Swiss Made ohne Heimatschutz

Swiss Made ohne Heimatschutz

Artikel erschienen in IT Magazine 2012/11
Seite 1
4. November 2012 -  Von Daniel Meierhans
Swiss Made ist bares Geld wert. Zumindest in der Uhrenindustrie. Aber ist das, was für Feinmechanik am Handgelenk gilt, auch für Software wahr? Vor zehn Jahren hätten mich da noch ernste Zweifel beschlichen. Mit Schweizer Software verband ich damals in erster Linie mehr gebastelt als professionell wirkende Branchenlösungen für allerlei gewerbliche Spezialbedürfnisse.
In der Zwischenzeit hat sich dies grundlegend geändert. Die meisten der besagten Branchenbasteleien der ersten KMU-Digitalisierungswelle haben das Ende ihres Lebenszyklus hinter sich gebracht. Schweizer Hersteller machen heutzutage in der Regel technisch saubere Lösungen. Die wachsenden Ansprüche der Kunden und die internationale Konkurrenz lassen ihnen keine andere Wahl. So gesehen ist Swiss Made Software heute durchaus ein Qualitäts-Label. Allerdings keines, welches das Produkt von Lösungen anderer Provenienz entscheidend abheben würde.

Heimatschutz ist grotesk

Spielt demnach die Swissness beim Software-Kauf keine Rolle? Auch wenn der Einzelfall wie fast immer der Verallgemeinerung widerspricht, lautet für mich die Antwort: Swiss Made ist durchaus ein Kaufgrund! Dabei geht es nicht um Heimatschutz. In einem Land, das dermassen stark vom Export abhängig ist und angesichts der Tatsache, dass die den Lösungen zugrunde liegenden Frameworks sowieso internationale Produkte sind, wäre dies geradezu grotesk. Es geht vielmehr um puren wirtschaftlichen Pragmatismus.
Business-Software ist nicht einfach ein Gerät, das man kauft und dann mit den passenden Netzadaptern problemlos überall auf der Welt betreiben kann. Business-Software muss praktisch immer an die Geschäfts- und Rechtsgepflogenheiten des Landes und an die spezifischen Prozesse des einzelnen Unternehmens adaptiert werden. Diese Anpassungen bedingen fast zwingend einen lokalen Partner.
 
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