Sunrise bietet 5G mobil und stationär

von Simon Wegmüller

7. Dezember 2019 - Mit gleich zwei neuen 5G-Geräten geht der Telco Sunrise an den Start: Einerseits mit dem HTC 5G Hub für ­unterwegs, andererseits mit einer Mobilnetz-basierten Büro- und Heimanwendungslösung. "Swiss IT Magazine" konnte beide bereits testen.

HTC hat einen interessanten mobilen 5G Hub entwickelt, der einen 5G-Hotspot inklusive Android-Betriebssystem und Display sowie eine Powerbank in einem einzigen Gerät in sich vereint. Doch der HTC 5G Hub bleibt in allererster Linie ein 5G-Hotspot. Dieser soll an Ort und Stelle sowie auch mobil via WLAN-Hotspot bis zu 20 Benutzer mit schnellem 5G-Internet verbinden. Gleichzeitig bietet Sunrise seinen Bestands- und Neukunden die Sunrise Internet Box 5G an. Dabei handelt es sich um die Weiterentwicklung des 4G-Vorgängers, die sich überall dort anbietet, wo die 5G- respektive 4G-Anbindung schneller ist als das Festnetz.

HTC 5G Hub

Doch zuerst zum 5G Hub: Sunrise vertreibt den mobilen Hotspot hierzulande exklusiv und vermarktet das Gerät auch als Smart-Home-Produkt. Das mit 5-Zoll-Display (720×1280) ausgestattete Gerät läuft auf der beinahe neuesten Android-Version (9.0) und integriert auch Googles Voice Assistant, was die Sprachsteuerung ermöglicht. Diese funktioniert, wie man das sich das vom Smartphone her gewohnt ist, mal besser, mal schlechter, kann aber in gewissen Situationen, etwa in einem Meeting, durchaus von Nutzen sein.

Im Vergleich zu den meisten mobilen Hotspots, die es – mit 4G-ausgerüstet – in nicht zu geringer Zahl gibt, bietet der 5G Hub von HTC einiges mehr an Funktionalität, wiegt mit 340 Gramm dafür aber auch relativ viel und kostet auch einen ganzen Brocken mehr. 841 Franken sind dafür fällig, was in etwa dem Preis eines Mid-to-High-Range-Smartphones entspricht. Ein Grossteil des Gewichts geht dabei auf den 7660-mAh-Akku im Inneren zurück. Dieser versorgt das Gerät nicht nur mobil mit Strom, sondern ermöglicht auch den Anschluss von Telefonen über USB-C, um den Hub als Akkupack zu benutzen. So lässt sich etwa im Notfall ein Smartphone mit Strom versorgen. Gleichzeitig kann der Hub über den USB-C-Anschluss mit Strom versorgt werden – nützlich, wenn kein Stromanschluss in der Nähe ist, dafür aber etwa eine Powerbank. Zum Akku lässt sich allgemein sagen: Er hält lange durch. Im Test musste er während rund zwei Tagen Dauerbetrieb nur einmal an den Strom angeschlossen werden, und dies, obwohl das Gerät wahrscheinlich einer höheren Belastung ausgesetzt war, als das im Normalbetrieb der Fall ist.


Viel Power & Funktionen für einen Hotspot

HTC verwendet im 5G Hub einen Snapdragon-855-Prozessor von Qualcomm, 4 GB RAM und 32 GB integrierten Speicher. Dies alles wird kombiniert mit dem Snapdragon-X50v2-5G-Modem. Das sorgt für genügend Power und ein flüssiges Erlebnis bei der Steuerung des Hubs. Einziges Manko: Bei vielen am WLAN-Netzwerk angehängten Geräten wird das Gehäuse relativ warm.

841 Franken sind sicher ein stolzer Preis für einen Hotspot, auch wenn es sich beim HTC 5G Hub ja um mehr handelt. Dennoch macht ein Hotspot zu diesem Preis nur dann Sinn, wenn man diesen wirklich jetzt schon mit 5G braucht, da schlicht keine Alternativen existieren. Die Smart-Home-Features sind nett, bringen nebst der Nutzung des Gerätes als Hotspot letztendlich aber reichlich wenig Zusatznutzen und können deshalb den hohen Preis nur teilweise rechtfertigen.

