CIO-Interview: «Ein guter Mittelweg ist der beste»

CIO-Interview: «Ein guter Mittelweg ist der beste»

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/09
Gibt es Besonderheiten in Ihrer IT-Umgebung, die man in anderen Unternehmen in dieser Form nicht findet?
Als Besonderheit empfinde ich schon die bereits angesprochene breit angelegte Unterstützung der Geschäftsleitung, auch wenn es darum geht, etwas Neues auszuprobieren. Wir waren beispielsweise sehr früh dabei mit iPads und Apps für den Aussendienst. Oder wir betreiben innerhalb der IT eine kleine Abteilung mit rund einem Dutzend Leuten, die Software für Kunden entwickelt. Ein Kernprodukt ist dabei ein Planungstool für Architekten und Sanitärplaner, das diese gratis nutzen können und das sie bei der Planung von Rohrleitungsystemen in Gebäuden unterstützt. Diese Software pflegen wir mit grossem Aufwand, wir veröffentlichen zwei Releases pro Jahr und setzen auch auf innovative Ansätze – beispielsweise auf maschinelles Lernen für die optimale Dimensionierung von Regenwassersystemen, wo wir Erfahrungswerte aus der Praxis einspeisen. Die Abteilung entwickelt und betreut auch mobile Apps, die wir Installateuren anbieten und die gratis von den App Stores heruntergeladen werden können.

Im Geberit-Organigramm ist die IT dem Finanzdepartement angegliedert. Trotzdem scheint die IT bei Geberit nicht einfach als Kostenblock gesehen zu werden. Wieso denken Sie ist das so?
Unsere Konzernleitung weiss, dass die IT ein wichtiger Faktor für den Geschäftserfolg von Geberit ist. Der Schlüssel dazu ist Kommunikation mit den Geschäftseinheiten. Das Beziehungsmanagement spielt in der IT eine wichtige Rolle, und zwar nicht nur für mich, sondern auch für meine Mitarbeiter in Führungspositionen. Zum Thema Kosten noch: Hier habe ich in meiner Karriere die Erfahrung gemacht, dass ein guter Mittelweg der beste ist. Hat man zu wenig Budget, wird es schwierig, das Nötigste umzusetzen. Doch hat man zu viel Geld zur Verfügung, läuft man Gefahr, dass die Effizienz leidet und dass Themen wie Standardisierung vernachlässigt werden, weil der Druck fehlt. Deshalb finde ich es wichtig, dass man auf Kostenseite einen gewissen Druck hat.

Apropos Kosten: Ihr Vorgänger bezifferte 2010 das IT-Budget von Geberit auf 1,4 Prozent des Umsatzes. Wie sieht das heute aus?
Heute ist es etwas höher und liegt bei rund 1,7 bis 1,8 Prozent. Allerdings ist diese Zahl abhängig davon, was alles mitgerechnet wird. Beispielsweise gehört die angesprochene Abteilung, die Software für unsere Kunden herstellt, ja eigentlich nicht zur Betriebsinformatik.
Projekte, die Sie gerne umsetzen würden, wenn Sie nicht gerade eine Grossübernahme integrieren müssten?
Letztlich sind unsere Projekte durch das Business getrieben. Geberit hat aktuell einen sehr ambitionierten Projektplan, was das Unternehmen und seine Produkte angeht. Das fordert natürlich auch uns in der IT. Beispielsweise wird aktuell das Logistikcenter in Pfullendorf ausgebaut und die Fläche des Lagers verdoppelt. Das bislang verwendete Warehouse Management Modul von SAP genügt dabei nicht mehr, also haben wir SAPs Extended Warehouse Management (EWM) auf Hana eingeführt, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Solche Projekte gibt es laufend. Ansonsten darf ich aber sagen, dass wir IT-seitig – abgesehen von den angesprochenen Projekten, die wir wegen der Sanitec-Übernahme zurückstellen mussten – sehr gut aufgestellt sind. Unsere Datacenter sind komplett virtualisiert und unsere SAP-Hauptinstanzen sind bereits auf Hana migriert, was grosse Vorteile bringt. Wir haben eine solide Applikations- und Infrastruktur-Architektur mit der wir sich ändernde Anforderungen aus dem Geschäft abdecken können.

Sie arbeiten wie erwähnt mit rund 190 Mitarbeitern. Wie ist Ihr Team im Wesentlichen strukturiert?
Eine relativ grosse Abteilung ist im ERP-Umfeld tätig, kümmert sich also um SAP und aktuell auch noch um die Nicht-SAP-Systeme. Diese Abteilung zählt bis zu 50 Leute. Zur Betreuung der HR-Systeme und des Reportings haben wir eine eigene Abteilung. Die andere grosse Abteilung ist die Infrastruktur-Truppe, die sich um die gesamte Infrastruktur, inklusive WAN, unsere Datencenter in Jona und Pfullendorf und auch den Servicedesk kümmert. Daneben gibt es eine grössere Collaboration-Gruppe, die mit der Migration von Lotus Notes in die Cloud beschäftigt war und ist. Wir sprechen hier von bis zu 850 meist Kleinapplikationen in Lotus Notes, die grösstenteils Richtung Sharepoint migriert werden. Dann haben wir eine Sales- und Marketing-System-Gruppe, die das CRM und das Produktdaten-Managementsystem betreut, sowie eine kleinere R&D-Gruppe, die vor allem im Bereich CAD-Systeme inklusive Anbindung ans SAP tätig ist.

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