VR Headset für Business-Anwendungen
Quelle: Pico Interactive

Pico G2

VR Headset für Business-Anwendungen

Das Pico G2 4K ist ein Virtual Reality Headset, das für den Einsatz im Unternehmensumfeld konzipiert wurde. Es besticht durch 4K-Auflösung und dadurch, dass das System autark und damit unabhängig von einem PC arbeiten kann.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2021/06

     

Mit dem Pico G2 4K hat der Hersteller Pico Interactive ein autarkes Virtual-Reality-System im Sortiment, das sich explizit an Business-Anwender richtet. Das US-amerikanische Unternehmen mit Sitz in San Francisco, das weltweit an sieben Standorten präsent ist und mittlerweile über 300 Mitarbeitende beschäftigt, wurde erst 2015 gegründet, hat aber bereits mehrere VR-Produkte lanciert. In Europa ist Pico Interactive derweil erst seit 2020 tätig und unterhält einen Sitz in Barcelona. Das Pico G2 4K ist nicht mehr ganz taufrisch und wurde schon im Rahmen der CES 2019 vorgestellt, es gehört allerdings nach wie vor zur Flaggschiff-Serie des Herstellers und ist hierzulande erst seit Juli 2020 für Unternehmenskunden erhältlich. Darüber hinaus ist das Pico G2 4K noch immer eines der wenigen Geräte seiner Art, denn es kommt ohne einen PC und ohne Basisstationen aus und kann dennoch Inhalte in 4K-Auflösung darstellen.

Kompaktes Power-Paket

Das Design des Pico G2 4K versprüht vor allem eins: Understatement. Schon die Verpackung ist sehr schlicht gehalten und aus weissem Karton, auf dem lediglich das Firmenlogo und der Schriftzug «A New Reality» prangen. Darin befindet sich ein ebenso schlichtes, schwarzes Headset und ein kleiner, aus dunkelgrauem Plastik gefertigter Controller. Auch im Lieferumfang enthalten sind ausserdem ein Ladegerät, ein USB-C-Kabel und zwei AAA-Batterien für den Controller.


Auch wenn das System optisch nicht sehr viel hergibt, hat es die Technik doch in sich. Das Headset wird von einem Snapdragon-835-Prozessor von Qualcomm angetrieben und verfügt über 32 GB internen Speicher zur Installation von VR-Inhalten, der mittels MicroSD-Karte um bis zu 256 GB erweitert werden kann. Das LC-Display hat eine Auflösung von 3840 x 2160 Pixel, eine Bildwiederholrate von 75 Hz und eine Pixeldichte von 818 PPI. Eher schwach hingegen der Akku, der eine Kapazität von 3500 mAh hat, was für eine Betriebsdauer von rund 2,5 bis maximal 3 Stunden reicht, je nach Art der Nutzung. Und als Betriebssystem kommt Open Android zum Einsatz, das mit dem hauseigenen User Interface von Pico Interactive versehen ist.

Komfortabel und hygienisch

Das Headset des Pico G2 4K wiegt nur 470 Gramm und ist damit leicht genug, um es auch während mehreren Stunden tragen zu können, ohne eine Nackenstarre zu erleiden. Das Gehäuse besteht aus hartem Plastik, während die Bänder, die das Headset auf dem Kopf halten, aus elastischen und synthetischen Textilien gefertigt sind. Die beiden seitlichen Bänder lassen sich dabei dank Klettverschlüssen schnell und einfach in der Länge anpassen. Der Akku befindet sich übrigens in einem gekrümmten und mit Schaumstoff überzogenen Gehäuse, das auf dem Hinterkopf aufliegt. Das hat den Vorteil, dass die Display-Einheit dadurch leichter wird und der Akku als Gegengewicht dazu fungiert, was den Tragekomfort erhöht.


Für einen bequemen Halt auf dem Gesicht sorgen Schaumstoffeinlagen, die mit Kunstleder überzogen sind. Diese lassen sich leicht abwischen und sind auch austauschbar, ein grosser Pluspunkt im Hinblick auf die Hygiene des Systems. Dazu ist zu sagen, dass das Headset sich für alle Gesichtsgrössen und -formen eignet, jedoch ist die Aussparung für die Nase relativ gross geraten, wodurch Licht von unten eindringen kann, was die Immersion in das VR-Erlebnis unter Umständen selbst für Menschen mit einer eher breiten Nase schmälert. Zwar kann das Headset auch von Brillenträgern verwendet werden, eine manuelle Einstellung der Pupillendistanz ist jedoch nicht möglich.

Schnellstart

Eingeschaltet wird das Pico G2 4K durch Drücken auf den kleinen Start-Knopf, der sich an der Unterseite des Gehäuses befindet, wie auch ein UBS-C-Anschluss, ein Slot für eine MicroSD-Karte, eine 3,5-mm-Klinkenbuchse für den Anschluss eines Kopfhörers sowie Knöpfe zur Regelung der Lautstärke. Und à propos Lautstärke: Auch die Lautsprecher sind an der Unterseite des Headsets angebracht, allerdings nach hinten versetzt und damit näher am Gesicht des Nutzers. Aus den kleinen Lautsprechergittern verteilt sich der Sound somit nach unten. Das ist nicht optimal, doch der Klang ist zweckmässig und kann sich in einer ruhigen Umgebung durchaus hören lassen.


