Zwei Displays für ein Halleluja

von Luca Cannellotto

9. November 2019 - Die Notebook-Hersteller wagen wieder mehr. Asus zum Beispiel bringt mit dem Zenbook Pro Duo ein Modell mit zwei 4K-Touch-Displays auf den Markt. Ein Gerät der Kompromisse, das aber mit viel Leistung aufwartet.

Am Design von Notebooks hat sich im letzten Jahrzehnt nicht viel verändert. Klar, die Geräte wurden immer leichter und dünner und es entstanden neue Formfaktoren wie Convertibles und 2-in-1, aber am Grundsatz, dass ein Notebook aus einem Display, einer physischen Tastatur und vielleicht noch aus einem Touchpad als Mausersatz besteht, haben bisher nur wenige Hersteller gerüttelt. Ausnahmen bestätigen aber bekanntlich die Regel. Beispielsweise hat Acer bereits 2011 das Iconia Dual Screen Tablet auf den Markt gebracht, ein Notebook, das aus zwei Touch-Displays besteht, wobei eines als Tastatur dient. Und auch andere Hersteller haben seitdem versucht, einen zweiten Screen zu verbauen, mit dem Ziel, die Produktivität der Nutzer zu erhöhen. Apple hat das Macbook Pro mit Touch Bar hervorgebracht, Lenovo das Yoga Book mit zwei Bildschirmen, einer davon ein LCD-Panel und der zweite ein E-Ink Screen, der auch als Tastatur genutzt werden kann.


Viele Features und viel Masse

Nun hat auch Asus ein Notebook auf die Welt losgelassen, das mit einem zweiten Display potenzielle Nutzer locken soll. Und das Zenbook Pro Duo UX581 wählt damit einen gewagten Mittelweg. Das Gerät verfügt über ein 15,6 Zoll grosses 4K-Touch-OLED-Display (3840×2160 Pixel) und ein weiteres Touch-Display, das 14 Zoll in der Diagonalen misst und eine Auflösung von 3840×1100 Bildpunkten im Format 32:9 bietet. Dieses Screenpad Plus ist denn auch das wichtigste Verkaufsargument für das Zenbook Pro Duo, allerdings auch ein Kompromiss, denn das Zweit-Display nimmt mehr als die Hälfte der Fläche des Gehäuses in Anspruch, wo sich normalerweise die Tastatur befindet. Für diese bleibt daher nur in der unteren Hälfte Platz, den sie sich erst noch mit dem Touchpad teilen muss, das auf der rechten Seite angesiedelt ist. Es stellt sich also die zentrale Frage, inwiefern der Nutzen eines zusätzlichen Touchscreens etwaige Nachteile aufwiegen kann.

Das Pro im Namen merkt man dem Zenbook Pro Duo an, sobald man das Gerät und das Zubehör aus der Verpackung schält. Das stahlblaue Gehäuse aus gebürstetem Aluminium ist angenehm schnörkellos und wirkt äusserst wertig sowie sorgfältig verarbeitet. ­Allerdings fällt auch sofort auf, wie wuchtig das Notebook ist. An seiner dicksten Stelle misst es 24 Millimeter, das ist einiges mehr als bei anderen Geräten mit vergleichbaren Spezifikationen. Und ein Leichtgewicht ist das Zenbook Pro Duo auch nicht. Allein das externe Netzteil wiegt samt Stromkabeln rund 790 Gramm. Das Notebook selbst bringt stolze 2,5 Kilogramm auf die Waage. In einem Rucksack oder einer Tasche macht sich ein solches Gewicht nach nur kurzer Zeit deutlich bemerkbar. Aber Asus zielt damit auch nicht unbedingt auf Kunden, die viel umherreisen und im Arbeitsalltag vornehmlich Excel und Powerpoint nutzen. Vielmehr vermarktet der taiwanische Hersteller das Notebook als Arbeitstier für Kreative, die tagtäglich rechenintensive Anwendungen bedienen. Und dafür hat man lauter leistungsstarke Komponenten im Innern verbaut und das Gerät mit vielen Features ausgestattet.


