Edge Computing: Ein Schritt in die Zukunft

Edge Computing: Ein Schritt in die Zukunft

Artikel erschienen in IT Magazine 2021/04

Weichenstellung für die Zukunft

Um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, braucht man möglichst viele Daten, die unter anderem als Entscheidungsgrundlage zur Optimierung der Prozesse dienen. «Zunächst müssen wir unsere Maschinen vernetzen, um Daten zu erhalten, diese verarbeiten zu können und um gewisse Muster zu erkennen. Zur Unterstützung bei den Entscheidungen bedienen wir uns auch der künstlichen Intelligenz. Ausserdem kommt ein übergeordnetes Manufacturing-Execution-System, kurz MES, zum Einsatz, das den Zusammenhang der Daten zwischen den einzelnen Prozessschritten herstellt. Daraus kann die gesamte Steuerung der Prozesse übernommen werden», erklärt Bolliger. «Es stellte sich nun also die Frage, wo dieses MES laufen sollte: in der Cloud, wo nach wie vor unser grösster IT-Workload läuft, oder vor Ort in einem eigenen Rechenzentrum. Mit unserer internen IT haben wir diese Frage zunächst aus der Perspektive der Kosten erörtert und festgestellt, dass es für uns günstiger ist, wenn das MES vor Ort läuft. Funktionen wie Realtime-Monitoring, Berechnungen mit den Maschinendaten und später die Steuerung der Maschinen setzen eine On-Premise-Lösung voraus.»

Deshalb und aus den zuvor genannten Gründen hat man sich bei Dätwyler IT Infra dazu entschieden, einen Grossteil der Daten aus der Produktion vor Ort in Altdorf zu verarbeiten. Dank der neuen Infrastruktur sollen die Latenzzeiten nur noch wenige Millisekunden betragen. Laut Bolliger ist eine Garantie solch tiefer Latenzzeiten mit einer Cloud-Anbindung nur schwer zu erreichen.

Das eigene Mini-Datacenter

Im Gegensatz zu einer Cloud-Lösung fallen beim Aufbau einer Edge-Infrastruktur Investitionskosten an. «In unserem Fall beträgt die Investition in unser Edge-Rechenzentrum rund 400’000 Franken, wobei darin auch die Kosten für den Bau eines Server-Raums samt Verglasung und Sicherheitszonen sowie die Infrastruktur, die Aktivkomponenten, die Migration und die Implementierung enthalten sind», so Bolliger. «Stellt man die Abschreibung dieser Kosten den wiederkehrenden Kosten für eine Cloud-Lösung gegenüber, fahren wir mit unserer Edge-Lösung aber gesamthaft etwas günstiger. Bei steigender Datenmenge kippt der Vorteil noch mehr in Richtung Edge Computing.»

Wie Adrian Bolliger weiter ausführt, ist es wichtig, bei der Planung einer eigenen Edge-Infrastruktur langfristig zu denken: «Unser System ist modular aufgebaut, sodass wir zusätzliche Racks für weitere Server oder Speichereinheiten hinzufügen können. Und man muss den Server-Raum so gestalten, dass er auch künftig den wachsenden Anforderungen an das Edge-Rechenzentrum genügt. So ein modulares Baukastensystem – vom Rechenzentrum bis zur Verkabelung – sowie der Ausbau eines Raumes mit der schlüsselfertigen Ablieferung gehören zum Portfolio, das wir unseren Kunden anbieten.» Darüber hinaus bedeutet der Betrieb einer eigenen Edge-Infrastruktur mehr Aufwand. «Verfügt ein Unternehmen nicht über die nötigen IT-Ressourcen, um das eigene Mini-Datacenter zu betreiben, benötigt es einen spezialisierten Dienstleister, der sich mit Distributed-Cloud-Lösungen auskennt. Dieser kann dann sowohl den Workload in der Cloud als auch den vor Ort managen», sagt Bolliger.

Die Vorbereitungen für das Projekt haben bei Dätwyler rund ein Dreivierteljahr gedauert. In dieser Phase wurden die Anforderungen an das neue System evaluiert. «Wir haben Anfang März dieses Jahres mit der Umsetzung begonnen. Der Plan sieht vor, dass unser neues Mini-Datacenter Ende Juli in Betrieb geht», so Bolliger. «Das modulare Rechenzentrum ist in einem Tag ­aufgebaut, der grösste Flaschenhals in unserem Zeitplan ist der Bau des Server-­Raumes, der in einer Produktionshalle zu liegen kommt.»

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