So werden iPad-Apps zu Mac-Apps

von Urs Binder

3. Juli 2019 - Mit dem Framework Catalyst vom kommenden MacOS 10.15 können Entwickler viel einfacher iPad-Apps auf den Mac portieren. Apples Developer Website und ein Medienbericht geben Auskunft darüber, wie dies funktioniert.

Apple hat es Anfang Juni an der Entwicklerkonferenz WWDC präsentiert: Ab der nächsten MacOS-Version 10.15 "Catalina" können Entwickler von iPad-Apps – mit iPhone-Apps ist es nicht möglich – ihre Software mit wenig Aufwand als native Apps auf den Mac portieren. Dazu soll ein in Catalina erstmals enthaltenes Framework namens Catalyst dienen.

Ein ausführlicher Artikel auf "Ars Technica" schildert nun, wie das funktioniert. Das Tech-Magazin hat dafür mit diversen Personen bei Apple und Softwareherstellern gesprochen. Im einfachsten Fall genügt es, ein iPad-App-Projekt wie auf Apples Developer Website propagiert in Apples Entwicklungsumgebung Xcode zu öffnen und eine Checkbox zu aktivieren. Xcode fügt dem Code dann automatisch einen Bundle-Identifiyer, diverse weitere Grundelemente von MacOS-Apps sowie Desktop-spezifische Features wie Fenster, Menübalken, Scrollbalken im Mac-Stil, Fullscreen-, Touchbar- und Drag&Drop-Support hinzu und passt die Touch-Controls auf Maus- und Keyboard-Bedienung an. Inkompatible Frameworks und nicht nutzbare Inhalte werden automatisch entfernt.

Im Hintergrund hat Apple in letzter Zeit bereits viele Frameworks zwischen iPad- und Mac-Betriebssystem angeglichen. Die grösste Differenz bestand noch bei den UI-Frameworks: Auf dem Mac wurde ausschliesslich Appkit genutzt, auf dem iPad Uikit. App-Developer mussten ihre Sofware in weiten Teilen zweifach entwickeln, wenn sie auf beiden Plattformen laufen sollte. Mit Catalyst soll dies nun der Vergangenheit angehören.

Einer der ersten Entwickler, die Gebrauch von Catalyst machen, ist Twitter. Eine portierte iPad-App wurde bereits an der WWDC präsentiert. Twitter kehrt damit mit einer nativen App auf den Mac zurück, nachdem eine frühere hauseigene App seit 2016 nicht mehr unterstützt wurde.

Es sei erstaunlich gewesen, meinte Twitter-Softwareingenieur Nolan O'Brian gegenüber "Ars Technica", wie grosse Teile der iOS-Codebase 1:1 übernommen werden konnten. Ganz so einfach wie das Setzen eines Häkchens sei es aber doch nicht gegangen: "Support für mehrere Fenster ist nicht trivial, und es funktioniert anders als bei Appkit." Ein weiterer Stein des Anstosses war, dass beim Minimieren oder Versetzen einer App in den Hintergrund keine Events generiert werden. Gar nicht begeistert ist O'Brian davon, dass Apple mit OpenGL zugunsten der eigenen Grafiktechnologie Metal Schluss macht. Twitter nutze auf seiner Plattform OpenGL für viele Features wie Blurs, Fotofilter und kosmetische Elemente des User Interface. Dennoch seien diese Herausforderungen nichts im Vergleich dazu, eine iPad-App ohne Catalyst auf den Mac zu bringen.

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