Von der Schätzung bis zum Abschluss

von Simon Wegmüller

1. September 2018 - Auf der Online-Plattform Brixel können Verkäufer und potenzielle Käufer von Immobilien transparent und in direktem Austausch miteinander verhandeln. Das Start-up aus Zürich wartet dabei mit einigen Innovationen auf, die sowohl Käufern als auch Verkäufern einen Mehrwert bieten sollen.

Die Grundidee des jungen Start-ups Brixel tönt so simpel, dass man sich wundert, wieso das Angebot nicht schon viel früher entstanden ist. "Brixel ist eine Transaktionsplattform, auf der Immobilien verkauft und gekauft werden können", erklärt Co-Gründer Martin Angehrn und ergänzt: "Das beinhaltet den gesamten Verkaufsprozess – von A bis Z." Konkret heisst das: Auf der Online-Plattform kann alles rund um den Kauf und Verkauf von Immobilienobjekten erledigt werden, von der Objektsuche bis hin zur Preisfindung zwischen Käufer und Verkäufer. Damit soll der ansonsten oft langwierige und komplizierte Prozess bequem von zu Hause erledigt werden können. Wer jetzt denkt, das Start-up ersetzt den Immobilien-Makler, liegt nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig.


Von der Agentur zur Immobilien-Plattform

Doch zuerst zurück zu den Anfängen. Brixel entstand vor knapp zwei Jahren und wurde gemeinsam von Martin Angehrn und Michael Wiedemann gegründet. Um ganz an den Ursprung des Start-ups zu gelangen, muss man allerdings weiter zurückschauen. Denn vor Brixel führten die beiden Gründer bereits eine Digitalagentur, und setzten Projekte, unter anderem für Banken und Versicherungen, um. "Die Idee für Brixel ist über längere Zeit hinweg gewachsen", erinnert sich Wiedemann, der zuerst eigentlich den Weg als Journalist einschlagen wollte, dann aber in die Agentur-Welt gelangte. Schon als Digitalagentur setzten die beiden Apps oder Web-Applikationen für Kunden um, verspürten aber den Drang, etwas Eigenes zu schaffen, was beispielsweise in der Mitgründung des Start-ups Kitaclub.ch kulminierte. Als sich schliesslich die Idee für Brixel in den Köpfen von Angehrn und Wiedemann manifestiert hatte, beschlossen die Beiden, ihre Anteile an Kitaclub.ch zu veräussern, ihre Digitalagentur umzubenennen und alle Karten auf die Immobilienplattform Brixel zu setzen.


Eine Branche im Umbruch

Heute besitzt Brixel zwei Standorte. Das gesamte Entwicklungs- und Design-­Team, das im Verlauf von zwei Jahren von zwei auf neun Mitarbeitende gewachsen ist, befindet sich in Lissabon, während in Zürich vor allem der Business-Bereich sowie die zwei Gründer, insgesamt ein fünfköpfiges Team, angesiedelt ist. Nicht ganz unüblich für ein Start-up, hat man sich in einer ehemaligen Lagerhalle eingemietet, die als Co-Working-Space und Grossraumbüro benutzt wird. Während sich Angehrn mehrheitlich um Business- und administrative Angelegenheiten kümmert, aber auch eng mit den Kunden in Kontakt steht, sorgt sich Wiedemann um Produkt-, Design- und Kommunikationsfragen.

Im Frühling 2017 ging die erste Version der Plattform live, damals noch mit begrenzten Möglichkeiten und Funktionsumfang. Darauf folgte ein Jahr, das ganz dem Testen, Iterieren, Optimieren und dem Schaffen der technologischen Basis von Brixel gewidmet wurde. Angehrn erinnert sich: "Unser Ziel lautete von Anfang an, durch ein solides technologisches Fundament, datenbasiertes Arbeiten und durch Automatisierung effizienter im Verkauf zu sein als unsere Konkurrenz." Die Konkurrenz, das sind einerseits private Verkäufer, andererseits aber auch etablierte Makler. "Die Makler-­Branche selbst befindet sich auch im Umbruch", so Wiedemann und ergänzt: "Dem digitalen Wandel kann sich niemand entziehen." Doch, so die beiden Gründer, befindet man sich auf keinen Fall auf Kriegsfuss mit den etablierten Immobilien-Händlern. "Brixel funktioniert besonders bei Standartobjekten gut, während Makler vielleicht eher besser für den Luxusbereich geeignet sind", so Wiedemann. "Sie werden auch weiterhin ihre Daseinsberechtigung haben, doch der Markt ist gross genug für verschiedene Ansätze."


Transparenz und Kauf aus eigener Tasche

Doch wodurch unterscheidet sich Brixel vom herkömmlichen Makler und welche Vorzüge können Käufer und Verkäufer aus den Services des Start-ups ziehen? Einerseits betonen die beiden Gründer immer wieder das Wort Transparenz, andererseits hebt sich die Online-Plattform aber auch durch ein anderes Angebot ab, denn Brixel kauft selber Immobilien aus eigener Tasche und verkauft diese über die Plattform weiter.

