Die neue Realität ist virtuell

Die neue Realität ist virtuell

Artikel erschienen in IT Magazine 2022/01

Was braucht’s dafür?

Auch die Technologie hinter den Smart Glasses (im Bild das Modell Vuzix Blade) macht grosse Fortschritte. (Quelle: Bitforge)
Je nachdem, ob sich ein Unternehmen für eine VR- oder eine AR-Anwendung entscheidet, sind die Anforderungen an die Hardware unterschiedlich. Während gewisse AR-Funktionen nur ein Smartphone und die entsprechende Kamerafunktion benötigen, müssen für Virtual-­Reality-Umsetzungen entsprechende Brillen angeschafft werden. Sowohl bei Gamern wie auch bei Business Use Cases gehört derzeit die Oculus Quest zu den bekannteren VR Headsets. Neben der Oculus Quest existieren diverse weitere markttaugliche VR Headsets, die jedoch einen leistungsstarken PC oder eine entsprechende Spielekonsole voraussetzen. Demnächst lanciert auch Apple eine eigene VR-Brille und weitere grosse Anbieter werden mit Sicherheit folgen, was den Markt wieder neu durchmischen wird. Für AR-Funktionen gibt es ebenfalls zusätzliche Hardware. AR-Brillen wie beispielsweise Microsofts Hololens oder Magic Leap gehören da zur möglichen Ausstattung. Die Technologie hat aber ihren Preis. Für die Hololens bewegen sich die Preise derzeit um die 3000 bis 6000 Franken. Die weitaus günstigeren sogenannten Smart Glasses sind technologisch leider noch kaum ausgereift genug, um vollwertige Headsets zu ersetzen. Grundsätzlich handelt es sich bei den bisherigen Modellen um sogenannte Head Up Displays – im Prinzip also Bildschirme, die direkt vor dem Gesicht sitzen. Amazon nutzt diese Brillen beispielsweise, um den Mitarbeitenden im Lager die Bestelllisten anzuzeigen, während sie gleichzeitig die Hände frei haben, um die entsprechenden Versandpakete zu füllen. Noch können diese Brillen jedoch keine Informationen im realen Raum darstellen. Für Augmented-Reality-Anwendungen sind aktuell also die mit Abstand am häufigsten eingesetzten Geräte diejenigen, die wir alle tagtäglich mit uns rumtragen: unsere Smartphones (und Tablets).


Pfannenfertige Lösungen

Doch wo anfangen, wenn die Idee für ein AR- oder VR-Projekt erst einmal da ist? Mehrere Anwendungsfälle haben sich bereits etabliert und bieten Unternehmen einen echten Mehrwert. Insbesondere im Bereich AR ist die Entwicklung hin zu webbasierten No-Code-Plattformen ein Schritt, der kleineren und mittleren Unternehmen einfachen Zugang verschafft. Die meisten Betriebssysteme, Browser, Frameworks und Engines bieten bereits eine Unterstützung für AR- und VR-Funktionen. Um beispielsweise Inhalte ohne Programmierung darzustellen, bieten iOS und Android mit Scene Viewer respektive Quick Look eine einfache Möglichkeit, um 3D-Modelle mittels AR in der echten Welt zu platzieren. Die Modelle können auch animiert und mit einer Tonspur unterlegt werden. Das kann zum Beispiel für Produktpräsentationen nützlich sein, denn es ist sogar möglich, aus der AR-Ansicht direkt auf eine Shop-Seite zu verlinken. Apple bietet mit dem Reality Composer zudem eine Möglichkeit, interaktive Szenen für Quick Look zu erstellen.

Das Snapchat Lens Studio, das Facebook Spark AR Studio sowie Adobe Aero ermöglichen das Erstellen von Gesichtsfiltern und anderen AR-Effekten ohne Programmierkenntnisse – für die Wiedergabe wird dazu jedoch die jeweilige App benötigt.

Ein Standard, um VR- und AR-Anwendungen im Web für diverse Geräte zu entwickeln, ist WebXR. Der zwar noch nicht ganz finalisierte Standard wird bereits von Edge, Chrome und dem Samsung Internet Browser unter Android und Windows unterstützt und auch Apple hat eine zukünftige Unterstützung offiziell angekündigt. WebXR bietet einige häufig genutzte Grundfunktionen wie Hand Tracking oder die Platzierung von AR-Objekten auf Flächen, so dass viele Anwendungen, die vor kurzem noch eine App vorausgesetzt haben, nun auch im Web möglich werden. Allerdings bietet WebXR selbst keine 3D-Visualisierung – hierfür wird WebGL verwendet. Bibliotheken und Engines wie three.js, Babylon.js oder Playcanvas erlauben jedoch die Erstellung von interaktiven WebGL-Inhalten, ohne dass man sich um jedes Detail selber kümmern muss.

Mit 8th Wall existiert eine kommerzielle Lösung für Augmented-Reality-Anwendungen im Web, die auch iOS unterstützt und zum Beispiel die Platzierung von Objekten im Raum ermöglicht – hier lohnt sich allerdings ein genauer Blick auf die Kosten für die Lizenzierung für kommerzielle Projekte. Wer nur Location Based Augmented Reality oder Image Tracking und keine Platzierung von Objekten im Raum benötigt, kann mit ar.js oder MindAR Web Anwendungen für iOS und Android entwickeln.

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