CIO-Interview: "Wir wollten das Konzert dirigieren"

CIO-Interview: "Wir wollten das Konzert dirigieren"

Artikel erschienen in IT Magazine 2019/06
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Wo lagen denn bislang die grossen technologischen Herausforderungen rund um die Avec Box?
Die Herausforderung aus Technologiesicht lag in erster Linie bei der Integration der verschiedenen Anwendungsmodule, wie wir sie nennen. Der Eintrittsprozess in den Store beispielsweise ist ein Modul, es gibt ein Kaffee-, ein Tabak-, ein Salatroboter-, ein Bezahl-Modul und vieles mehr. All diese Elemente müssen vernetzt sein. Dazu müssen die verschiedenen Systeme, Installationen und Apparate miteinander kommunizieren, nahtlos und ohne Unterbruch, was ziemlich anspruchsvoll ist. Vieles mussten wir zuerst bauen respektive mit Partnern mitentwickeln. Entsprechend ist unser Eigenanteil in den einzelnen Lösungen ziemlich hoch, womit wir bei Valora auch digitale Kompetenz aufbauen konnten.

Sie haben den grossen Anteil von Eigenentwicklung verschiedentlich angesprochen. Warum haben Sie sich entschieden, die nötigen Technologien selbst zu bauen und nicht durch Partner entwickeln zu lassen?
Wenn ich von einem hohen Anteil an Eigenentwicklung spreche, bedeutet das nicht, dass wir auf Partner verzichtet hätten – im Gegenteil: Wir haben bei vielen Themen mit Partnern zusammengearbeitet. SAP zum Beispiel hat uns bei der Integration zahlreicher Prozesse in unsere SAP-Systeme geholfen. Auch in der App-Entwicklung haben wir mit externen Spezialisten zusammengearbeitet. Mit Selecta und dem Kaffeemaschinen-Hersteller Rex Royal haben wir beispielsweise das Kaffee-Modul von Grund auf in einem Co-Creation-Setup mitentwickelt, und so gab es zahlreiche weitere externe Partner, die bei der Umsetzung unserer neuen Retail-Konzepte mitgearbeitet haben. Was wir allerdings nicht wollten, ist, dass ein externer Partner das ganze Projekt übernimmt. Wir wollten im Fahrersitz sein und das Konzert dirigieren, so dass alles zusammenspielt und eine harmonische Geschichte entsteht. Und wir wollten dort auf Eigenentwicklungen setzen, wo wir uns im Mehrwert zum Kunden oder im potentiellen Angebot unserer Mitbewerber differenzieren wollen, während wir für bewährte, standardisierte Modelle und Systeme eher auf externe Anbieter gesetzt haben.
Wir treffen uns hier in Zürich, an einem Standort des Valora Lab. Können Sie das Konzept hinter diesem Innovationslabor erläutern?
Innovation ist meist etwas, das aus dem Prozess entsteht. Ideen entstehen aus Gesprächen, aus der interdisziplinären Vernetzung, was für Valora ein impliziter Teil des Innovationsprozesses ist. Wir haben nun diesen Prozess etwas expliziter gemacht, in dem wir Gremien institutionalisiert haben, deren Kernauftrag Innovation lautet. Im Valora Lab also sollen die guten Ideen aufgenommen und in einem definierten Innovationsprozess vorangetrieben werden. Heute besteht das Lab aus einer Aussenstelle in San Francisco in Kalifornien, wo Scouting betrieben, Inspiration geholt und digitale Lösungen entwickelt werden. Zusätzlich arbeiten Spezialisten am Hauptsitz in Muttenz sowie in Zürich als Teil des Labs an Innovationen.

Was sind das typischerweise für Mitarbeiter, die für das Innovation Lab tätig sind?
Typische Mitarbeiter gibt es nicht, die Profile sind sehr breit gestreut. Wir beschäftigen Molekularbiologen, Mathematiker oder Leute, die viel vom Retail-Geschäft verstehen. Ein gemeinsamer Nenner der Profile sind Technologieaffinität und Projektkompetenz. Die Zusammenarbeit dieser verschiedenen Profile im Laborumfeld ist enorm spannend, weil sich die verschiedenen Spezialisten mit ihren unterschiedlichen Blickwinkeln immer wieder herausfordern. Das erst bringt die Prozesse entscheidend weiter.
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