Chromebooks im Bildungsbereich

von Simon Wegmüller

2. März 2019 - Schüler brauchen ein paar grundlegende Dinge, um das Beste aus ihrer Ausbildung herauszuholen. Chromebooks bieten für wenig Geld alles, um diese Grundlagen zu erfüllen. Wir haben zwei Modelle näher angeschaut.

Google hat mit Chromebooks in öffentlichen Schulen den Bildungsmarkt im grossen Stil erobert. Im Januar 2018 nutzten 25 Millionen Schüler ein Chromebook in der Schule, 30 Millionen Schüler nutzen Google Classroom und 80 Millionen G Suite for Education. Während die meisten Bildungsdienste von Google (einschliesslich Chromebooks) von Schülern und Lehrern in den USA genutzt werden, verzeichnet Google auch in Grossbritannien, Kanada und vielen anderen Ländern ein Wachstum. Google nimmt den Bildungsmarkt ernst und bietet Produkte an, die den Bedürfnissen von Schulbehörden, Lehrern und Schülern gleichermassen entsprechen.

Wieso Chromebooks?

Doch wieso sollte man als Schule oder Schüler auf ein Chromebook setzen? Dafür spricht einiges, und wohl nicht zuletzt der Preis. Chromebooks, die für das Klassenzimmer entwickelt wurden, können oftmals in grossen Mengen zu erheblichen Rabatten und damit sehr günstig gekauft werden, gerade im Vergleich zu Geräten wie iPads oder Windows Laptops. So können auch Schulen, die vielleicht nicht das Budget haben, eine grosses Anzahl iPads oder teure Rechner anzuschaffen, ihren Lehrern und damit den Schülern trotzdem die Tools zur Hand geben, die sie für den Unterricht heutzutage benötigen. Des Weiteren bietet Google eine Reihe an Sicherheits- und Administrations-Tools an, so dass die Geräte die Bedürfnisse von Schulen spielend erfüllen dürften.

Chromebooks funktionieren natürlich auch mit der Education Software von Google. Google Classroom und G Suite for Education sowie Googles Consumer-Anwendungen wie Gmail oder Google Keep sind in das Chrome-OS-Erlebnis integriert. Wenn diese Anwendungen vorhanden sind, können Schüler und Lehrer online oder offline arbeiten, und die Anwendung wird nahtlos mit den Servern von Google synchronisiert. Dies ist ideal für Schüler und ermöglicht es ihnen, sich auf die Aufgabe vor ihnen zu konzentrieren, anstatt sicherzustellen, dass die Dinge richtig gespeichert und synchronisiert werden.

Der Zugriff auf die Bildungs-Suite von Google ermöglicht es Lehrern beispielsweise, virtuelle Klassenzimmer zu erstellen, in denen Nutzer auf einfache Art mit anderen Schülern und Lehrern kommunizieren und zusammenarbeiten können. Die Anwendungen und Dienste sind leichtgewichtig und ressourcenschonend, so dass keine aufwändige, sprich teure Hardware benötigt wird. Was ein Chromebook von einem Education Chromebook unterscheidet, ist der Supportvertrag. Schulbezirke, die über Bildungskanäle einkaufen, können sich auch für verschiedene Ebenen der Unterstützung durch das Unternehmen, das die Chromebooks hergestellt hat, oder durch Google selbst entscheiden.

Dies kann den Vor-Ort-Service einschliessen und Käufer können sogar einen Google-Spezialisten anfordern, der Schülern und Lehrern persönlich hilft. Traditioneller Garantieservice ist auch über den Hersteller erhältlich, genau wie bei jedem anderen Chromebook.

Google hat allerdings einige Standards, an die sich ein Chromebook für die Bildungszertifizierung halten muss, aber es sind Anforderungen, denen fast alle Chromebooks genügen. Wenn Sie sich jemals gefragt haben, warum ein für Studenten entwickeltes Chromebook Kleinbuchstaben auf der Tastatur statt Grossbuchstaben wie die meisten anderen Tastaturen hat: Das liegt daran, dass es für ein kleines Kind, das das Lesen und Schreiben lernt, wichtig ist, dass eine Taste mit dem Zeichen markiert ist, das letztlich auf dem Bildschirm ausgegeben wird, wenn diese gedrückt wird.


