Kleiner Beamer für ziemlich grosses Kino

von Luca Cannellotto

6. Juli 2019 - Der Viewsonic M1 Plus kommt mit einem ziemlich genialen Standfuss und bringt das Heimkino in den Garten.

An einem lauen Sommerabend kann es selbst einem TV-Junkie mitunter schwerfallen, in einem geschlossenen Raum wie dem Wohnzimmer zu schmoren, um sich vor dem Fernseher an den neuesten Serien oder Filmen zu erfreuen. Viel schöner wäre es doch, dabei im kühlen Garten zu sitzen. Aber den Fernseher nach draussen zu schleppen gestaltet sich umständlich. Man müsste einen Beamer haben, mit dem man die Bilder auf eine Leinwand oder einfach an die Fassade des Hauses projizieren kann. Dieser sollte ausserdem handlich, technisch genügend ausgestattet und nicht allzu teuer sein.

Der DLP-Projektor M1+ von Viewsonic dürfte ziemlich genau diesen Ansprüchen genügen. Mit Abmessungen von 380×406×233 Millimetern ist er äusserst kompakt und mit einem Gewicht von gerade einmal 800 Gramm auch angenehm leicht. Geliefert wird das portable Gerät, das hierzulande rund 470 Franken kostet, mit einem Netzteil, einem USB-C-Kabel, einer im Vergleich mit dem Beamer mässig hübschen Fernbedienung samt Batterien sowie einer kleinen Tasche, mit der es sich einfach transportieren lässt. Nur leider finden darin weder die Kabel noch die Fernbedienung Platz, aber das ist eher als Detail zu werten. Nimmt man den M1+ aus der Verpackung, könnte man im ersten Augenblick meinen, einen Bluetooth-Lautsprecher in Händen zu halten, so klein ist der Beamer. Und er weiss auch – wie bereits angetönt – optisch zu gefallen, das Design wurde nicht umsonst mit einem iF Award ausgezeichnet. Dass dieses auch funktional ist, bringt dem kleinen Projektor schon den ersten grossen Pluspunkt ein. Die ziemlich geniale Abdeckung der Linse nämlich lässt sich umklappen und dient gleichzeitig als Standfuss, wobei sich der Beamer dadurch stufenlos neigen lässt. Somit können Bilder ohne weiteres auch an eine Decke oder sonstwohin projiziert werden. Der L-förmige Standfuss aus Metall vermag das Gewicht des Gerätes ohne Weiteres zu tragen, und zwar ohne, dass dabei etwas wackelt.


Anschlüsse galore

Wie der Hersteller verspricht, soll die eingebaute LED-Lampe eine Lebensdauer von rund 30’000 Stunden haben und dürfte somit die übrigen Komponenten des Beamers locker überleben. Die geringe Grösse des Gerätes kommt jedoch mit vorhersehbaren Nachteilen. Die Technik, die sich im kompakten Gehäuse verbirgt, erreicht nicht annähernd die Leistungswerte grösserer und somit wesentlich teurerer Projektoren. So kann der M1+ Bilder lediglich in einer ­WVGA-­Auflösung von 854×480 Pixeln auf eine Oberfläche werfen. Das ist in einer Zeit, in der Smart TVs mit 4K-Auflösung schon beinahe zur Norm geworden sind, herzlich wenig, aber für Projektoren in dieser Preisklasse gängig. Umso erstaunlicher ist, dass sich der kleine Beamer dennoch durchaus wacker schlägt. Dazu aber später mehr.

Das Manko in der Auflösung macht der M1+ mit den vielfältigen Konnektivitätsoptionen locker wett. Unter einer seitlich angebrachten Abdeckung, die sich dank einer Stofflasche leicht öffnen lässt, findet man zahlreiche Anschlüsse. Neben der Buchse für das Netzteil finden sich hier ein HMDI-1.4-Port, ein USB-Typ-A-Anschluss, ein USB-C-Port, ein Einschub für eine Micro-SD-Karte sowie eine 3,5mm-Klinkenbuchse. Ebenfalls mit an Bord ist ein interner Speicher mit einer Kapazität von 16 GB. Darüber hinaus verfügt der M1+ im Gegensatz zum Grundmodell M1 auch über kabellose Anschlussmöglichkeiten via WiFi und Bluetooth. So lassen sich Inhalte über das heimische Netzwerk oder mittels Screen Sharing von einem Smartphone streamen wie auch die Lautsprecher des Beamers mittels Bluetooth-Verbindung zum Abspielen von Musik verwenden, wobei sich das Bild automatisch abschaltet.


