Der Trend geht hin zu grossen Displays

von Marcel Wüthrich

4. Mai 2019 - Zwar ist der Anteil von Displays über 30 Zoll am Display-­Gesamtmarkt noch überschaubar, doch der Trend geht klar Richtung mehr Zoll und schlanke Designs.

Der Displaymarkt in der Schweiz ist im letzten Jahr kräftig gewachsen. Gemäss Verkaufszahlen des Marktforschungsinstituts Context, die direkt bei den grossen Schweizer Distributoren erhoben werden und dabei rund 90 Prozent des Vertriebs repräsentieren, ist der Absatz hierzulande im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich mit dem Vorjahr um 15 Prozent, im zweiten Halbjahr immerhin um 7 Prozent gewachsen. Zulegen konnten dabei sowohl das Consumer- als auch das Business-Geschäft, im zweiten Halbjahr beispielsweise um 8,1 respektive 6,8 Prozent. So wurden in dieser Zeit 216’770 Displays abgesetzt, wovon rund 172’600 an Unternehmen verkauft wurden. Aus den Zahlen herauslesen kann man auch, dass es einen deutlichen Trend hin zu grösseren Monitoren mit Diagonalen von 26 Zoll und mehr gibt. Deren Anteil am Gesamtmarkt wuchs im zweiten Halbjahr 2018 auf rund 27 Prozent beziehungsweise knapp 60’000 Displays – gegenüber 20 Prozent im Vorjahr.


Wachstumssegment 30+-Zoll

In der Marktübersicht dieser Ausgabe wurde der Fokus auf ebendiese Monitore mit grösseren Diagonalen gelegt – konkret auf Geräte mit 32 beziehungsweise 34 Zoll. Praktisch alle Hersteller sprechen hierbei von einem Wachstumssegment, so beispielsweise HP Schweiz. Computing Category Manager Stefan Nünlist sagt zwar, dass der Anteil der 32-/34-Zoll-Displays bei HP aktuell noch überschaubar sei, doch die Nachfrage steige sowohl im Consumer-Markt als auch bei Unternehmenskunden. Ähnlich bei Lenovo, wo ein 32-Zoll-Display erst seit Oktober 2018 angeboten wird. Andreas Stader, 4P Manager Commercial bei Lenovo, erklärt, dass es sich hierbei aktuell noch um ein Nischenprodukt handelt, aber: "Die aktuellen Verkaufszahlen und das steigende Marktinteresse lassen den Wachstumstrend anhalten. Fürs nächste Fiskaljahr ist ein Anteil von 20 Prozent des Displaymarktes zu erwarten." Gedacht seien die Displays vor allem für den professio­nellen Einsatz. "Primär stehen Anwendungen und Berufsgattungen im Vordergrund, welche auf eine naturgetreue Abbildung des Farbspektrums oder grosse, detailreiche Darstellungen angewiesen sind. Dies sind Designer, Architekten und Ingenieure. Aber auch Office-Anwendungen, die in multiplen Fenstern abgebildet und übersichtlich angeordnet werden."

Bei Samsung machen Displays mit 32 und 34 Zoll bereits rund einen Drittel des Umsatzes aus, wie Daniel Périsset, Sales Director IT Division bei Samsung Schweiz, erklärt. Die Tendenz steige, wobei 32-Zöller bei Privatanwendern beliebt seien und 34-Zöller zunehmend im B2B-Bereich abgesetzt würden. Bei Displayspezialist Eizo ist der Anteil von gros­sen Displays noch geringer – Massimo Cannazza, Product Manager Flexscan, spricht von rund 5 Prozent des gesamten Office-Sortiments –, allerdings hat Eizo auch nur ein Modell im Portfolio. Bei Viewsonic beträgt der Anteil knapp 10 Prozent, wobei der Hersteller mittlerweile 14 Monitore in der 32-Zoll-Kategorie im Angebot führt. "Am grössten ist die Nachfrage dabei sicherlich aus dem professionellen Umfeld sowie wenn es um Small Offices & Home Offices geht", erklärt Thomas Müller, General Manager DACH bei Viewsonic.

