Kabelloser HDMI-Kabel-Ersatz

von Marcel Wüthrich

7. Dezember 2019 - Kabel sind ein lästiges Übel. Hersteller Iogear hat nun eine Lösung parat, mit der zumindest auf das HDMI-Kabel verzichtet werden kann, ohne dass mühsame Installationen nötig sind. Ob die Lösung fürs Business und auch für HD-Inhalte im Wohnzimmer taugt, haben wir getestet.

Kabel sind das lästige Übel einer jeden mobilen oder zumindest flexiblen Präsentations-Installation. Aber auch bei fixen Installationen – etwa eines Beamers an der Decke – lassen sich die Kabel für Strom und Bildsignal selten elegant verbergen.

Inzwischen aber gibt es Lösungen. So hat "Swiss IT Magazine" in diesem Sommer den Viewsonic M1 Plus (siehe Ausgabe 07/2019) getestet, einen Beamer, der im Akku-Betrieb bis zu sechs Stunden durchhält und dabei mit durchaus hellen Bildern aufwarten kann. Zumindest im mobilen Einsatz braucht man so kein Stromkabel mehr. Bezüglich Bild­übertragung gibt es ebenfalls Lösungen. Inhalte lassen sich via Screen Sharing direkt ab einem Smartphone oder Tablet teilen, genauso wie etwa Miracast das Teilen des Bildschirms erlaubt, sofern die jeweiligen Geräte die Technologie unterstützen. Eine weitere Lösung ist Airtame, ein rund 400 Franken teures Gerät, das an den HDMI-Port gesteckt wird und es erlaubt, via WiFi innerhalb eines Netzwerks Inhalte ohne Kabel auf ein Anzeigegerät zu streamen. Doch all die beschriebenen Lösungen ersetzen nicht das HDMI-Kabel, dass ganz einfach an zwei Geräten eingesteckt werden kann, um so Bild und Ton in Full HD zu übertragen. Hier kommt das Share Pro Mini Wireless HD Video Transmitter and Receiver Kit ins Spiel, das das kalifornische Unternehmen Iogear seit kurzem für 120 Dollar verkauft.


Einstecken, loslegen

Die Lösung verspricht nicht weniger als eine kabellose HDMI-Verbindung zwischen zwei Geräten auf eine Distanz von bis zu 12 Metern und mit 1080p-Auf­lösung bei 60Hz – und das alles ohne ­irgendwelche Software-Installation oder die Zuhilfenahme von WiFi.

Im Paket stecken zwei HDMI-Dongles, beide messen 89×38×16 Millimeter und sind damit in etwa so gross wie drei Stimorol-Kaugummi-Stangen. Ebenfalls im Paket drin sind nebst einer Kurzanleitung zwei USB-Kabel und jeweils zwei HDMI-Adapter, einer davon eine zirka 15 Zentimeter lange HDMI-Verlängerung, damit der Dongle nicht direkt am Beamer oder TV eingesteckt werden muss, und der andere ein abgeknickter 90-Grad-HDMI-Stecker. Somit sollte man für jedes Installations-Szenario gerüstet sein. Die USB-Kabel sind derweil nötig, um den HDMI-Sender respektive -Empfänger mit Strom zu versorgen. Sind die Geräte, an die die Lösung gesteckt wird, nicht mit einem entsprechenden USB-Port bestückt, muss man sich mit einem 5V-USB-Stromadatper behelfen.

Das Setup des Share Pro Mini Wireless HD Video Transmitter and Receiver Kits ist ein Kinderspiel: Sender und Empfänger an den jeweiligen HDMI-Anschlüssen einstecken, mittels USB-Kabel mit Strom versorgen – fertig. Noch nicht einmal ein Sync-Button oder ähnliches muss gedrückt werden, und zwei kleine LED an der Rückseite der Dongles zeigen an, ob Strom da ist und die Verbindung steht.