Starke Komponenten mit wenigen Anschlüssen

Das Testgerät ist mit einem Prozessor des Typs Intel Core i7-9750H mit einer Taktfrequenz von 2,6 GHz und 16 GB Arbeitsspeicher ausgestattet. Als Grafikkarte kommt eine Geforce RTX 2060 von Nvidia mit 6 GB RAM zum Einsatz und als Datenspeicher eine ­NVMe-M.2-SSD mit einer Kapazität von 1 TB. In dieser Konfiguration kostet das Zenbook Pro Duo 2999 Franken. In PCMark 10 erreicht dieses sehr gute 5010 Punkte, was besser ist als 64 Prozent aller mit der Benchmark-Software getesteten Rechner. Asus bietet das Gerät aber auch in einer noch leistungsstärkeren Variante an. Unter der Haube beherbergt diese einen Intel Core i9-9980HK mit einer Taktrate von 2,4 GHz und kann ausserdem auf doppelt soviel RAM, nämlich 32 GB, zurückgreifen. Gleich bleiben hingegen die Nvidia-GPU und die SSD. Das Upgrade schlägt sich allerdings auch im Preis nieder, und das nicht zu knapp. Für das Top-Modell werden 3499 Franken fällig.

Wenn man das Zenbook Pro Duo aufklappt, offenbart sich die Funktionalität des Designs: Der Deckel ragt hinten über die Basis hinaus und hebt diese beim Aufklappen an, wodurch die Luftzirkulation unter dem Gehäuse und somit die Kühlung verbessert werden soll. Im Übrigen dominiert eine schlichte Linienführung das äussere Erscheinungsbild. Kaum zu sehen ist die Kamera mit Infrarot-Sensor am oberen Rand über dem Display, die auch zur Anmeldung am Rechner mittels Windows Hello genutzt werden kann. Als dürftig zu bezeichnen ist hingegen die Ausstattung mit Anschlüssen. Auf der rechten Seite finden sich ein Thunderbolt 3/USB-C- und ein USB-3.1-Port sowie ein Kopfhöreranschluss, links ein weiterer USB-3.1- und ein HDMI-Port sowie der Anschluss für die Stromzufuhr. Ein Netzwerkanschluss fehlt, dafür ist WiFi 6 mit an Bord. Zwar brauchen die beidseitig angebrachten Lüftungsschlitze viel Platz und das Unterbringen weiterer Anschlüsse auf der Rückseite des Gerätes war für Asus wegen dem nach hinten aufklappbaren Deckel nicht möglich, dennoch wäre eine grössere Auswahl an Anschlüssen wünschenswert gewesen.


Liebe geht durch die Augen und die Ohren

Wirklich hervorragend ist das 4K-OLED-­Display, das durchwegs zu begeistern weiss. Mit einer Helligkeit von 400 Nits lässt es kaum Wünsche offen. Es zeigt jegliche Inhalte gestochen scharf an und überzeugt mit satten Farben und tiefem Schwarz, ausserdem deckt es 100 Prozent des DCI-P3-Farbraums ab. Für die Arbeit mit Grafik-Anwendungen ist dieses Display wie geschaffen, aber auch Videos und Filme lassen sich damit in voller Pracht geniessen. Bei unserem Testgerät zeigte sich allerdings ein Flackern, das sich bei harten Anschlägen auf der Tastatur manifestierte. Vermutlich handelte es sich dabei aber eher um einen Wackelkontakt in dem uns von Asus zur Verfügung gestellten Gerät als ein Produktionsfehler. Zumindest konnten wir im Netz keine Hinweise darauf finden, dass andere Nutzer über dasselbe Problem klagen würden.

