Salesforce will weg vom CRM und hin zum Cloud Computing

17. April 2009 - Salesforce.com will sich vom CRM- zum Cloud-Computing-Anbieter wandeln und zeigte an der Cloudforce die Neuerungen und Vorteile seiner Plattform Force.com für Endkunden und Softwarehersteller.

Bereits zum zweiten Mal wurde am 7. April 2009 in London die Cloudforce, eine Veranstaltung für Kunden und Partner von Salesforce.com durchgeführt. Mehr als 2400 Cloud-Computing-Begeisterte haben sich im Excel Center eingefunden, um die Keynote von CEO Marc Benioff zur Zukunft der IT-Industrie zu hören und sich an verschiedenen Kurzvorträgen über die Möglichkeiten und praktischen Einsatzgebiete der Enterprise Cloud, wie Salesforce seine Plattform auch nennt, zu informieren. Zwei Themen haben die Teilnehmer am meisten beeindruckt: Die Integration von Facebook und Twitter in die Salesforce.com-Service-Cloud und die neue Möglichkeit, Websites auf der Force.com-Plattform zu entwickeln. Sites, wie das neue Produkt von Salesforce heisst, wird im Sommer lanciert.





Mehr als nur CRM

Während der Cloudforce-Keynote von Benioff wurden zwar auch einige interessante CRM-Anwendungen, wie die erwähnte Twitter-Integration gezeigt, die Stossrichtung der Präsentation und auch der weiteren Vorträge zeigt aber, dass Salesforce mit viel Aufwand versucht, dem Markt klar zu machen, dass es längst nicht mehr «nur» um CRM geht. Was einst als konfigurierbare CRM-Applikation im Software-as-a-Service-Modell begann, hat sich zu einer ausgewachsenen Entwicklungs- und Betriebsplattform für Geschäftsanwendungen in der Cloud entwickelt. Unter dem Namen Force.com bietet Salesforce eine multi-tenant Infrastruktur an, damit Unternehmen ihre eigenen Daten- und Workflow-basierten Anwendungen programmieren können.



«Ich bin auch eine Plattform» heisst die Devise. Und diese Plattform mit der Bezeichnung Force.com soll sowohl Endkunden wie auch Softwarehersteller ansprechen. Endkunden, die ihre bestehenden oder geplanten Lösungen der Marke Eigenbau im Internet betreiben wollen, können auf diese Weise ihre Infrastrukturkosten reduzieren. Softwareanbieter sind in der Lage, innert kürzester Zeit Geschäftsanwendungen im Saas-Modell zu entwickeln und im Internet weltweit anzubieten.



So wurde als Endkundenbeispiel gezeigt, wie Lawson, ein japanischer Betreiber von 8500 Convenience Shops, über 600 Lotus-Notes-Datenbanken durch eigene Force.com-Applikationen abgelöst hat. Durch die zusätzliche Integration von 2000 Zulieferern wurde das Lieferanten- und Store-Management problemlos in die Cloud verschoben.



Für Softwarehersteller stellt Salesforce neben der Plattform auch gleich noch einen Verkaufskanal in Form seines eigenen Markplatzes Appexchange im Stil von Apples iPhone Appstore zur Verfügung. Neben den über 750 Add-Ons für die Salesforce-eigenen CRM-Anwendungen gibt es bereits über 50 Force.com-Applikationen, die auch ohne die CRM-Funktionalitäten benutzt und gekauft werden können.





Platform as a Service

Die britisch-holländische Software­firma Coda hat anlässlich der Cloudforce ihre Finanzsoftware Coda2Go in der Version 2 lanciert. Diese ist vollständig auf Basis der Force.com-Plattform entwickelt worden und wird über Appexchange vertrieben.



David Turner, Marketing-Direktor von Coda, sieht im Einsatz solcher Platform-as-a-Service-Lösungen grosse Vorteile für seine Firma: «Die Alternative wäre gewesen, eine hochverfügbare, skalierbare und sichere multi-tenant Infrastruktur selber zu betreiben. Die Investitionskos­ten wären immens gewesen und wir hätten sehr viele Ressourcen für den laufenden Betrieb dieser Infrastruktur zur Verfügung stellen müssen. Wir sind aber eine Softwarefirma und kein Datacenter-Betreiber.» Die Coda2Go-Lösung ist derzeit noch nicht für den Schweizer Markt lokalisiert, dies sei aber in Planung.





Wer setzt sich durch?

Salesforce ist mit seinem Cloud-Computing-Angebot nicht alleine. Die wichtigsten Mitbewerber sind Google mit der App Engine, Amazon mit den Amazon Web Services (AWS) und Microsoft mit Azure. Jeder Hersteller verfolgt hier einen anderen Ansatz. Wer sich in Zukunft durchsetzen wird und ob es überhaupt so sein wird, dass eines der Modelle die anderen verdrängt, kann heute niemand sagen. Zurzeit ergänzen sie sich sogar hervorragend und weil alle diese Anbieter auch mächtige APIs bereitstellen, können sie problemlos miteinander kombiniert werden.






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