Stationäre und mobile 4G-Router

von Simon Wegmüller

2. März 2019 - LTE-Router gewinnen zunehmend an Bedeutung und werden vermehrt sogar als Festnetzersatz eingesetzt. Durch die Einführung von 5G-Netzen wird das Marktsegment weiter wachsen.

Gemäss IDC wurden 2018 mit LTE Routern/Gateways etwas über 804 Millionen Dollar Umsatz weltweit generiert. Bis 2022 soll dieser Umsatz auf 1,9 Milliarden anwachsen. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 27,4 Prozent. Als Gründe nennt IDC unter anderem, dass LTE Router/Gateways mehr und mehr auch im Unternehmensumfeld als Failover-Lösung und auch als primäre WAN-Connectivity-Lösung zum Verbinden von Standorten eingesetzt werden. Auch das Thema Mobile Konnektivität, beispielsweise auf Fahrzeugen und anderen Objekten, die sich bewegen, werde an Bedeutung gewinnen. Und auch das IoT-/M2M-Geschäft werde den Umsatz antreiben.

Vielerorts einsetzbar

Für den Hersteller AVM erfreuen sich LTE-Router besonders bei zwei Arten von Käufern grosser Beliebtheit: "Zum einen sind es Anwender, die aufgrund vom Digital Divide keinen Zugang zum Breitbandinternet über herkömmliche Provider-Leitungen haben", erklärt Gerald Meiser, Country Manager Schweiz von AVM. "Es sind also Anwender in Bergregionen, ländlichen Gebieten oder kleineren Ortschaften in der Nähe von grösseren Ballungszentren, wo es keinen örtlichen Kabelanbieter gibt, die trotzdem vom schnellen Internet profitieren möchten. Die anderen sind Poweruser, die höchste Anforderungen an die Verfügbarkeit einer schnellen Internetverbindung stellen." Dies Gruppe schätze besonders die Failover-Funktionalität von DSL auf LTE, so Meiser weiter. Doch mobile LTE-­Router eignen sich auch für all diejenigen, die oft unterwegs sind und das Internet unterwegs nutzen möchten. Und auch an anderen Orten kommen mobile LTE-Router zum Einsatz: "Neben dem privaten Bereich werden 4G-Router auch vielfach von Unternehmen eingesetzt, um Maschinen an Orten ohne Internetversorgung an das Netz anzubinden", so Phil Wu, Country Manager Switzerland, TP-Link. "Beispielsweise in Reisebussen, auf Jahrmärkten oder von Foodtruck-Betreibern, die ihren Kunden kostenloses WLAN anbieten möchten."

Weitere wichtige Einsatzfelder sind zudem auch die Verwendung als Back­up-Gerät, als primäres Haupt-Inferface oder zum Anschluss an Glasfaser-basierte Zugänge. "Hierfür steht ein SFP Port für den Einsatz von entsprechenden Modulen zur Verfügung", verrät etwa Daniel Wimmer, Produktmanager bei Bintec Elmeg, mit Bezug auf das in der Marktübersicht vertretene Gerät des Herstellers.


Alternative zum Festnetz?

Doch sind 4G-Anschlüsse eine valable Alternative zum althergebrachten Festnetzanschluss? "Für Consumer ja", ist Markus Schütz, Head of Product Marketing bei D-Link, überzeugt. "Über eine einfache SIM-Karte sind Standard-­Internetprotokolle möglich. Für spezielle Anwendungen hingegen benötigt man eventuell weitere kostenpflichtige Freischaltungen, wie zum Beispiel VPN." Abhängig ist das Ganze aber natürlich von der verfügbaren LTE-Geschwindigkeit am jeweiligen Standort sowie der erforderlichen Bandbreite des Nutzers. Das kann auch Frank Studerus, CEO von Studerus, bestätigen: "Die Abos der Netzbetreiber werden dafür immer attraktiver. In Geschäftsbedingungen wird aber je nach Abo erwähnt, dass ein permanenter Einsatz mit Router nicht erwünscht wird." Und auch Phil Wu pflichtet dem bei: "Die Datenpreise der Mobilfunkanbieter haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr denen der klassischen Internet­anbieter angepasst und sind mittlerweile vergleichbar. Man kann also schon sagen, dass ein LTE-Router eine echte Alternative für den klassischen DSL-Router darstellt. Speziell in ländlichen Gebieten, in denen der Netzausbau nur langsam vorankommt, aber eine gute Mobilfunkabdeckung vorherrscht." Wu weist allerdings auch darauf hin, dass die Anzahl der anschliessbaren Geräte bei einem 4G-Router deutlich kleiner ist.


Absatz steigend

In einer Hinsicht sind sich sämtliche in der Marktübersicht vertretenen Hersteller einig: Der Absatz von LTE-/4G-Routern steigt stetig an, während der Anteil am Umsatz im gesamten Router-Segment allerdings immer noch sehr gering ist. Aber: "WLAN ist aus dem Alltag von Menschen nicht mehr wegzudenken und weil die Datenpreise der Mobilfunkanbieter immer weiter fallen, steht dem Markt für LTE-Router aus unserer Sicht eine rosige Zukunft bevor", verrät etwa Phil Wu von TP-Link. Besonders die Thematiken Sicherheit, Einfachheit und Verfügbarkeit sorgen für den Aufwärtstrend. "Für den Bereich Small Office/Home Office sind die Einfachheit und die hohe Verfügbarkeit von zentraler Bedeutung", betont Markus Mehnert, Head of Managed Services & Cloud Team bei Cisco. Weitere Gründe für den steigenden Absatz verrät Daniel Wimmer von Bintec Elmeg: "Der Absatz steigt kontinuierlich an und wird sicher in Zukunft weiter steigen. Gründe hierfür sind eine rasant steigende Anzahl von Netzwerkteilnehmern durch Industrie 4.0 und IoT. Hier werden zunehmend flexible und bandbreitenstarke Zugänge benötigt."


5G um die Ecke

Mit dem Einzug von 5G-Netzen und der damit verbundenen massiven Erhöhung der zur Verfügung stehenden Bandbreite werden sich zunehmend neue Einsatzfelder für Mobilfunk-Router entwickeln. Obwohl 4G sicherlich noch für längere Zeit als vorherrschender Standard genutzt werden wird, sind alle Hersteller bereits fleissig daran, ihre Produkte auf die neue Generation anzupassen und weiterzuentwickeln.

"Die Produktentwicklung konzentriert sich jetzt auf den Ausbau der 5-GHz-WLAN-Schnittstelle der Mobilfunk-Router", verrät etwa Markus Schütz von D-Link. Und auch Markus Mehnert von Cisco lässt sich ein wenig in die Karten blicken: "5G bietet Möglichkeiten, um Themen wie Erreichbarkeit in Gebäuden und schnelle Antwortzeiten anzusprechen. Dieses interessante Potential wird auch in die Router-Entwicklung einfliessen." Doch wird der althergebrachte Kabelanschluss durch den Ausbau der 5G-Netze definitiv ausgedient haben? Daniel Wimmer von Bintec Elmeg zumindest sieht in der Technologie eine echte Alternative und ergänzt: "Die Zukunft der Router geht klar in Richtung SDN/SD-WAN, also immer mehr Richtung Management und Intelligenz aus der Cloud, um die Bandbreite effektiv zu steuern und zu nutzen und an den aktuellen Bedarf anzupassen."

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