CIO-Interview: "Informatik ist ein Instrument, nie Selbstzweck"

CIO-Interview: "Informatik ist ein Instrument, nie Selbstzweck"

Artikel erschienen in IT Magazine 2018/07
Welche Tools und Werkzeuge für Ihre Vision des Arbeitsplatzes, der sich selbst konfiguriert, fehlen Ihnen noch?
Die funktionierenden Instrumente und Lösungen gibt es, und wir sind daran, im Bereich einer IT-Service-Management-­Plattform diese Funktionalität trotz der Heterogenität unserer Arbeitsplätze standardisiert bereitstellen zu können. Die grosse Herausforderung ist wie erwähnt die Konsolidierung der unterschiedlichen Anforderungen beziehungsweise das Realisieren einer gewissen Minimalnorm.

An welchen weiteren Projekten arbeiten Sie sonst noch?
Da gibt es natürlich viele. Ein wichtigstes Projekt betrifft die E-Government-Plattform des Kantons Aargau. Der Kanton hat vor sechs Jahren entschieden, eine stabile E-Government-Plattform aufzubauen, über die Private und Unterneh­men gewisse Dienstleistungen abwickeln können. Diese Plattform ist nach wie vor State of the Art, und aktuell arbeiten wir an der Zugangs- und Identitäts-Thematik – Stichwort ist hier die Integration der E-ID. Wir streben an, uns nah an der eidgenössischen Entwicklung zu bewegen, anstatt eine eigene ID-Lösung zu erfinden, wie dies andere Kantone machen. Daneben arbeiten wir rund um die Plattform daran, eine gewisse Industrialisierung der Leistungsprozesse herbeizuführen. Es wäre nicht klug, zu versuchen, bei einem Katalog von 500 Leistungen jeden Prozess individuell digitalisieren zu wollen. Wir müssen also einen Weg finden, das zu industrialisieren, indem die Prozesse in Charakteristiken aufgelöst und dann konfektioniert werden, um so das Dienstleistungsangebot rasch steigern zu können. Ein weiteres Projekt, auf welches wir uns vorbereiten, ist das Programm Smart Aargau, welches die Regierung verabschiedet hat und das die Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung zum Ziel hat. Hierbei spielt die Informatik als Enabler natürlich eine wichtige Rolle.
Viele Ihrer Herausforderungen teilen Sie mit 25 anderen IT-Leitern von Schweizer Kantonen. Inwieweit findet hier ein Austausch statt, inwieweit arbeitet man zusammen?
Synergien unter den Kantonen werden laufend gesucht, und ein Austausch findet auf jeden Fall statt. Ich darf auch sagen, dass die Hürden, sich gegenseitig zu unterstützen, sehr klein sind. Hat ein anderer Kanton beispielsweise bereits eine Ausschreibung gemacht, die bei uns ansteht, dann werden diese Unterlagen bereitgestellt, um sie adaptieren zu können. Ein gutes Beispiel ist auch das Projekt E-Umzug, also die Online-An- und Abmeldung bei einem Umzug. Bei der Umsetzung dieses Projekts im Kanton Aargau wurde erkannt, dass der Kanton Zürich den E-Umzug bereits erfolgreich realisiert hat. Es wurde geprüft, ob diese Lösung auch für andere Kantone funktioniert. Letztlich haben fünf Kantone basierend auf der Zürcher Plattform ein Pilotprojekt gestartet. Inzwischen ist man soweit, dass daraus eine Standard-Plattform für die ganze Schweiz entsteht. Diese Plattform wurde nun E-Operations Schweiz übergeben, die den Betrieb sicherstellen wird. E-Operation Schweiz wird ein Provider für gleichartige Dienste der Kantone.

Was ist die Idee hinter E-Operation Schweiz?
E-Operation Schweiz tritt beschaffungsrechtlich als juristische Person auf und kann so Ausschreibungen machen, an denen man sich als Kanton beteiligen kann. Wir als Kanton erhalten so einen einfacheren Zugang zu gewissen Diensten, was die regulatorischen Rahmenbedingungen betrifft. Denn ein Problem ist, dass wir unter den Kantonen Lösungen nicht einfach so teilen oder dasselbe einkaufen können, da jeder Kanton ein öffentliches Beschaffungsrecht beachten muss.

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