Einfache Bedienung

Der M1+ kann sowohl an einer Steckdose als auch mit Hilfe des eingebauten Akkus betrieben werden. Dieser lässt sich in rund drei Stunden aufladen und liefert im Stromsparmodus Strom für mehr als die vom Hersteller genannten sechs Stunden Abspielzeit, was sehr erfreulich ist. In dieser Einstellung leidet die Bildqualität jedoch merklich, weil die Helligkeit herunter geregelt wird. Im Standard-Modus hält der Akku dann aber immer noch fast vier Stunden durch, was auch für längere Spielfilme reichen sollte. Starten kann man den Projektor, indem man einfach die Linsenabdeckung aufklappt, über die mitgelieferte Fernbedienung oder über die Tasten an der Rückseite des Gerätes. Nach wenigen Sekunden findet man sich bereits im Hauptmenü wieder. Hier können die verschiedenen Quellen ausgewählt sowie das Einstellungsmenü oder die Bluetooth-Funktionalität aufgerufen werden. Darüber hinaus gibt es auch ein App-Center, über welches sich verschiedene Video-Dienste installieren lassen.

Das Einstellungsmenü ist schlicht gehalten. Es besteht aus einer einfachen Liste mit allen wesentlichen Settings, wodurch man sich schnell zurechtfindet. Schade ist nur, dass sich keine horizontale Keystone-Korrektur finden lässt. Somit ist man gezwungen, den Projektor mittig zur Projektionsfläche zu platzieren, weil sonst das Bild verzerrt erscheint und man keine Korrekturmöglichkeit hat. Im Falle einer vertikalen Verzerrung ist eine entsprechende Einstellung hingegen vorhanden, und der Projektor beherrscht dank entsprechenden Sensoren auch die automatische Trapezkorrektur in der Vertikalen. Die Bildschärfe lässt sich hingegen manuell an einem Drehrad am Gehäuse einstellen.


Ziemlich grosses Kino

Aus einer Entfernung von rund zweieinhalb Metern projiziert der M1+ ein 100 Zoll grosses Bild. Dank der Lampe mit einer Helligkeit von 300 LED-­Lumen und einem Kontrastverhältnis von 120’000:1 leuchten die erzeugten Farben in einem abgedunkelten Raum sehr echt, wobei sich die Voreinstellung "Theater" für Filme und Serien am besten eignet. Die Bilder sind knackig und die Schwarzwerte zumindest objektiv betrachtet sehr gut. Selbst mit etwas mehr Umgebungslicht lassen sich Filme noch in passabler Qualität geniessen.

Als fast schon herausragend muss bezeichnet werden, dass der kleine Projektor selbst bei schnell geschnittenen Film­szenen oder Sportübertragungen kaum ins Schwitzen kommt und praktisch durchgehend flüssige Bildsequenzen liefert. Leichte Ruckler lassen sich nur vereinzelt ausmachen, können das sehr gute Gesamtbild jedoch nicht wirklich trüben. Das ist wirklich top. Einziger Wermuts­tropfen: Der M1+ verträgt gewisse Dateiformate weniger gut als andere. So liessen sich in unserem Test beispielsweise Dateien im populären MKV-Format ab USB-Stick nur ohne Ton abspielen.


Zweckmässiges Hörvergnügen

Zu überzeugen weiss das kleine Gerät auch im Bereich der Akustik. Dies hat damit zu tun, dass Viewsonic bei der Entwicklung des M1+ auf die Expertise der Tonmeister von Harman Kardon zurückgegriffen hat. Die beiden eingebauten Lautsprecher des Audiospezialisten wissen zu überzeugen. Sie verfügen zwar über lediglich 3 Watt Leistung, trotzdem schaffen sie es, einen gut strukturierten Klangteppich zu erzeugen, aus dem man auch Höhen und Tiefen heraushört. Dennoch darf man kein Kino-Feeling erwarten, dafür sind die Lautsprecher gerade beim Ausseneinsatz dann doch zu schwachbrüstig. Wer satteren Klang wünscht, kommt deshalb nicht darum herum, einen zusätzlichen Speaker an den Projektor anzuschliessen.

Beeinträchtigt wurde das Hörvergnügen vor allem auch durch den relativ lauten Lüfter des Gerätes. Dieser dreht bei hellen Bildern beziehungsweise bei warmen Umgebungstemperaturen merklich auf und ist deutlich hörbar. Da der Projektor die Drehgeschwindigkeit des Lüfters ständig den Gegebenheiten anpasst, kann sich dies gerade bei leisen Filmszenen durchaus störend auswirken.

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