Schaut man sich nochmals die Marktzahlen von Context für die Schweiz an, zeigt sich, dass der Anteil von Displays mit Diagonalen von 32 beziehungsweise 34/34,1 Zoll im zweiten Halbjahr 2018 noch überschaubar war. So wurden in den Monaten Juli bis Dezember 2018 in der Schweiz 1086 32-Zoll-Displays verkauft, was sogar weniger ist als vor Jahresfrist (1389). Deutlich grösser war der Absatz von 34- respektive 34,1-Zoll-Modellen, von denen im zweiten Halbjahr 2018 8491 Geräte verkauft wurden, verglichen mit 5727 Geräten im zweiten Halbjahr 2017. Laut Context waren die 32-/34,x-Zoll-Modelle im zweiten Halbjahr des letzten Jahres somit für rund 4,4 Prozent des Gesamtabsatzes verant­wortlich.


Curved vor allem im B2C-Umfeld

Von den 14 Geräten, die in dieser Markt­übersicht vorgestellt werden, sind drei mit einem gekrümmten Panel bestückt – nämlich die Modellen von Fujitsu, NEC und Samsung. Wie steht es angesichts dieses relativ tiefen Anteils um den Curved-­Trend, der ja vor allem bei grossen Display-Diagonalen, wo der gekrümmte Bildschirm das Blickfeld erweitert, Sinn macht? Daniel Périsset von Samsung erklärt, dass man vor allem im B2C-Bereich vorwiegend auf Curved Displays setze, da die Nachfrage sehr gross ist. Auch bei Lenovo will man künftig auf den Curved-Formfaktor setzen. Man habe bereits ein Curved-Display angekündigt, so Andreas Stader, und werde noch weitere Modelle auf den Markt bringen, denn: "Die Nachfrage nach dieser Bauart ist ungebrochen und die Zufriedenheit der Käufer, welche ein Curved-­Display gekauft haben, ist hoch." Laut Bernd Süssenbach, Head of Product Management DACH & Benelux bei Benq Deutschland, sind gekrümmte Displays stark im Consumer-Umfeld vertreten, da sie unter anderem bei Sim-Racing-­Games Vorteile bieten würden. "Durch die konkave Krümmung des Displays bieten sie ein immersives Gaming- und Filmerlebnis." Ins gleiche Horn bläst auch Thomas Müller von Viewsonic. Gross sei vor allem die Nachfrage an Curved-Gaming-Monitoren. Zudem sehe man bei den besonders grossen Displays eine stetig steigende Nachfrage an Curved-Modellen. "Mittelfristig erwarte ich tatsächlich ein 50/50-Verhältnis zwischen flat und curved", so Müller.

Etwas weniger euphorisch bezüglich des Curved-Trends ist Acer. Abdelghani Lawrizy, Junior Product Manager Commercial, sagt hierzu: "Analog zu Curved-Flachbildfernsehern stagniert auch die Nachfrage nach Curved Displays. Viele Innovationen werden von den Playern auf dem Markt intensiv beworben, um den Markt zu testen und die Nischen früh zu besetzen. Später entscheidet die Nachfrage, inwieweit sich die neue Technologie tatsächlich durchsetzt." Doch auch Lawrizy fügt an, dass gerade bei grossen Bildschirmformaten und vor allem bei Gamern Curved sehr angesagt sei.


Randlos und mit USB Typ C

Im Business-Umfeld entwickle sich der Trend derweil in Richtung 27-Zoll-Monitore, die möglichst randlos sein sollen, so Abdelghani Lawrizy. "Auf diese Art können mehrere Displays gleichzeitig betrieben werden." Alternativ würden es hochauflösende 32-Zoll-Displays erlauben, sehr viele Inhalte flexibel darzustellen und zu bearbeiten. Thomas Müller von Viewsonic sieht als Trend "bigger is better". "Wir sehen wirklich eine stark steigende Nachfrage an Bildschirmdiagonalen über 30 Zoll sowie an Modellen mit immer schlankeren Rahmen für den Einsatz mehrerer Displays nebeneinander." Patrick Weinmann, Field Marketing Manager, Client Solutions Switzerland & Austria bei Dell, erklärt bei der Frage nach allgemeinen Trends im Display-Geschäft, dass es verschiedene Entwicklungen gäbe: "Neben der Grösse des Bildschirmes legen die Nutzer unter anderem Wert auf hervorragende Auflösung, verbesserte Farbtiefe, eine Vielzahl an Anschlüssen sowie das Design und schlanke Displays." Auch Stefan Nünlist von HP nennt das rahmenlose Design als Trend, erwähnt aber auch technische Neuerungen, die auf die Anforderungen je nach Einsatzgebiet fokussieren. "Eingebaute Blickschutzfilter, um die Vertraulichkeit von Daten zu gewährleisten, sind ein ­Beispiel."