Acer vs Asus

Sowohl Acer als auch Asus haben aktuelle Education Chromebooks im Angebot. Beide Geräte bewegen sich im unteren Preissegment, warten dabei aber trotzdem mit hochwertiger Qualität und Spezifikationen auf, die im Klassenzimmer für genügend Leistung sorgen dürften.

Mit dem Acer Chromebook 514 bietet der Hersteller ein robustes, aber trotzdem ansehnliches Chromebook, das über ein 14-Zoll-Full-HD-Display inklusive Touchscreen verfügt. Im Innern sorgt ein Intel Pentium N4200 Quad-Core-Prozessor für die nötige Rechenleistung, während 8 GB Arbeitsspeicher auch bei einer grossen Zahl geöffneter Tabs für eine flüssige Benutzung sorgen. Dazu hat Acer dem Gerät wahlweise bis zu 32 GB eMMC-Speicher spendiert. Dies mag zwar nach wenig klingen, doch weil das Gesamtkonzept der Chromebooks ohnehin auf die Cloud ausgerichtet ist, dürfte dies locker reichen, um ab und zu ein paar Dateien auch lokal zu speichern. Daneben unterstützt das Gerät alle modernen Konnektivitäts-Standards (siehe Tabelle), besitz einen SD-Kartenleser und eine HD-Webcam. Kostenpunkt: 597 Franken.

Asus’ Chromebook C423 gleicht in vielen Punkten Acers Chromebook 514, macht aber an einigen Stellen Kompromisse: 14-Zoll-Full-HD-Display (hier jedoch ohne Touch-Funktion, zumindest beim Testmodell), Intel Celeron N3350 Dual Core CPU (die gegenüber der Quad Core CPU bei Acers Modell etwas weniger Leistung bringt, was sich jedoch bei den meisten Anwendungen nur minimal manifestiert), 4 statt 8 GB Arbeitsspeicher und 32 GB eMMC-Speicher. In Sachen Ports gleichen sich die beiden Geräte aufs Haar (zweimal USB Typ C, einmal USB Typ A), und auch Asus’ Chromebook besitzt einen SD-Kartenleser sowie eine HD-Webcam. Insgesamt ist das Modell von Asus ein wenig günstiger, nämlich 419 Franken.


Design & Verarbeitung

Trotz scheinbar hochwertiger Materialien hat das neueste 14-Zoll-Chromebook von Acer eine unerwartet schlechte Verarbeitungsqualität. Obwohl die gesamte Unterseite des Laptops und das obere hintere Gehäuse aus Aluminium gefertigt sind, ist es so dünn, dass es kaum schützender sein kann als Kunststoff. Selbst beim kleinsten Druck auf irgendeinen Teil davon ist ein erheblicher und beunruhigender Flex zu sehen. Die Kunststofflünette um den Bildschirm herum trifft mit einer kleinen, gebogenen Lippe auf das Metallgehäuse, die das Öffnen des Deckels ermöglicht. Dies mag wie eine gute Idee erscheinen, aber wenn man an dieser Lippe zieht, um den Deckel zu schliessen, wird ein Spalt zwischen der Lünette und dem Gehäuse sichtbar.

Leider kann auch die Tastatur nicht zu 100 Prozent überzeugen. So gibt diese bei jedem Tastendruck nach, was zu einem matschigen Gesamterlebnis führt. Das Problem mit dem Gehäuse ist auch hier offensichtlich, mit viel zu viel Flex beim Tippen. Dafür macht das Gorilla Glass Trackpad einiges wieder gut, doch entspricht es trotzdem nicht annähernd dem, was man auf einem teureren Laptop bekommt. Dafür ist es grösser als bei den meisten konkurrierenden Chromebooks, was viele Nutzer bevorzugen dürften. Der FHD-Bildschirm ist dafür beeindruckend und liefert scharfe Bilder, wird aber wohl trotzdem keine Preise gewinnen. Die Touch-Funktion liefert, was sie verspricht, was insbesondere bei der Nutzung von Android Apps sehr hilfreich ist.