Allerdings: Kabelfrei wird die Umgebung nicht – allein schon dadurch, dass man ein USB-Kabel an die Rückseite des Dongles ziehen muss, und je nach Platzverhältnissen an den jeweiligen Anschlussgeräten auch die HDMI-Verlängerung braucht. An unserem Notebook beispielsweise konnte das USB-Kabel nicht mehr eingesteckt werden, weil der Dongle am HDMI-Port zu viel Platz brauchte, und am Beamer hatte der Dongle ohne Zwischenstück genauso wenig Platz.


Business ja, Entertainment nein

Einmal eingerichtet, lässt sich auf den ersten Blick kein Unterschied feststellen, ob Notebook und Beamer per HDMI-Kabel oder mit dem Kabellos-Set von Iogear verbunden sind. Powerpoint-Präsentationen oder Bilder werden anstandslos und in Full HD übertragen. Allenfalls macht sich eine kleine Latenz bemerkbar, die bei einer Präsentation aber nicht stört.

Auch bezüglich Reichweite hat der Hersteller nicht zu viel versprochen. Steht kein Objekt zwischen Sender und Empfänger, sind 10 Meter problemlos machbar, auch wenn ein Video abgespielt wird. Wenn sich eine Person zwischen Empfänger und Sender bewegt, macht dies keine Probleme, und auf kürzere Distanzen um die 5 Meter können durchaus auch Objekte die direkte Verbindung zwischen Receiver und Transmitter verdecken, die Übertragung wird dadurch nicht beeinträchtigt.

So gut das Set für statische Präsentationen funktioniert, bei multimedialen Anwendungen – sprich beim Abspielen von Videos – sieht die Sache dann nicht mehr ganz so toll aus. Um es kurz zu machen: Videos ruckeln. Wie stark, hängt vom jeweiligen Content ab. Bei Sportübertragungen oder Actionfilmen machen sich recht deutliche Aussetzer spürbar, bei ruhigeren Aufnahmen bemerkt man das Ganze deutlich weniger. Wie stark das ruckeln ist, hängt auch von der Auflösung ab, doch auch bei tiefer aufgelösten Videos, etwas mit 720p, verläuft die Übertragung nicht ruckelfrei. Immerhin: Bild und Ton bleiben beim Abspielen ab dem Notebook synchron, allerdings hängt auch hier das Bild, das der Beamer darstellt, leicht demjenigen des Notebooks hinterher. Wer also auf beiden Geräten Inhalt absolut synchron abspielen muss, für den ist das Set aufgrund der vorhandenen Latenz nichts.

Wir haben das Sende-/Empfangsset aber nicht nur im Zusammenspiel mit einem Notebook getestet, sondern auch an eine Playstation-4-Videokonsole gehängt – schliesslich wird die Spielkonsole explizit von Iogear als mögliches Anwendungsgebiet genannt. Hier aber macht das Ganze dann keinen Spass mehr. Videogames ruckeln merklich, deutlich mehr als ein Video, was beim Spielen ein absolutes no go ist. Und beim Abspielen von Video über den Playstation-Mediaplayer sind auch Bild und Ton nicht mehr synchron, was einen Film ungeniessbar macht. Wer also gehofft hat, seine Play­station nun kabellos mit dem Beamer verbinden zu können, wird enttäuscht.

Zu guter Letzt haben wir das Set noch mit Apple TV und einem Fernseher verbunden. Das Problem mit den Rucklern im Video besteht auch hier, der Ton ist aber wieder synchron. Dafür gab es deutliche Verbindungsprobleme, wenn der Empfänger auf der Rückseite des Fernsehers eingesteckt ist und der Sender in einem Möbel vielleicht 50 Zentimeter unter dem TV sendet. Darum das Fazit: Für Business-Anwendungen ist das Set durchaus geeignet, selbst wenn gelegentlich ein Video (so lange es kein Actionfilm und kein Fussballspiel ist) abgespielt werden muss. Im Home-Entertainment-Bereich ersetzt Share Pro das Kabel leider nicht.

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