Communitys – die neuen Kartelle

Communitys – die neuen Kartelle

27. September 2010 -
Artikel erschienen in IT Magazine 2010/10

Open Source ist auf dem Vormarsch. Nicht nur in der Business Software. Auch in der traditionellen Industrie findet das Modell einer Öffnung der eigenen Technologie-Entwicklung für andere Marktteilnehmer in Form von Open Innovation immer mehr Anhänger. Die idealistischen Open-Source-Software-Pioniere jubilieren: Das ko-operative Gute siegt über das abgeschlossene Reich des egoistischen Bösen. Ein weiterer Bereich wird demokratischer.


So weit, so gut. Bloss, kaum ein Unternehmen verfolgt seine Strategie aus purem Idealismus. Wenn gestandene Konzerne wie Siemens oder ABB heute offene Entwicklungspartnerschaften propagieren, hat das genauso handfeste wirtschaftliche Gründe, wie wenn ein globaler Berater den Hauptexponenten der Schweizer OSS-Szene auf seine Gehaltsliste nimmt. Mit einer Öffnung der eigenen Technologien für Dritte erhöhen Firmen nämlich ganz einfach die Chancen, dass die eigenen Produkte langfristig auf einer als Standard anerkannten Basis aufbauen. Je mehr Unternehmen eine Technologie verwenden, desto eher wird sie von den Anwendern als strategische Zukunftsplattform eingestuft.


Proprietäres Gebaren nur für Monopolisten

Mit einem proprietären Zug drohen in der globalisierten Wirtschaft selbst grosse Konzerne auf dem Abstellgleis zu landen, denn im weltweiten Konkurrenzkampf gibt es auch kaum mehr lokale Nischen für den Zweitbesten. Selbst für vergleichbare Konkurrenten ist das Risiko, aus einer Standard-Auseinandersetzung als Verlierer hervorzugehen und damit sämtliche Investitionen abschreiben zu müssen, heute schlicht zu gross. Ein proprietäres Gebaren können sich nur Quasi-Monopolisten leisten.

Denn auch wer eine Auseinandersetzung gewinnt, kann sich nur bedingt freuen. Dies haben die Formatkriege um VHS und Betamax in den 1980er-Jahren und der kürzliche Kampf zwischen Blu-ray und HD-DVD klar vor Augen geführt. Der Verdrängungskampf zwischen Standards verlangsamt die Aufnahme einer Technologie massiv. Wenn die Käufer nicht sicher sind, welches der Formate in fünf Jahren noch auf dem Markt sein wird, warten sie ganz einfach ab. Damit verkürzt sich auch für den Sieger die Zeit, in der er seine Technologie wirtschaftlich ausbeuten kann, bis sie von der unweigerlichen Nachfolgetechnik verdrängt wird.

 
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