Erleuchtet von einem zweiten Bildschirm

von Simon Wegmüller

29. September 2018 - Das neue Asus Zenbook Pro kommt auch in einer Variante mit integriertem Touchscreen statt einem herkömmlichen Trackpad. "Swiss IT Magazine" hat sich das genauer angeschaut, und wurde durchaus positiv überrascht.

Es reicht heutzutage wohl nicht mehr, einfach nur die neuesten Komponenten in einen gut gebauten Laptop zu stecken. Die Hersteller versuchen ihre Geräte mit neuen, innovativen Features zu bestücken, um so im hart umkämpften Markt für Furore zu sorgen. Genau das versucht Asus – nicht zum ersten Mal – mit seinem neusten Zenbook Laptop. Die Innovation nennt sich Screenpad, wobei es sich um einen Touchscreen handelt, der das Trackpad ersetzt und quasi als zweiter Bildschirm verwendet werden kann. Neugierig geworden? Wir auch.

Asus hat uns zum Test eine Mid-Range-Konfiguration mit 16 GB RAM und einer 512-GB-SSD des Zenbook Pro 15 zur Verfügung gestellt: Ausgestattet mit Intel-Core-i7-8750H CPU, einer Geforce-GTX-1050-Grafikeinheit, einem Full-HD-IPS-Display und dem bereits erwähnten Screenpad. Kostenpunkt: rund 1900 Franken. Damit sollte das Zenbook Pro 15 genügend Leistung für die meisten Anwender liefern. Doch bietet das Screenpad genügend Mehrwert, um Asus’ neuestem Kraftpaket im Notebook-Markt eine Chance zu geben?


Design, Verarbeitung & Display

Das Update 2018 des Zenbook Pro übernimmt die meisten Merkmale der 2017er-Modelle, jedoch gibt es auch einige Änderungen, die erwähnenswert sind. Erstens ist das Modell neu in der Farbe Deep Dive Blue erhältlich, inklusive einigen dezenten Akzenten. Die goldenen Umrandungen auf der Innenseite sowie auf dem Deckel sind wohl Geschmackssache, doch verleihen sie dem ansonsten eher unscheinbaren Gerät einen edlen Touch. Die Bezel des Zenbook Pro sind seitlich nur 7,3 Millimeter dick, was mit etwas gutem Willen fast den Eindruck eines nahezu randlosen Displays erwecken kann. Der untere (hier findet sich eine Kamera) und obere Rand (wo das Asus-Logo platziert wurde) des Displays sind jedoch etwas dicker ausgefallen.

Was sich gegenüber den vorhergehenden Modellen ebenfalls geändert hat, ist die Oberfläche der Tastatur, die nun eine Textur erhält, die nicht nur schön aussieht, sondern auch Verschmutzungen etwas besser verdecken sollte als die glatte Oberfläche der letzten Zenbook-Pro-­Geräte. Das 15-Zoll-Notebook wiegt 1,88 Kilogramm, was trotz dem aus einem Block gefertigten Aluminium-Gehäuse angenehm leicht ist. Verändert wurde auch die Position der Lautsprecher, die neu auf der Unterseite platziert wurden, was der Klangklarheit und auch -qualität aber nicht besonders förderlich ist. Eine letzte kleine Änderung betrifft den Fingerprint-­Leser, der nicht mehr in das Trackpad integriert ist, sondern unter den Pfeiltasten platziert wurde. Ansonsten hat sich nicht viel verändert im Vergleich zu den Vorgängermodellen, einschliesslich des Tastaturlayouts und des Scharniers des Bildschirms, das leider ziemlich steif ist und beide Hände benötigt, um das Displayanzuheben.

Unser Testgerät ist mit einem entspiegelten 15,6-Zoll-Full-HD-Display bestückt, aber es gibt auch eine 4K-­Ver­sion. Laut Asus sind die Screens gemäss Pantone kalibriert und decken 100 Prozent des Adobe-RGB-Bereichs ab, wodurch die Farbtreue sehr genau sein soll. In der Praxis gibt das Display keinen Anlass zur Kritik: Es ist scharf, lichtstark, spiegelt nicht und scheint tatsächlich sehr farbgenau zu sein. Allerdings ist der primäre Bildschirm des Geräts für einmal auch nur sekundär.


Tastatur & Screenpad

Viel interessanter ist nämlich das zweite Display des Zenbook Pro. Wie bereits erwähnt, findet man bei dem Gerät kein gewöhnliches Trackpad. Schaltet man das Notebook ein, fällt der Blick direkt auf das Screenpad, das hell erleuchtete Eingabegerät unterhalb der Tastatur. Der 5,5-Zoll-LC-Bildschirm kann allerdings auch wie ein Standard-Touchpad funktionieren, falls er ausgeschaltet ist, was bequem über die F6-Taste getan werden kann. Schaltet man das Screenpad ein, verwandelt es sich in ein Stück Technik, das man so wohl noch nie zuvor in einem Laptop gesehen hat.

