolio von Projekten im Vorstadium, viele Ideen, die nach zwei Aspekten beurteilt werden: Einerseits dem wirtschaftlichen Benefit, andererseits dem strategischen Fit, der sich jährlich ändern kann. Man kann nicht jedes Projekt dann umsetzen, wenn man möchte, das kennt jeder CIO – entweder weil die Zeit noch nicht reif ist oder weil das Umfeld noch nicht bereit ist.

Gibt es konkret etwas, dass Sie nicht realisieren konnten und wenn ja, warum?
Eine Initiative, die ich 2021 noch nicht umsetzen konnte, ist ein Kompetenzzentrum im Bereich Data Analytics, um aus den vorhandenen Daten mehr Nutzen zu generieren. Das hätte ich sehr gerne letztes Jahr in die Wege geleitet. Leider war es nicht möglich, weil der Fokus 2021 klar auf der ERP-Transformation lag und darauf, die Daten zu konsolidieren und zu standardisieren. Das Thema ist aber nach wie vor auf meiner Agenda.

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Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
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