Interne Speichermonster

von Marcel Wüthrich

3. November 2018 - Interne Festplatten mit 10, 12 oder 14 TB gibt es heute zuhauf, und das bereits ab gut 300 Franken.

"Erste Festplatte mit 10 Terabyte" titelte "Swiss IT Magazine" online am 10. Juni 2015. Gemeint war damals die HDD Ultrastar Archive Ha10 von Western-Digital-Tochter HGST, die auf den Markt kam. Rund zwei Jahre später – im Herbst 2017, zeigte erneut HGST eine erste Harddisk mit 14 TB, und diese 14 TB sind auch heute noch die Obergrenze an Kapazitäten, die man von der knappen Handvoll Harddisk-Hersteller, die es noch gibt, käuflich erwerben kann.

Doch die Entwicklung bezüglich der Kapazität von Festplatten ist noch lange nicht abgeschlossen. In den kommenden Jahren werden aufgrund des Einsatzes von neuen Technologien wie Shingled Magentic Recording und Microwave Assisted Recording grössere Festplattenkapazitäten verfügbar werden, wie Uwe Kemmer, Field Application Engineer bei Western Digital, erklärt. Rainer W. Kaese, Senior Manager Business Development, Storage Products bei Toshiba Electronics Europe, ergänzt: "In den letzten Jahren haben wir stetig neue Technologien für den 3,5-Zoll-Formfaktor entwickelt, welche die Aufzeichnungsdichte der Daten und die Anzahl der Platten erhöht haben. Beide Verbesserungen führen dazu, dass nun NAS-Laufwerke mit Kapazitäten von bis zu 10 TB erhältlich sind." Die nächste Entwicklung führe nun dahin, die mit Helium gefüllten Festplatten, die man bereits in einigen Server-Anwendungen findet, auch für NAS-Systeme anzubieten. "Durch die viel geringeren Turbulenzen bei Rotation in Heliumgas können dünnere Platten eingesetzt werden und somit passen signifikant mehr Platten in ein Gehäuse derselben Grösse", so Kaese. Etwas weiter in die Zukunft geschaut kündigt er zudem auch an, dass in der Industrie an der Entwicklung neuer Aufnahmetechnologien gearbeitet wird, mit Hilfe derer NAS-Festplatten in absehbarer Zeit die 40-TB-Kapazitätsgrenze durchbrechen werden.


Alternative zum Tape

Bedarf für solche Kapazitäten gibt es durchaus, das ist unbestritten. Rainer W. Kaese: "Jeder redet von der globalen Datenexplosion. Während die Cloud einen Teil der Speicherlösung bietet, gibt es Situationen, in denen Daten lokal gespeichert werden müssen. Für sensible Daten mit hoher Sicherheitsrelevanz kommt beispielsweise eine Speicherung in der Cloud nicht in Frage oder ist nicht erlaubt, aber auch als Backup im Rahmen multipler Backup-Strategien oder wenn ein schneller lokaler Zugriff notwendig sein sollte, ist eine lokale Datenspeicherung relevant." Daneben nehme die Bedeutung robuster und zuverlässiger Back­ups zu, denn in Kombination mit dem stetig wachsenden Datenvolumen erhöhe sich auch die Notwendigkeit, Kopien von Daten zu speichern. "Folglich steigen die Anforderungen an die Speicherkapazität auf allen Ebenen, von Privatanwendern mit NAS- und Überwachungssystemen bis hin zu grossen Unternehmen."

Uwe Kemmer von Western Digital fügt hierzu noch an, dass aufgrund der sinkenden Preise pro GB HDDs heute auch als Backup-Alternative zu Tape-Systemen zunehmend spannend werden, nicht zuletzt auch aufgrund der deutlich schnelleren Zugriffszeiten.


Verschiedene Modelle für ver­schiedene Anwendungsgebiete

Heute ist es in der Regel so, dass die Hersteller verschiedene HDD-Serien für verschiedene Aufgabengebiete im Angebot haben – also beispielsweise Modelle für Desktops, NAS, Überwachsungssysteme oder für Enterprise-Umgebungen. Diese unterscheiden sich unter anderem bei der Umdrehungsgeschwindigkeit und der Zuverlässigkeit beziehungsweise Ausfallwahrscheinlichkeit (MTBF), aber auch beim maximalen Workload, bei der Garantie und durch eine angepasste Firmware auf die bestimmte Anwendung. Nochmals Rainer W. Kaese: "NAS-Festplatten und Überwachungs-HDDs wurden entwickelt und getestet, um einen zuverlässigen, langfristigen 24×7-Betrieb bei den anwendungstypisch höheren Lastprofilen zu gewährleisten. Die Laufwerke, die in den meisten Desktop- und Laptop-Computern gefunden werden, sind nicht für diese Art der Verwendung konzipiert. Darüber hinaus enthalten NAS-Festplatten und Überwachungs-HDDs typischerweise ­Rotationsvibrationssensoren. Dadurch können mehrere Laufwerke im selben Gehäuse sicher und dicht nebeneinander montiert werden und trotzdem zuverlässig arbeiten. Ohne die Sensoren bestehe die Gefahr von Rotationsvibrationen, die andere Laufwerke in einem Multi-Bay-System beeinträchtigen." Solche Sensoren bieten übrigens sämtliche zwölf Modelle der untenstehenden Übersicht. Zu dieser Übersicht ist anzufügen, dass es zahlreiche der gelisteten HDD-­Modelle jeweils auch in Versionen mit 10, 12 oder 14 TB gibt.

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