Das Screenpad unterstützt zwei unterschiedliche Betriebsarten. Beim ersten handelt es sich um den Screenpad-Modus, der Mini-Anwendungen wie einen Taschenrechner, Musik-Player oder einen Nummernblock bietet. Ausserdem kann das Mini-Display dazu verwendet werden, verschiedene Anwendungen auf dem Computer schnell zu starten, wie etwa einen Browser oder Word, und in bestimmten Anwendungen (Premiere, Photoshop, Office) kann es als sekundäres Display inklusive Schnellzugriffstasten verwendet werden. In diesem Modus übernehmen die Apps die Standard-Funktionalität des Touchpads, was bedeutet, dass man die Möglichkeit verliert, die Maus via Trackpad zu steuern. Man wird also nicht darum herumkommen, eine externe Maus anzuschliessen. Eines der nützlichsten Anwendungsbeispiele für diesen Modus ist sicherlich die Nutzung mit Office. So bietet das Screenpad nützliche Shortcuts, um etwa den Schriftstil und die Farbe schnell zu verändern oder Formeln direkt zu bearbeiten.

Das Screenpad kann allerdings auch einfach als sekundäres Display in Win­dows verwendet werden, mit dem man, wie man es gewohnt ist, den Desktop erweitern kann. Das funktioniert zwar, scheint im Alltag aber wenig nützlich zu sein, da das Display dafür schlicht zu klein und es schwierig ist, beispielsweise Text zu lesen.

Insgesamt kann man festhalten, dass das Screenpad klar einen Mehrwert bietet. Asus verspricht zudem, dass die Funktio­nalität für Entwickler geöffnet wird, so dass diese künftig eigene Apps für das Screenpad entwickeln können. Im Moment gibt es zwar nur wenige Programme, die die Vorteile des Screenpad nutzen, aber es scheint sich doch um mehr als nur ein simples Gimmick zu handeln.

Die Tastatur fällt derweil vor allem wegen dem Layout auf. Eine Reihe von zusätzlichen Tasten auf der rechten Seite ermöglicht es, schnell durch Textabsätze zu navigieren, durch das Hinzufügen dieser Tasten sind alle anderen Tasten aber insgesamt enger angeordnet. Die Pfeiltasten können besonders fummelig zu bedienen sein, da sie etwa halb so gross sind wie die anderen Tasten. Ansonsten gibt es an der Tastatur des Zenbook Pro nichts zu bemängeln. Sie bietet ein solides Feedback und fühlt sich beim Tippen für eine Laptop-Tastatur sehr komfortabel an, womit sie dem steifen und flachen Apple Macbook Pro Design weit voraus ist.


Konnektivität, Akku und Performanz

In Sachen Konnektivität platzt das Zenbook Pro zwar nicht aus allen Nähten, bietet aber genug Anschlussmöglichkeiten, um eine komfortable mobile Arbeits- oder Multimediastation zu schaffen. Auf der rechten Seite finden sich zwei USB-3.1-Typ-A Ports, ein MicroSD-Steckplatz und eine kombinierte Mikrofon-/Kopfhörerbuchse. Auf der linken Seite befinden sich zwei Thunderbolt-3-/USB-C-Anschlüsse, ein voller HDMI-Anschluss sowie eine Buchse für den Stromadapter.

Je nachdem, wie man das Zenbook Pro verwendet, kann die Akkulaufzeit stark variieren. Für allgemeine, nicht rechenintensive Anwendungen, wie etwa Office und Webbrowsing, reicht die Batterie etwa für viereinhalb Stunden (bei eingeschaltetem Screenpad und auf 50 Prozent Helligkeit eingestellt).

Sobald aber etwas aufwendigere Anwendungen ausgeführt werden, beispielsweise zur Grafik- oder Videobearbeitung, kommt man ohne zum Netzteil greifen zu müssen nicht lange über die Runden. Wie Asus erklärt, kann der Akku des Zenbook Pro dafür aber in rund 50 Minuten auf bis zu 60 Prozent aufgeladen werden, was im Test auch (beinahe) bestätigt werden konnte.

Auch wegen des Aluminium-Gehäuses kann das Zenbook Pro 15 schnell etwas heiss werden. Asus integriert ein Dual-Fan-System mit drei Heatpipes, um einen Teil der Heissluft zu verteilen. Das funktioniert aber nur bis zu einem gewissen Grad und das Gerät überschreitet relativ schnell eine Schwelle, wo die Unterseite so heiss wird, dass der Laptop nicht mehr komfortabel auf dem Schoss platziert werden kann, was sich natürlich auch auf die Leistung auswirkt, wodurch wiederum verhindert wird, dass das Gerät sein ganzes Potential entfalten kann.

Beim Testgerät handelt es sich zwar nicht um das High-end-Modell, allerdings sollten die Komponenten fast alle Aufgaben meistern, die man ihnen entgegenwirft, was sich im Test auch durchaus bestätigen liess. Einzig die Hitzeentwicklung ist schade, hier hätte Asus mehr Augenmerk auf das Design legen sollen. Zudem ist das Zenbook Pro auch mit Core-i9-CPU verfügbar, wodurch das Ganze sicherlich noch verschlimmert wird. Bei der Hardwarekonfiguration sind ausserdem einige Aspekte zu beachten. So wird der Arbeitsspeicher auf das Motherboard gelötet, so dass es keine Möglichkeit gibt, mehr als 16 GB auf dem Notebook zu bekommen. Die SSD hingegen kann ausgetauscht werden.

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