CIO-Interview: «Hier ist eine IT am Werk, die vorangeht und etwas bewegt»

CIO-Interview: «Hier ist eine IT am Werk, die vorangeht und etwas bewegt»

27. Februar 2021 - Ricardo Nebot, Head of IT bei Emmi Schweiz, wurde letzten Herbst im Rahmen des Swiss CIO Award als einer der Top-CIOs der Schweiz ausgezeichnet. Wofür er den Preis bekommen hat und wie er es geschafft hat, die IT zum willkommenen Partner im Unternehmen zu machen, erzählt er im Interview.
Artikel erschienen in IT Magazine 2021/03
Ricardo Nebot, CIO von Emmi (Quelle: Emmi)
"Swiss IT Magazine»: Mitten im zweiten Lockdown kommt man nicht um die Frage herum, welche Auswirkungen die Coronapandemie auf die IT bei Emmi hatte.
Ricardo Nebot:
Auf die IT bezogen waren die Auswirkungen glücklicherweise gering, und zwar nicht zuletzt aufgrund mehrerer glücklicher Umstände. So haben wir bei meinem Start bei Emmi vor nunmehr fünf Jahren entschieden, all unsere Büromitarbeitenden mit Laptops auszustatten – und zwar ausnahmslos. Zusätzlich haben wir bereits ein Jahr vor der Pandemie Zoom als internationale Konferenzlösung eingeführt, inklusive Single-Sign-on und Verschlüsselung. Als alle gezwungen waren, auf Biegen und Brechen eine Konferenzlösung einzuführen, konnte Zoom bei uns einfach aus unserem Servicekatalog bezogen werden. So blieb als grosse Herausforderung im Wesentlichen, die sonst üblicherweise 30 VPN-Home-Office-Arbeitsplätze innert weniger Tage auf über 700 aufzustocken. Hierbei hat uns geholfen, dass wir unsere virtualisierte Serverlandschaft schnell auf die neuen Anforderungen anpassen konnten. Besonderes Augenmerk dabei war die Sicherstellung der IT Security. Wenn man plötzlich 700 Türen öffnet, muss man vorsichtig vorgehen, was wir auch getan haben und so gut durch den ersten und auch durch den zweiten Lockdown gekommen sind. Gleichzeitig hat uns die Pandemie auch geholfen. Denn sie hat die Bedeutung der IT nicht nur für die Verwaltung, sondern auch die ganzen Produktionsprozesse aufgezeigt. Und wir dürfen mit einem gewissen Stolz sagen, dass wir nicht eine einzige Unterbrechung in der Produktion gehabt haben.


Man hört ja nun allenthalben, dass Corona die Digitalisierung beschleunigt haben soll. Allerdings ist Digitalisierung mehr als nur das Ermöglichen von Home Office und Videokonferenzen. Wo hat denn bei Emmi die Digitalisierung in den letzten Monaten sonst noch einen Sprung gemacht?
Beispielsweise beim Thema Workflows. Wir haben in Zeiten der Pandemie aufzeigen können, wie man mit Workflows auf Basis von SAP oder Opentext Standardtätigkeiten, die sonst viel Koordination und Abgleich bedürfen, deutlich besser abwickeln kann. Wir zählen aktuell um die 70 digital abgebildete Workflows – von der Bestellung einer Visitenkarte über Hardware-Bestellungen bis zum Onboarding neuer Mitarbeiter. Und diese Workflows werden vom Business inzwischen positiv angenommen. Ein weiteres Digitalisierungsthema, das wir in den letzten Monaten vorantreiben konnten, betrifft die Produktion, die als Molkerei unser Kerngeschäft ist. Wir unterhalten in der Schweiz sieben grosse Produktions­standorte und weitere 20 Betriebsstandorte. Die digitale Kommunikation zwischen all diesen Unternehmensteilen sowie die Nutzung der Werkzeuge, die wir bereitstellen, hat stark zugenommen.
Werkzeuge wie zum Beispiel?
Wir sind ein Microsoft-Anwenderunternehmen und setzen entsprechend Microsoft 365 mit all seinen Tools ein. Die Nutzung dieser Werkzeuge, Forms für Umfragen beispielsweise, Präsentations-Tools oder die Whiteboard-Werkzeuge, hat deutlich zugenommen. Seit Jahresanfang rollen wir zudem Microsoft Teams schweizweit aus und ersetzen damit die Festnetztelefonie. Damit bündeln wir die wichtigsten Kommunikationskanäle in einem Werkzeug.

Und wie nachhaltig wird der Digitalisierungsschub, den Emmi jetzt erfahren hat, in Ihren Augen sein?
Corona hat im Unternehmen für eine Notsituation gesorgt, und die IT konnte in dieser Notsituation aushelfen. Corona war und ist eine Ausnahmesituation und wir haben bewiesen, dass wir so eine Spitze nicht zuletzt mit Hilfe der IT bewältigen können. Bleiben davon wird – so denke ich – die Home-­Office-Arbeitswelt, die sich ausgestaltet hat. Dies insbesondere in der Schweiz mit ihrer guten Infrastrukturabdeckung und der hohen Technologie-Affinität der Mitarbeitenden. Dass sich allerdings nachhaltig etwas ändert bezüglich der üblichen Anforderungen an die IT, der strengen Budgetierungsrunden oder am Druck, mit immer weniger Mitteln immer mehr zu erreichen, daran glaube ich nicht.

Und dass die Akzeptanz für IT, für die Einführung von neuen, digitalen Lösungen, gestiegen ist, daran glauben Sie auch nicht?
Doch, aber nicht aufgrund der Corona­krise, sondern aufgrund des allgemeinen Digitalisierungsdrucks. Das Bewusstsein, dass Digitalisierung als Thema mit all seinen Facetten und Auswirkungen essenziell für ein Unternehmen ist, ist da. Das Thema Digitalisierung geht nicht mehr weg, es wird sich noch deutlich beschleunigen.
 
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