"Ein langer Weg mit disruptivem Innovationspotenzial - trotz oder wegen regionaler Umsetzung?"

"Ein langer Weg mit disruptivem Innovationspotenzial - trotz oder wegen regionaler Umsetzung?"

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/12
Wo stehen Sie auf der Zeitachse und was sind die aktuellen Herausforderungen bei der Etablierung des elektronischen Patientendossiers?
Wir planen, das elektronische Patientendossier gemäss EPDG frühestens Ende 2018 anzubieten; davor wird der Bund gar nicht bereit sein. Es müssen immerhin die zentralen Abfragedienste bereitgestellt, Anbieter von Zertifizierungsdiensten akkreditiert und Herausgeber von Identifikationsmitteln zertifiziert werden. Die den Schweizer Bedürfnissen angepassten Integrationsprofile müssen ebenfalls im Zusammenspiel getestet werden.

Mit dem EPDG und E-Health werden Bereiche reguliert, die Generationen prägen werden und auch informations-ethische Fragen aufwerfen. Es geht um personensensitive Daten bei welchen die Datenhoheit und mindestens die Mitbestimmung der Datennutzung letztlich beim Patient und Bürger liegt. Was macht eine Stammgemeinschaft in diesem Bereich?
Der Patient wird völlig neue Mittel erhalten, den Zugriff auf seine medizinischen Daten im EPD zu steuern, denn: auch heute findet ein Austausch per Post, Fax oder auch elektronisch statt. Es ist für ihn aber selten transparent, wer alles auf was Zugriff hat. Das wird sich mit dem EPDG ändern und damit verändert sich das Arzt-Patienten-Verhältnis nachhaltig. Der Patient erhält heute nur auf Anfrage Einblick in seine behandlungsrelevanten Daten. In Zukunft wird der Zugang zu den eigenen behandlungsrelevanten Daten alltäglich sein.
Wie beurteilen Sie die Regulierungsdichte der Verordnungen in Bezug auf die Zertifizierung von Gemeinschaften und Stammgemeinschaften?
Aus meiner früheren Tätigkeit als Gesamtprojektleiter EPDG kenne ich die Herausforderung bei der Rechtssetzung in einem technisch volatilen Umfeld aus eigener Erfahrung. Der Bund steht beim EPDG, speziell bei den Inhalten der technischen und organisatorischen Zertifizierung von Gemeinschaften und Stammgemeinschaften, vor der Situation, dass er von Gesetzes wegen Zertifizierungsvoraussetzungen für Gemeinschaften und Stammgemeinschaften erlassen muss. Diese kann er sehr allgemein oder äusserst spezifisch halten - oder irgendwo dazwischen.
Würde er nur wenige Vorgaben definieren, liesse er entweder den akkreditierten Zertifizierungsorganisationen bei der Definition der Prüfverfahren oder den Gemeinschaften und Stammgemeinschaften beim Aufbau freie Hand. Dies würde dazu führen, dass es signifikante Unterschiede bei der Ausgestaltung des elektronischen Patientendossiers gibt, wenn sich Akteure wie die Zertifizierungsorganisationen oder Gemeinschaften und Stammgemeinschaften nicht zusätzlich koordinieren würden. Schlimmstenfalls wäre die Interoperabilität nicht sichergestellt oder die Datensicherheit von Region zu Region unterschiedlich.
Genau das ist der Grund, weshalb das EPDG überhaupt einen so breiten Konsens geniesst - es wurde vom National- und Ständerat beinahe einstimmig verabschiedet. Um einheitliche Minimalanforderungen an die Interoperabilität sowie Datenschutz und Datensicherheit beim elektronischen Patientendossier sicherzustellen, müssen gewisse Spielregeln schweizweit gelten - ohne aber gleich alles Top-Down vorzugeben. Dazu gehören die Verwendung von Normen, Standards und Integrationsprofilen, ebenso die Vergabe von Zugriffsrechten, semantische und technische Austauschformate, die Verschlüsselung der Daten oder welche minimalen Funktionen Zugangsportale erfüllen müssen.

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