Nach dem ersten Einschalten dauert es nur wenige Minuten, bis man sich in der virtuellen Realität wiederfindet. Zunächst zeigt ein kurzes On-Screen-Tutorial, wie man den Controller verbinden und kalibrieren kann, und schon wird man gebeten, das Headset über WiFi mit dem Internet zu verbinden. Ist dies erledigt, sucht das Gerät erst einmal nach Updates und installiert diese, bevor man ins dreidimensionale Hauptmenü gelangt. Es ist dies eine futuristisch anmutende Plattform, die nach vorne und oben hin offen ist. Als Hintergrund stehen verschiedene Bilder zur Auswahl, sodass man beispielsweise eine Aussicht auf ein Bergpanorama oder die Erde simulieren kann. Im Hauptmenü findet man nebst dem Zugang zu den Einstellungen des Headsets unter anderem auch den Pico Store, eine Übersicht der bereits installierten Apps sowie einen File Manager, mit dem sich der Inhalt des Speichers durchstöbern lässt.

VR-Welten in 4K

Für das Pico G2 4K spricht ohne Zweifel die hohe Auflösung der Displays. Inhalte in 4K erscheinen gestochen scharf. Allerdings nicht immer. Gewisse Videos produzieren Artefakte, was wohl an bestimmten Videoformaten liegen dürfte, die vom Headset nicht korrekt unterstützt werden. Ob der Hersteller hier mit einem Update nachhelfen kann oder wird, ist unklar. Ansonsten gibt es am Erlebnis aber kaum etwas auszusetzen. Schnelle Bewegungen des Kopfes macht das Headset problemlos mit und überträgt diese ohne Ruckeln an die Displays. Dies schmälert auch die Wahrscheinlichkeit, bei der Nutzung von Übelkeit heimgesucht zu werden. Der Controller ist sehr leicht und nicht besonders ergonomisch, arbeitet aber präzise, weshalb sich Menüs und Apps mühelos damit steuern lassen. Darüber hinaus bietet das Pico G2 4K auch die Möglichkeit, das Headset ohne den Controller zu nutzen, indem zur Steuerung die Blickrichtung in Kombination mit den Knöpfen verwendet wird, die sich seitlich am Headset selbst befinden.


Und nicht zuletzt verfügt das Pico G2 4K auch über einen Kiosk-Modus. Dieser erlaubt es, eine beliebige App zu definieren, die beim Aufstarten des Systems direkt geöffnet wird. Auch lassen sich im Kiosk-Modus Bedienelemente ausblenden, die nicht benötigt werden und die Nutzer nur ablenken würden. Diese Funktion dürfte vor allem für Präsentationen im Business-Kontext interessant sein.

Pico Store und SDKs

Natürlich sind die technischen Spezifikationen und die Leistung eines Headsets für das Erlebnis in der virtuellen Realität wichtig, jedoch ist auch die beste Ausstattung nur marginal von Nutzen, wenn der Content die technischen Fähigkeiten des Headsets nicht ausschöpfen kann. Im Fall des Pico G2 4K ist dies – zumindest vorerst – ein Problem, denn zum einen gibt es noch nicht sehr viel Content im Pico Store, und viele der Apps bieten keine Inhalte mit 4K-Auflösung, was schade ist. Immerhin lässt sich auch Viveport nutzen, der Online Store von HTC, jedoch ist hier die Auswahl der Apps, die mit dem Pico G2 4K kompatibel sind, beschränkt.


Unternehmen dürften aber vor allem daran interessiert sein, eigenen VR-Inhalte für das System zu entwickeln. Hierfür gibt es Software Development Kits für die beiden Entwicklungsumgebungen Unreal Engine und Unity. Im Pico Store gibt es einige Beispiele dafür, wozu Unternehmen das System nutzen können. So gibt es Schulungs-Apps aus verschiedenen Sektoren der Wirtschaft, beispielsweise aus dem medizinischen oder dem Retail-Bereich. Die Kreuzfahrtgesellschaft MSC Cruises etwa bietet mit einer App die Möglichkeit, die eigenen Kreuzfahrtschiffe virtuell zu erkunden.

Enterprise-Version mit mehr Leistung

Seit diesem Jahr ist in Europa auch ein neues Modell des Headsets verfügbar. Beim G2 4K Enterprise zum Preis von rund 500 Franken handelt sich um eine aufgebohrte Version des hier getesteten Basis-Modells. Diese verfügt über einen 128 GB Speicher und über eine 25 Prozent längeren Akkulaufzeit. Ebenfalls neu mit an Bord ist eine nach aussen gerichtete 16-MP-Kamera für Augmented-­Reality-Inhalte. Die verbesserten Spezifikationen gehen allerdings zu Lasten des Gewichts, das um 20 Gramm auf 490 Gramm steigt.

Pico G2 - Fazit

Das Pico G2 4K ist ein leichtes und angenehm zu tragendes VR Headset, das auch aufgrund der 4K-Auflösung seiner Displays punkten kann. Dazu kommt, dass es komplett autark funktioniert, also weder auf einen PC noch auf Basisstationen angewiesen ist, um Inhalte abzuspielen. Das Headset richtet sich hauptsächlich an Business-Anwender, die allerdings mit der Einschränkung leben müssen, dass dem Pico G2 4K nach maximal drei Stunden Betrieb der Saft ausgeht.

Positiv
+ leicht
+ autark, braucht keinen PC
+ WiFi-Anbindung


Negativ
- Akku reicht für 2,5 bis höchstens drei ­Stunden, je nach Art der Nutzung
- (noch) wenige Inhalte im Pico Store

Hersteller/Anbieter
Pico Interactive

Preis
ca. 450 Franken

Wertung
Funktionalität 4,5 von 6 Sternen
Bedienung 5,5 von 6 Sternen
Preis/Leistung 5 von 6 Sternen
Gesamt 5 von 6 Sternen (luc)


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