"Ein langer Weg mit disruptivem Innovationspotenzial - trotz oder wegen regionaler Umsetzung?"

"Ein langer Weg mit disruptivem Innovationspotenzial - trotz oder wegen regionaler Umsetzung?"

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/12
Wo stehen Sie zur Thematik «Dynamische Technologie versus starre Regulierung»?
Zu wenig Regulierung wäre also kontraproduktiv beim Aufbau des EPDG. Wenn der Bund aber seinen gesetzgeberischen Spielraum zu stark ausnützt, ist er in der Konsequenz unablässig damit beschäftigt, das Recht der technologischen Entwicklung anzupassen und liesse dabei keinen Raum für Innovation in den Versorgungsregionen. Das ist weder zweckmässig - von der Machbarkeit ganz zu schweigen - noch entspricht es dem Geist der schweizerischen Rechtsetzung.
Der Anhörungsentwurf zu den Ausführungsbestimmungen ging uns denn auch etwas gar weit in Richtung Top-Down. So viel Top-Down, dass wirkliche Innovation in diesem Ökosystem keinen Platz gehabt hätte.
Wir sind im Kanton Aargau bereits daran, die Überführung unserer vorhandenen und bewährten E-Health-Dienste in das künftige EPD-Ökosystem zu planen. Das wäre mit diesen Vorgaben definitiv nicht möglich gewesen. Wir sind überzeugt, dass erst die E-Health-Zusatzdienste, welche das EPD erweitern und unterstützen, das EPD für die Leistungserbringer attraktiv machen werden. Dazu gehören zum Beispiel das Zu- und Überweisungsmanagement, die Terminverwaltung, die E-Medikation oder der sichere Informationsaustausch zwischen zwei Akteuren.

Wie ist die Zusammenarbeit und Bereitschaft für Verbesserungsvorschlä­ge seitens der Akteure oder Bund?
Das Bundesamt für Gesundheit BAG pflegt erfreulicherweise eine für ein Rechtssetzungsprojekt ausgesprochen offene Informations­poli­tik und bezieht die betroffenen Akteure aktiv ein. Daher konnten wir unsere Erfahrung in der Umsetzung von E-Health-Anwendungen einbringen und gewisse zentrale Punkte bereinigen, die für uns und für das gesamte E-Health-­Ökosystem in der Schweiz Innovations­killer gewesen wären.
Ist die Regulierung von Stammgemeinschaften tendenziell zu detailliert und zu starr im Hinblick auf die kommende Digitalisierung und adaptierbaren Innovationen? Ist das verlangte Schweizerische System genügend offen für neue Technologien und absehbare Innovationen?
Zuerst ist es wichtig anzumerken, dass der Bund glücklicherweise international anerkannte Normen vorschreibt. Es wird also kein Sonderfall Schweiz geschaffen, sondern es werden auch für die Schweiz neu entwickelte Standards und Anpassungen an bestehenden Standards - was im E-Health Umfeld international üblich ist - wieder der internationalen Standardisierung zugeführt. Erste diesbezügliche Rückmeldungen sind grundsätzlich positiv.
Die Frage, ob Innovation in einem staatlich geregelten Umfeld überhaupt möglich ist, stellt sich meines Erachtens nicht. Innovation ist nicht vorherseh- oder planbar. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob wir im Umfeld des elektronischen Patientendossiers direkt von Innovationen profitieren und sie in unsere regional aufgebaute EPD-Infrastruktur einfliessen lassen können oder ob wir parallele, künstlich getrennte Systeme aufbauen, nutzen und unterhalten müssen.
Falls der Bund seine diesbezüglichen Versprechen einhält, bin ich zuversichtlich, dass wir das Beste aus zwei Welten haben können: schweizweit die gleichen Minimalstandards in Bezug auf Sicherheit und Interoperabilität und trotzdem genug Raum, um regionale und innovative Entwicklungen, wie sie ja im EPDG mit der dezentralen Architektur gefordert sind, zu ermöglichen und sogar zu fördern. Ich bin davon überzeugt, dass die ganze Schweiz von diesen unterschiedlichen Lösungen profitieren wird. Ich vertraue dem BAG grundsätzlich, es ist aber nicht die einzige in die Bereinigung der Vorlage involvierte Behörde

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