Fujitsu erwähnt bei den Trends das Thema "Clean Desk" – sprich, es sollen so wenig Kabel wie möglich gebraucht werden und sichtbar sein. Daher sei ein integrierter USB-Hub am Display sehr gefragt, genauso wie beispielsweise eine Verbindungsmöglichkeit über den USB-­Typ-C-Port des Displays mit Power Delivery an einen Mini PC, so dass der kleine Rechner den Strom über das Display bekommt. Massimo Cannazza von Eizo erwähnt ebenfalls den USB-C-Anschluss sowie Daisy Chain – beides sei bei den neuen Modellen immer mehr gefragt. Genauso Andreas Stader von Lenovo: "Einer der Haupttreiber im betrieblichen Umfeld ist die Anbindung über die USB-C-Schnittstelle. Dank ihr ist es möglich, den Akku des Notebooks während des Arbeitens mit Strom zu versorgen und zu laden. Somit ist ein Wegfall von externen Dockingstationen möglich und es kann auf kleineren Tischflächen gearbeitet werden. Dies alles resultiert in Kostenersparnissen." Dies bestätigt quasi 1:1 auch Stefan Nünlist von HP Schweiz, der sagt, viele Innovationen wie der USB-C-Anschluss würden stark von Notebooks und Desktop Minis getrieben. "Damit steigen auch die Anforderungen an Displays, Geräte via USB-C aufzuladen oder den Datenaustausch von Audio/Video via USB-C zu gewährleisten. Bereits heute gibt es Bildschirme, welche die Funktionalitäten einer Docking-Station abdecken können."


Ergonomisch und energieeffizient

Abschliessend wollten wir von den Herstellern noch wissen, worauf ein KMU bei der Beschaffung neuer Displays achten sollte. Nochmals Stefan Nünlist: "Ein Display muss einen modernen Arbeitsplatz unterstützen: maximale Flexibilität bei den Anschlüssen und Verbindungen von Displays, Notebooks sowie Desktop Minis sind dabei zentral. Die Ergonomie ist ein weiteres wichtiges Thema bei Displays am Arbeitsplatz. Neben Anpassungsmöglichkeiten wie Höhenverstellung, Drehen, Neigen oder Pivot machen eine spezielle Low-Blue-Light-Einstellung und eine flimmerfreie Hintergrundbeleuchtung den Unterschied." Bernd Süssenbach von Benq ergänzt: "Vor der Kaufentscheidung sollte der Einsatzzweck, die vorhandenen Schnittstellen und die Leistungsfähigkeit der Grafikkarte geprüft werden." Massimo Cannazza von Eizo rät, auf Qualität zu setzen – sprich auf die Langlebigkeit des Displays und aller Komponenten, eine lange Garantiefrist und zeitnahen Support mit kostenlosem 24-Stunden-Vor-Ort-Austausch-Service zu achten. "Energieeffizienz durch einen niedrigen Stromverbrauch und Stromsparfunktionen sind weitere wesentliche Faktoren", so Cannazza weiter. Daniel Périsset von Samsung gibt noch zu bedenken, dass es attraktiv sein kann, Dual-Monitor-Setups mit einem Monitor zu ersetzen. Mehrere Vorteile würden dafür sprechen, etwa der tiefere Energieverbrauch, der geringere Installationsaufwand und die bessere Ausleuchtung. Und Thomas Müller von Viewsonic schliesst mit den Worten: "Ich rate speziell KMU, die oft keine grossen IT-Teams haben, Monitore zu beschaffen, die nicht nur dem Status Quo gerecht werden, sondern die auch in zwei bis drei Jahren noch den Anforderungen in Sachen Konnektivität und Ergonomie entsprechen. Es gibt heute schon viele Technologien, welche die Augen der Nutzer schonen und durch vielseitige Optionen individuell anpassbar sind. Ich rate ganz dringend davon ab, hier am falschen Ende zu sparen."

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