Cannabis Compliance

Cannabis Compliance

Artikel erschienen in IT Magazine 2021/05

Jede Pflanze tracken

Somit soll die Lösung die Anforderungen jedes Stakeholders in der Supply Chain abdecken. Das zeigt sich auch daran, dass Cannavigia zusätzlich zu den oben erwähnten Standards bereits das Label SCC (Swiss Certified Cannabis) abdeckt, den ersten hiesigen Standard, der gerade von der IG-Hanf lanciert wurde.

Cannavigias zentraler Fokus liegt auf der Erfassung jedes einzelnen Arbeitsschritts. «Das System speichert jede Bewegung und jede Veränderung am Produkt in einer Schweizer Cloud», erklärt Richner. Damit deckt Cannavigia nicht nur die Anforderungen an ein streng reguliertes Produkt, sondern bietet gleichzeitig viele Optionen für modernes Marketing. «Da ich weiss, welche Pflanze für welches Fläschchen Öl verarbeitet wurde, erfülle ich nicht nur gesetzliche Auflagen, ich kann diese Information dem Kunden genauso zur Verfügung stellen wie dem Regulator.»
Der Kunde kann so mit einer Mischung aus statischen und dynamischen Informationen versorgt werden. Statisch sind zum Beispiel Angaben über die Pflanzenart, Produktname oder Firma. Spannend wird es allerdings bei den dynamischen: Hier kann detailliert gezeigt werden, in was für einer Erde eine Pflanze wuchs, wie die Sonneneinstrahlung war, ob sie drinnen oder draussen stand, wie der CO2-Wert war und, und, und. «Das ist wie beim Wein, denn Naturprodukte sind nie gleich», erklärt Richner. Dazu gehören natürlich auch CBD- und THC-Werte sowie andere aktive Substanzen. «Hier gibt es eine enorme Bandbreite.»

Um das Vertrauen in die Lösung zu steigern, werden die erfassten Arbeitsschritte mit einem Zeitstempel versehen und in zwei Blockchains gespeichert. Somit soll sichergestellt werden, dass die Daten nicht im Nachhinein manipuliert werden können.

Schweizer Weg hat mehr Optionen

Dieser Fokus aufs Detail kommt nicht nur durch die Anforderungen des Regulators. Für Richner geht es klar darum, eine bis dato etwas anrüchige Branche auf dem Weg in eine saubere Industrie zu begleiten. «Ich sage das allen unseren Partnern – wir haben eine einmalige Chance, von Anfang an Vertrauen aufzubauen.»

Und die Schweiz hat sich dafür gut positioniert: Im Vergleich zu Europa, wo nur Pflanzen mit einem THC-Gehalt bis zu 0,3 Prozent angebaut werden dürfen, hat die Schweiz die Grenze bei 1 Prozent THC gezogen. «So können wir eine viel grössere Menge unterschiedlicher Varianten anbauen und gleich Erfahrung in Anbau und Produktion sammeln.»

Zurzeit besteht das Vigia-Team aus sechs Personen und ist noch vollständig selbstfinanziert. Über mögliche Investoren will man erst Ende des Jahres nachdenken. Die ersten zahlenden Kunden sind auch bereits an Bord. Dem kommenden Start des offiziellen Schweizer Pilotversuchs steht Richner mit freudiger Aufregung gegenüber. «Wir sind gut positioniert – zu den Auflagen gehört nämlich auch ein Track & Trace. Mit Fokus auf Cannabis bieten das zurzeit nur wir in der Schweiz.»
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