Dank Android 9.0 Pie und der bereits erwähnten Smart-Home-Funktionen können aber Fernsehsendungen und Filme, etwa aus Anwendungen wie Netflix, auf dem Hub selbst angesehen oder via USB-C-Anschluss vom Gerät zu einem HDMI-­Anschluss an einen Fernseher ausgegeben werden. Auch Screen-Mirroring oder -Casting ist möglich. Das macht den Hub ideal für unterwegs, wenn man etwa Multimedia-Inhalte in einem Hotelzimmer ansehen möchte. Zudem steht ein MicroSD-Steckplatz für eigene Inhalte bereit, etwa um auf einer Konferenz direkt Bilder von der Kamera auf ein grösseres Display, das auch noch Internet-Konnektivität bietet, zu bringen. In Sachen WiFi werden die Standards 802.11ad sowie WiFi 6 unterstützt, und HTC hat seinen Smart Hub auch mit einem Ethernet-Port ausgerüstet, um so die Konnektivität mit anderen Geräten einfacher zu gestalten. Ausserdem lässt sich das Gerät statt via SIM auch mit bestehenden WLAN-Netzen verbinden, wie man das von Smartphones gewohnt ist.


Bedienung und Komfort

Einschalten, hochfahren und verbinden, schon geht es los. Ähnlich wie auf einem Smartphone ist in Sekundenschnelle ein Hotspot eingerichtet. HTCs 5G Hub bietet davon gleich zwei Varianten, einmal ohne WiFi 6, einmal mit. Die Verbindung der Endgeräte mit dem WLAN-Netzwerk geschieht entweder über das Scannen eines QR-Codes auf dem Hub, das Eingeben eines (selber festlegbaren) Passworts oder durch die von Android bereitgestellte WPA-Funktionalität. Die WLAN-­Reichweite ist für einen mobilen Router derweil wirklich ordentlich. Man darf zwar nicht die Leistung eines stationären Routers erwarten, aber ein grosser Meeting-Raum oder eine mittelgrosse Wohnung bis etwa 60 m2 kann mit dem Hub sicher problemlos abgedeckt werden. Leider kann der HTC 5G Hub kein Dualband-WLAN. Es heisst also: Man muss sich zwischen 2,4 und 5 GHz entscheiden.

Eine WLAN-Repeater-Funktion ist ebenfalls nicht eingebaut, ein bereits vorhandenes WLAN-Netzwerk kann deshalb nicht als Netzwerkquelle genutzt werden. Das ist zwar schade, insbesondere da andere mobile Hotspots diese Funktion anbieten, fällt bei einem 5G Hotspot aber nicht allzu schwer ins Gewicht, da die Geschwindigkeit mittels Mobilnetz wohl ohnehin zumeist schneller sein dürfte, also etwa die des Hotel-WLANs.

Die Bedienelemente und Anschlüsse der Hardware sind derweil äusserst minimal gehalten, mit einem Power-Button an der Oberseite und Strom-, USB-C- und Ethernet-Anschlüssen sowie dem SIM-Kartensteckplatz auf der Rückseite. Der HTC 5G Hub ist ausserdem seitlich in ein feines Gewebe eingewickelt, ein netter Touch, der die Haptik des Geräts stark verbessert und für mehr Grifffestigkeit sorgt. Die Bedienung des Touchscreens kann etwas mühselig sein, was wohl mit dem Winkel zu tun hat, der entsteht, wenn das Gerät irgendwo aufgestellt wird, und der recht steil ausfällt. Doch die Interaktivität via Touchscreen ist wohl auch nicht der höchste Anspruch des HTC 5G Hub. Dafür ist die Software-Oberfläche sehr aufgeräumt und, abgesehen von einigen HTC-eigenen Anpassungen optischer Natur, dem Stock-Android sehr ähnlich.