Der Asus C423 hingegen ist ein beeindruckend aussehender Laptop, und das dank seines ultraflachen Designs. Der aluminiumfarbene Deckel in einem dezenten Grau sorgt für eine hochwertige Optik. Das Beste am Asus C423 ist jedoch das Display, das den gesamten verfügbaren Platz einnimmt. Dies ist dem Nanoedge-Design von Asus zu verdanken. Die Tastatur weist grosse Ähnlichkeit zu Acers Modell auf. Auch hier wird das Gesamterlebnis von einer etwas inkonsistenten Qualität überschattet. Dafür kann Asus ebenfalls mit einem guten und präzisen Trackpad punkten, das in etwa gleich gross ist wie das des Acer Chromebook 514.


Performance & Akku

Sowohl Acers Chromebook 514 als auch Asus’ Chromebook C423 überzeugen in Sachen Performanz. Angefangen bei den Startzeiten (bei beiden Geräten dauert der Boot-Vorgang nur wenige Sekunden) und der Zeit zum Aufwecken des Geräts (ebenfalls bei beiden Geräte knapp 1 Sekunde), liefern beide Geräte genügend Leistung zum Browsen im Web. Auch bei vielen geöffneten Tabs kommt keines der beiden Geräte ins Schwitzen, wobei sich einzig bei der HD-Video-Wiedergabe leichte Unterschiede bemerkbar machen und Acers Gerät die Oberhand behält, was wohl unter anderem an den gerade mal 4 GB RAM beim Asus-Modell sowie dem etwas leistungsschwächeren Prozessor liegen dürften. Der Celeron N3340 Dual-Core-Prozessor im Asus Chromebook C423 ist einer der am meisten in Chromebooks verbauten Prozessoren und ist im Alltag mehr als ausreichend, um alltägliche Tasks wie Web Browsing und Videostreaming zu meistern. Wer aber doch etwas mehr aus seinem Chromebook herauskitzeln möchte, der ist mit dem Pentium N4200 Quad-Core-Prozessor, der in Acers Chromebook 514 zum Tragen kommt, klar besser bedient. Das könnte insbesondere dann der Fall sein, wenn man allenfalls gewillt ist, Linux Apps auf dem Chromebook auszuführen. Hier gilt die Maxime: umso mehr Power, desto besser.

Einer der grossen Vorteile eines Chrome­books ist die Akkulaufzeit. Das Asus C423 enttäuscht in diesem Bereich nicht. Es bietet bis zu 10 Stunden Nutzung mit einer einzigen Ladung (im Test, bei dem ein Full-HD-­Video bei 50 Prozent Bildschirmhelligkeit ununterbrochen abgespielt wurde, hielt das Gerät stolze 9,5 Stunden durch), was bedeutet, dass das Chromebook problemlos den ganzen Tag über benutzt werden kann. Acers Chromebook 514 übertrifft hier Asus’ Gerät sogar noch, so konnten im Test ganze 12 Stunden gemessen werden, was zwar nicht ganz an die Herstellerangabe von 14 Stunden heranreicht, aber trotzdem beeindruckt.


Fazit

Chromebooks rücken die Hardware eher in den Hintergrund, viel wichtiger ist die Software, nämlich Chrome OS. Und das ist auf allen Geräten identisch. Zwar kann Acers Chromebook mit besserer Performanz und längerer Akkulaufzeit punkten, bietet in der alltäglichen Nutzung, abgesehen von einigen Sonderfällen (z.B. Linux-Anwendungen), keinen unabdingbaren Vorteil gegenüber dem Gerät von Asus. Beide sind tolle Geräte für alle, die ein Chromebook unterwegs verwenden möchten, und eignen sich ideal für Profis sowie Studenten gleichermassen. Besonders beeindruckend ist dabei das Gebotene, wenn man den Preis der Geräte in Betracht zieht, was gerade für Schulen ein wichtiger Faktor sein dürfte.

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