Zu einem guten Display gehört der entsprechende Sound. Und auch dafür hat sich Asus ins Zeug gelegt. Die eingebauten, von Harman/Kardon zertifizierten Lautsprecher halten, was das Branding verspricht – was durchaus nicht selbstverständlich ist. Der Klang ist klar und hat Volumen, wovon hauptsächlich Videos und Filme profitieren. Ein weiteres Feature ist die Integration der beiden Sprachassistentinnen Alexa von Amazon sowie Cortana aus dem Hause Microsoft, wobei Erstere aber in der Schweiz nicht offiziell verfügbar ist. Ist eine von ihnen aktiv, wird dies durch einen farbigen LED-Streifen an der Frontseite der Tastatur angezeigt.

Mit genügend Pferdestärken unter der Haube kann ein Notebook praktisch jede Aufgabe bewältigen, vor die es gestellt wird. Vom Zenbook Pro Duo kann man guten Gewissens behaupten, dass es sich im Bereich der Leistung keine Blössen gibt. Beispiele gefällig? Anwendungen starten in Windeseile und das Entpacken einer rund drei Gigabyte grossen Archiv­datei dauerte keine halbe Minute. Auch bei der Fotobearbeitung in Affinity Photo kommt das Gerät kaum ins Schwitzen. Selbst das Rendern komplexer 3D-Szenen entlockt dem Zenbook Pro Duo lediglich ein etwas lauteres Surren der Lüfter, das aber kaum störend wirkt. Und obwohl Asus sein neuestes Notebook nicht als Gamer-Maschine anpreist, lassen sich damit aktuelle Spiele auch mit hohen Einstellungen flüssig spielen, nicht zuletzt dank der Rechenleistung der Grafikkarte von Nvidia, die sogar in der Lage ist, Raytracing in Echtzeit zu berechnen. Im Normalbetrieb arbeitet das Gerät übrigens lautlos, lediglich unter erheblicher Last hört man das tiefe Brummen des Kühlsystems. Allerdings neigt das Notebook dazu, sich rasch zu erhitzen. Die erhöhte Temperatur ist dann auch an den Aussenflächen des Gerätes gut spürbar.


Zweites Display für den Produktivitätsschub

Wer sich für das Zenbook Pro Duo interessiert, wird dies wohl hauptsächlich wegen des zweiten Touchdisplays tun. Was aber taugt dieses? Und macht es überhaupt Sinn? Diese Fragen zu beantworten, ist nicht ganz trivial. Die einfache Antwort lautet: Es kommt darauf an, wofür man das Gerät einsetzt. Zunächst gilt es festzuhalten, dass der zweite Screen relativ gross ist. Wir sprechen hier also nicht von einer schmalen Touchbar, wie man sie in einem Macbook findet. Die Fläche von 3840×1100 Pixel des Screenpad Plus bietet Platz für allerlei Inhalte, die der User nach seinem Gusto arrangieren kann. Ausserdem garantiert die 4K-Auflösung, dass selbst Kleingedrucktes gut zu entziffern ist.

In der Tat, die Bildqualität des zweiten Displays ist sehr gut, allerdings unterscheidet sie sich in zwei wesentlichen Punkten von der des Hauptbildschirms. Zum einen leuchtet das Screenpad Plus deutlich weniger hell als das grosse Display, und zweitens verfügt letzteres über eine reflektierende Oberfläche aus Glas, während das Screenpad Plus matt beschichtet ist. Trotz der entspiegelten Oberfläche ist es jedoch nicht immer einfach, die Inhalte auf dem kleineren Touch-Display zu sehen, weil dieses aufgrund des Neigungswinkels der Tastatur je nach Lichteinfall einen Teil der Umgebung reflektiert, sodass man sich unter Umständen ein wenig über die Tasten beugen muss, um beispielsweise einen Text zu lesen. Dennoch, die zusätzliche Bildschirmfläche lässt sich durchaus produktiv nutzen.