Flexibilität & warum kein 5G auch nicht so schlimm ist

Einmal installiert, hofft man natürlich sogleich auf ein 5G-Signal. Die Abdeckung des 5G-Netzes von Sunrise ist derzeit allerdings noch alles andere als umfassend. Der Telekommunikationsanbieter bietet 5G aktuell in vielen Städten und kleineren Randregionen an, der Rollout ist aber immer noch sehr punktuell. Eine Situation, die mit der Zeit sicherlich besser werden wird. Wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, kann mit dem HTC 5G Hub vielleicht 5G-Geschwindigkeiten erreichen, die um ein Vielfaches höher sind als das, was bisher möglich war. Bei unseren Messungen stiessen wir allerdings auf sehr variable Geschwindigkeiten. Das heisst, wer den HTC 5G Hub heute schon nutzt, wird sich hauptsächlich im 4G-Netz wiederfinden. Ausgenommen natürlich, der Hub kommt stationär zum Einsatz und das an einer Adresse, wo 5G-Empfang gegeben ist. Es sollte also unbedingt zuerst abgeklärt werden, ob am Einsatzort 5G-Empfang vorhanden ist oder nicht, besonders dann, wenn der Hub auch professionall eingesetzt werden soll, etwa in einem KMU als Festnetz­ersatz. Die Tatsache, dass HTCs 5G Hub mit Android 9.0 läuft, bedeutet aber, dass dieser viel flexibler ist als die meisten anderen Hotspots am Markt. Die Möglichkeit, Apps zu installieren, Videos zu streamen oder sogar Spiele zu spielen, bieten andere Hotspots schlicht nicht. Ausserdem können bis zu 20 Geräte gleichzeitig damit verbunden werden, was für die meisten Einsatzbereiche reichen dürfte und auch bei tauglichen 4G-Geschwindigkeiten kaum zu Tempoengpässen führen sollte. Denn 4G- und 4G+ bieten noch immer sehr hohe Geschwindigkeiten, die für die meisten Anwendungen reichen.Wer sich HTCs 5G Hub als sekundäres Telefon oder Tablet vorstellt, trifft zwar den Nagel nicht unbedingt auf den Kopf, haut aber auch nicht kilometerweit daneben. Dazu spendiert HTC dem 5G Hub ein wirklich gut klingendes Paar Lautsprecher, die auch bei hohen Lautstärken nicht übersteuern. Ein weiterer Punkt, der aus dem HTC Hub mehr macht als bloss einen Hotspot.


Sunrise Internet Box 5G

Sunrise lancierte Anfang April 5G in der Schweiz und in Europa. Seither nutzen ausgewählte Kunden das Hochbreitband-Internet bereits zu Hause und in Unternehmen. Mit der Maxime "5G for People" fokussiert Sunrise in einer ersten Phase das 5G-Netz haupstächlich auf Gebiete und Regionen, die nicht mit Glasfaser erschlossen sind. Und genau hier kommt die Sunrise Internet Box 5G ins Spiel.

Das Ziel lautet: Kunden die bestmöglichen Internetverbindungen an ihrem Standort zu bieten. So sollen sich Kunden neu nicht mehr darum kümmern müssen, welche Infrastruktur (Glasfaser-, 5G- oder Kupfernetz) an ihrem Standort vorhanden ist. Privat- und Unternehmenskunden erhalten nämlich von Sunrise automatisch das Angebot mit der besten verfügbaren Hochbreitband-Internetverbindung vor Ort. Sind also zu Hause oder im Geschäft nur langsame Festnetz-Internetleitungen vorhanden, wird neu Sunrise Home 5G inklusive der Sunrise Internet Box 5G angeboten, die sich "Swiss IT Magazine" etwas näher angeschaut hat.

Die Inbetriebnahme dieser Sunrise Internet Box 5G geht schnell und einfach vonstatten. Einmal am Strom angeschlossen, verbindet sich der Router automatisch mit der nächsten 4G- oder 5G-Antenne. Dies wird mit einem LED-Licht an der Front signalisiert.

