Start-up Joixes

Eine Frage des Geschmacks

Eine Frage des Geschmacks

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/09
Das Start-up arbeitet mit einem expliziten Geschmacks-Modell, das im Rahmen der Forschung an der HSG entwickelt wurde. So erstaunt es nicht, dass ein ehemaliger Rektor der HSG, der auf dem Gebiet forscht und ein Pionier im Bereich Geschmacksforschung ist, bei Joixes im Verwaltungsrat sitzt. Und die bereits vorhandenen Forschungsinhalte der HSG halfen bei der Start-up-Gründung, wie Bleuler erklärt: «Dank den bereits vorhandenen Ergebnissen der HSG-Geschmacksforschung konnten wir beginnen, ohne irgendwo Daten auftreiben zu müssen. Als kleiner Player können wir mit einem bestehenden Modell arbeiten und es im Laufe der Zeit mit unseren Erfahrungen anreichern.» Das Modell verhalf dem Start-up zu einem Jump-Start. «Andere Start-ups scheitern schon an diesem Punkt. Sie haben zwar eine Idee, aber keine Inhalte und bekommen deswegen keine Nutzer. Und ohne Nutzer wiederum kommt man nicht zu Inhalten. Dank der Forschungsergebnisse der HSG können wir mit unserer Herangehensweise dieses Problem umgehen», kommentiert Boesch.

Für die Parameter der Geschmacksmodellierung im Detail ist David Holzer zuständig. «Die Parameter bis ins kleinste Detail beschreiben, kann nur unser Geschmacksforscher», lacht der 34-jährige Boesch, und sein zwei Jahre jüngerer Kollege ergänzt: «Was man sicherlich sagen kann ist, dass für einen erfolgreichen Vorschlag auf Joixes auch der Gesichtspunkt wichtig ist, was dem Nutzer nicht gefällt. Dazu kommt der Aspekt, dass gemäss der Forschung ähnliche Leute ähnliche Dinge cool finden. Das bedeutet also, wenn mein Gegenüber bis anhin ähnliches lässig gefunden hat wie ich, dann werden wir auch in Zukunft ähnliches gut finden.» Bei der Geschmacksforschung geht es unter anderem um die Definition von Ähnlichkeit. Die Joixes-Suchmaschine braucht gewisse Kriterien für diese Ähnlichkeit. «Dinge die einfach zu verbalisieren sind, die lassen wir nicht in unsere Suche miteinfliessen», erklärt Bleuler. Für den Algorithmus, der hinter Joixes steckt, kann also ein Stuhl und ein T-Shirt alleine durch die Bildsprache viel aussagekräftiger bezüglich Charakter eines Nutzers sein als etwa die ersichtlichen, beschreibbaren Kriterien.

Datenspeicherung ausgeschlossen

Grundsatz der Plattform ist, dass sie, obwohl sie persönliche Geschmacksergebnisse liefert, keine sensitiven Benutzerdaten sammelt. «Bei den herkömmlichen Seiten weiss man nie genau, was mit den preisgegebenen Daten passiert und wer Einsicht auf solche hat. Zudem spiegeln die Daten normalerweise keineswegs die persönlichen Vorlieben», erklärt der Wirtschaftsabsolvent Boesch. Bleuler ergänzt: «Auch die Werbungen sind ein Problem, weil sie an den Höchstbietenden gehen und nur bedingt darauf eingehen, was einem persönlich passt.» Joixes speichert die persönlichen Daten temporär im Browser-Cache und verlangt kein Login. Für die Wiedererkennung auf unterschiedlichen Geräten kann sich der Nutzer mit seiner Mail-Adresse registrieren, ein Passwort wird nicht benötigt. Wenn der Nutzer sein Geschmacksprofil auf Joixes löschen möchte, kann er dies mit einem Klick bewerkstelligen und so seinen Fussabdruck in der Suchmaschine verschwinden lassen. Und auch auf Werbung verzichtet die Suchmaschine.

Um Geld zu verdienen, kassiert das Start-up von jeder Produkt-Homepage, auf deren Link geklickt wird, einen kleinen Betrag. Und wenn der Nutzer tatsächlich etwas kauft, dann springt für Joixes sogar eine kleine Verkaufskommission raus. Insgesamt können Schweizer Nutzer Produkte von über 400 Anbietern, die in die Schweiz liefern, beziehen. Im Ausland sind es, je nach Land, sogar noch einige mehr.

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