So lassen sich auf dem Screenpad Plus zusätzliche Anwendungsfenster anzeigen. Man kann diese entweder per Drag and Drop aus dem Hauptbildschirm auf das zweite Display ziehen oder man geht ins Einstellungsmenü des Screenpad Plus, das auf der linken Seite über ein entsprechendes Icon aufrufbar ist, und definiert dort eine Anwendungsgruppe. Bis zu drei Anwendungen lassen sich in einer solchen unterbringen, die dann auf Knopfdruck nebeneinander im Screenpad Plus eingeblendet werden. Schreibt man beispielsweise auf dem Haupt-Display einen Text in Word, kann man auf dem zweiten Screen ein Browserfenster öffnen, um nebenher zu recherchieren, oder aber einen Mediaplayer, um gleichzeitig Musik zu hören. Die Möglichkeiten sind ­beinahe endlos.

Das Screenpad Plus lässt sich auch als Verlängerung des Haupt-Displays verwenden. Dafür muss man lediglich das Anwendungsfenster im Hauptbildschirm weiter nach unten vergrössern. Leider steht aber einer wirklich sinnvollen Nutzung dieser Funktion der grosse Abstand zwischen den Beiden Displays im Weg, der durch das spezielle Scharnier verursacht wird, denn die Lücke wirkt sich beim Übergang vom grossen zum kleinen Display beim Arbeiten störend aus. Asus legt dem Notebook auch einen Touchpen bei. Dieser reagiert auf beiden Displays flott und führt die Befehle mit kaum wahrnehmbarer Verzögerung aus. Nutzer, die viel mit Grafikprogrammen arbeiten, werden dies zu schätzen wissen.


Und dann die Kompromisse

So sehr das Zenbook Pro Duo zu gefallen weiss, Asus musste aufgrund der Grösse des zweiten Touch-Displays bei der Entwicklung des Notebooks an gewissen Stellen Kompromisse eingehen und Abstriche machen. Da wäre einmal die Sache mit der Ergonomie. Die Tastatur findet unter dem Screenpad Plus Platz und ist – wie schon gesagt – nicht etwa mittig angebracht, sondern auf der linken Seite. Sie lässt sich zwar gut bedienen und die Tasten haben einen angenehmen Druckpunkt, dennoch gibt es für ausgedehnte Schreibarbeiten durchaus bessere Notebook-Tastaturen. Asus liefert dafür netterweise eine Handballenauflage mit, doch diese lässt sich nicht am Gehäuse festmachen, nur davor schieben. Das bedeutet auch, dass man sie immer lose mitnehmen muss, wenn man unterwegs ist. Apropos lose mitnehmen: Auch der Touchpen kann nirgends am Gerät angebracht oder darin verstaut werden. Und so einen unscheinbaren dunkelgrauen Stift irgendwo liegen zu lassen, ist gar nicht so schwer.

Ein weiteres kleines Manko: Das Touchpad musste der engen Platzverhältnisse wegen von seiner gewohnten Position weichen und findet sich nun rechts neben dem Tastenfeld. Rechtshänder dürfte dies kaum stören, Linkshänder hingegen schon, weshalb sie wohl auf eine externe Maus zurückgreifen werden. Immerhin verfügt das Touchpad aber auch über ein interessantes Feature. Auf Knopfdruck leuchtet es auf und verwandelt sich in einen Zahlenblock. Und Schliesslich muss auch die Akkulaufzeit erwähnt werden, die – wenig überraschend – nicht berauschend ist. Bei normaler Arbeitsbelastung muss das Gerät nach knapp über vier Stunden wieder an den Strom. Nutzt man rechenintensivere Anwendungen, dann sinkt dieser Wert jedoch weiter. Das Abstellen des Screenpad Plus hilft, den Akku zu schonen, allerdings ist dann das interessanteste Feature des Notebooks nicht nutzbar.

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