"Bei Immobilien-Verkäufen fehlt heute oft ein wenig die Transparenz, das heisst beide Seiten haben nicht die gleichen Informationen zur Verfügung. Hier setzen wir an wollen und besonders transparent sein", betont Angehrn. Konkret bedeutet das: Wenn Brixel eine Immobilie ausschreibt, erhalten potenzielle Käufer Einblick in den gesamten Evaluationsprozess und den Schätzbericht. Dadurch, dass ­alle Informationen zu einem Objekt ersichtlich sind, können Kunden darauf vertrauen, dass es sich beim verlangten Preis für ein Objekt nicht um einen Fantasiepreis handelt, ein Vorteil, den man bei einem Makler nicht immer geniesst. Und auch in anderer Hinsicht verhilft Brixel Käufern zu einem möglichst umfassenden Wissen, wenn es um den Kauf einer bestimmten Immobilie geht. "Wir zeigen auf unserer Plattform zum Beispiel auch eine Übersicht über den Immobilienmarkt in einem bestimmten Segment oder an einer bestimmten Lage", erklärt Wiedemann. "Etwas, das man sich sonst mühsam selber zusammensuchen müsste."

Ist Brixel bei einem Immobilien-Objekt besonders zuversichtlich, dass dieses verkauft werden kann, kauft das Start-up das Objekt dem Verkäufer gleich selber ab. Dazu hat das Unternehmen ein Auswahlverfahren entwickelt, durch welches die Immobilien datenbasiert analysiert werden. Der Verkäufer erhält daraufhin ein unverbindliches Angebot und die Immobilie wird bei Einwilligung von einem unabhängigen Schätzexperten eingeschätzt. Bei Interesse des Verkäufers übernimmt Brixel die Immobilie zum Schätzwert, abzüglich einer Transak­tions­gebühr von 5 Prozent. "Der Verkaufsteil bei Immobilien-Transaktionen ist oft ein komplexer Prozess", so Wiedemann. So kann es für einen Verkäufer die beste Option sein, die Immobilie direkt Brixel zu verkaufen, wodurch der ganze Prozess in kurzer Zeit erledigt ist. "Makler verlangen zwar vielleicht nur 3 bis 4 Prozent des Verkaufspreises, dafür ist dieser meist nicht so transparent wie bei uns und der Prozess dauert üblicherweise viel länger", ergänzt Angehrn. In der Branche rechnet man üblicherweise mit drei bis sechs Monaten, bis ein Objekt verkauft wird. Kauft Brixel eine Immobilie nicht selber, so kann das Objekt zudem ganz normal auf der Plattform platziert werden, wobei Brixel Verkäufer mit Tools und Know-how unterstützt.


Wissensaustausch und Zukunftspläne

Know-how vermitteln sollen auch die von Brixel regelmässig angebotenen Events. "Als digitales Unternehmen verliert man zwangsläufig ein wenig den ‹echten› Kundenkontakt", erklärt Wiedemann, "Mit Brixel Academy versuchen wir, diesen trotzdem herzustellen." So bietet das Start-up Events an, wo sich sowohl Käufer als auch Verkäufer treffen, und wo ein reger Wissensaustausch rund um das Thema Immobilienhandel stattfindet. "Wir glauben stark an den '‹mündigen' Verkäufer", betont Wiedemann. "Als Aussenstehende, die frisch in diese Branche gekommen sind, sehen wir fehlende Transparenz als grosses Problem. Es wird viel mit dem Zurückhalten von Wissen gearbeitet." Und auch Brixel selbst kann durch den Kontakt mit Kunden immer wieder Neues dazulernen, ergänzt Angehrn: "So lernt man am meisten und kann dadurch wiederum das eigene Angebot verbessern." Zudem arbeitet Brixel auch mit Partnern zusammen, etwa mit "Beobachter" oder "Guider", wo sich Brixel-User rund um das Thema Immobilien informieren können.

Sowohl Angehrn als auch Wiedemann blicken positiv in die Zukunft. "Zwar sind Prognosen, besonders im Immobilienbereich, immer schwierig", so Angehrn. "Doch mittelfristig wollen wir zu einem ernstzunehmenden Player werden, über den man seine Immobilie kaufen oder verkaufen kann. Und da befinden wir uns auf einem guten Pfad." Längerfristig bedeutet das auch, neue Ideen und Möglichkeiten in die Plattform zu integrieren und sich an die Ansprüche einer neuen Generation von Kunden anzupassen. "Wenn wir als dritte Alternative, neben den Optionen selber verkaufen und über einen Makler verkaufen, wahrgenommen werden, dann haben wir aber sicher ein Ziel erreicht", findet Wiedemann.

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