Steht die Verbindung, sei es mit 4- oder 5G (was am jeweiligen LED-Licht erkannt werden kann), kann beispielsweise mit der Handykamera ein QR-Code auf der Sunrise Internet Box 5G gescannt werden und das WLAN, das inzwischen aufgebaut wurde, ist mit dem Endgerät verbunden. Alternativ kann auch auf SSID und Passwort oder einen WPS-Button am Gerät zurückgegriffen werden. Ist die WLAN-Verbindung erst einmal hergestellt, sollten mit der Sunrise 5G Box theoretisch Download-Raten bis zu mehreren Gbit/s erreicht werden.

Leider werden solche Geschwindigkeiten in der Praxis, und auch bei den von uns vorgenommenen Messungen, höchst selten erreicht. Trotzdem, auch wenn die Box mit dem 4G-Netzwerk verbunden ist, liefert der Router zufriedenstellende Leistungen respektive Download-Raten, die heute durchaus noch beindrucken (im Test sogar bis zu 300 Mbit/s).

Auch das Admin-Interface des Geräts lässt keine Wünsche offen. Ist man eingeloggt, lassen sich im Web-Interface alle gängigen Einstellungen vornehmen, wie man es sich etwa von einer Fritzbox-Admin-Oberfläche gewohnt ist. So lassen sich hier Einstellungen rund um Ports vornehmen, das bevorzugte Mobilnetz bestimmen, alle verbundenen Geräte anzeigen oder einzelne Geräte vom Netzwerk ausschliessen. Zudem lässt sich auch ein Gäste-Netzwerk einrichten, und das WLAN-Passwort und die SSID können geändert ­werden.

Und auch sonst gibt es am Gerät insgesamt nichts auszusetzen: Es bietet, etwas ausser­gewöhnlich für einen Router, an der Unterseite einen SIM-Kartenslot, und dadurch sowohl 4G- und 5G-, aber auch eine Ethernet-Anbindung, mit der das Gerät etwa an ein Modem angeschlossen werden kann. Daneben gibt es einen weiteren LAN-Anschluss.

Zur Verbindung mit anderen Geräten bietet die Sunsrise Internet Box 5G die WLAN-Standards 802.11ax/ac/a/n sowie Dual-Band-WLAN (2,4 und 5 GHz). Dabei werden die Signale kombiniert und als ein einziges Nezuwerk angezeigt. Je nach Endgerät wird aber das 5GHz-Netzwerk bevorzugt. Der Download-Speed liegt laut Hersteller bei bis zu 2,3 Gbit/s, über 5G sollen es immerhin 1 Gbit/s sein. Etwas schwer ist das Gerät allerdings, so wiegt das towerförmige Gebilde, und das ohne Netzteil, rund 700 Gramm. Etwas schade ist zudem, dass Sunrise die Internet Box 5G nur als Leihgerät während der Vertragsdauer zur Verfügung stellt, dies dafür kostenlos. Wird der Internet-Router bei Vertragsbeendigung nicht retourniert, werden 250 Franken verrechnet. Man kann das Gerät also nicht selber besitzen und ist fest an Sunrise gebunden, ausser man zahlt die Mahngebühr.

Ebenfalls an der Rückseite finden sich zwei Anschlüsse für externe Antennen, etwa um diese im Freien anzubringen, wenn im Gebäudeinneren kein zufriedenstellender 5G-Empfang möglich ist. Das Festnetztelefon wird derweil mit der DECT-Basisstation direkt an der Internet Box 5G angeschlossen. Für Ethernet-Verbindungen stehen zwei Gigabit-­LAN-Anschlüsse an der Rückseite zur Verfügung.

Fernsehen mit 4K-Streaming, Arbeiten im KMU-Büro oder Home Office, Austausch von Videos und Bildern – schnelle Breitband-Internetverbindungen sind definitiv ein grosses Bedürfnis. Daher auch der Wunsch, Gigabit-Internet in den eigenen vier Wänden oder aber im Büro zu haben – und genau das liefert Sunrise hier, und zwar im besten Fall dort, wo dies sonst nicht möglich wäre.

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