RIA-Technologien im Vergleich

RIA-Technologien im Vergleich

Artikel erschienen in IT Magazine 2008/05

Webanwendungen ohne Browser

RIAs sind aber auch ganz ohne Browser möglich, wenn für Präsentation eine eigenständige Engine eingesetzt wird, ein sogenanntes RIA-Runtime. Damit fällt ein Problem weg, an dem browsergebundene RIAs leiden: Die Bedienungselemente des Browsers sind bei einer RIA eigentlich überflüssig. Im besten Fall sind sie nutzlos, besonders der Back-Button kann aber auch zu ernsthaften Problemen im Ablauf führen, wenn er zur falschen Zeit benutzt wird.


Bekannte Beispiele von RIA-Runtimes sind AIR (Adobe Internet Runtime) und das Mozilla-Projekt Prism, das sich noch im Experimentalstadium befindet. In beiden Fällen muss auf dem Clientsystem zuerst das Runtime-Paket installiert werden.
Bei Prism lässt sich danach jede Webanwendung durch Angabe des URL in eine Standalone-RIA umwandeln. Eigentlich ist Prism in der aktuellen Form aber nur ein Browser ohne die typischen Bedienungselemente. Die «umgewandelte»

Webanwendung erscheint im Prism-Fenster ansonsten gleich wie im Browser – eigene Menüs sind zum Beispiel nicht möglich.
AIR-Anwendungen müssen dagegen speziell für die Adobe-Technologie entwickelt werden: Das Ergebnis ist ein .air-File, das der Anwender von der Entwicklerwebsite oder aus dem Adobe-eigenen AIR-Marketplace herunterlädt. Auf Basis des Flash-basierten Flex-Frameworks ermöglicht AIR nahezu beliebige Client-seitige Funktionalität und multimedial-interaktive Oberflächen. Auf der anderen Seite lassen sich AIR-Anwendungen wie bei allen RIA-Runtimes nur ausführen, wenn auf dem Zielsystem die Runtime-Engine installiert ist.


Online oder offline?

Die Aufbereitung der Benutzerschnittstelle erfolgt bei einer RIA auf dem Client, der grösste Teil der Programmlogik und Datenhaltung bleiben dem Web- und Datenbankserver überlassen. Dieses Online-Betriebsmodell funktioniert allerdings nur, wenn Client und Server ständig verbunden sind. Das ist zwar dank Breitbandanschluss und Mobilfunk der UMTS-Klasse zunehmend der Fall – aber eine Mobilverbindung wird oft unterbrochen, und der Anwender möchte vielleicht auch gar nicht, dass seine Software permanent mit einem Server kommuniziert.


Klassische Webapplikationen haben keinen Zugriff auf das Dateisystem des Clientrechners. Dies gilt auch für die typische RIA: Sie läuft in einer abgeschotteten Umgebung, einer «Sandbox». Verschiedene RIA-Frameworks bieten jedoch die Möglichkeit, Daten auf sichere Weise trotzdem lokal zu speichern


«Local Storage» ist denn auch die Voraussetzung für offline-fähige RIAs, die auch ohne ständige Verbindung zum Server weiter funktionieren und nicht «Always Connected», sondern nur «Occa­sionally Connected» sind. Dies ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn die für die offline genutzten Funktionen notwendige Programmlogik ebenfalls auf dem Client abläuft.Sobald eine Anwendung nur gelegentlich im Online-Modus läuft, braucht es zudem einen Mechanismus zur Synchronisation der lokalen Daten mit dem Server.


Eine «Occasionally Connected RIA» unterscheidet sich eigentlich nur noch dadurch von einer Desktop-Anwendung, dass als Grundlage plattformneutrale Internet-Technologien statt betriebssys­temspezifische Softwareschichten zum Einsatz kommen.


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