Die 15-Minuten-Mobile-Payment-Lösung

Twint-Händler-App

Die 15-Minuten-Mobile-Payment-Lösung

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/06
Seite 2

Beim Einrichten gescheitert

Den Schluss, dass die Inbetriebnahme der Twint-Händler-App nicht ganz trivial zu sein scheint, bestätigt auch Theo Karavasilis von ABZ.beer. Er erklärt nämlich, dass er es bis zum Zeitpunkt unseres Gesprächs Ende Mai nicht geschafft habe, die Lösung sauber aufzusetzen. Er habe mehrere Versuche gestartet, und der ganze Prozess sei relativ kompliziert – mit Zertifikaten, komplizierten Passwörtern und ID-Nummern, die generiert würden. Intuitiv sei das Aufsetzen nicht, ohne die Dokumentation zu konsultieren sei das Einrichten fast nicht möglich, so Karavasilis. Entsprechend stehe er heute vor der Situation, dass er aktuell eine knappe Handvoll halbfertiger Kassensysteme definiert habe, und nun wohl nicht darum herumkommen werde, zusammen mit dem Support von Twint die Geschichte wieder geradezubiegen. Damit hat sich die Geschichte von Twint und ABZ.beer für den Moment auch erledigt, Erfahrungen im Betrieb habe man noch nicht machen können, man hoffe einfach, dass man ohne grossen Aufwand die Einkünfte aus dem Bierverkauf verbuchen könne, wenn die Händler-App dann mal laufe. Ein Ausbau der Lösung im stationären Verkauf, beispielsweise durch einen Selbstbedienungsladen, bei dem Kunden mittels statischem QR-Code einen Einkauf analog der Münzkasse selbst bezahlen können (was mit Twint theoretisch möglich wäre – siehe Kasten auf S. 52), sei aktuell auch nicht geplant oder möglich, denn schliesslich verkaufe man ja Alkohol und müsse den Jugendschutz sicherstellen. Allenfalls wird ABZ.beer Twint in einem nächsten Schritt in einem Online-Shop integrieren, Abklärungen habe man aber noch keine gemacht.

Bei Powerlab ist man hier schon deutlich weiter. Twint läuft, selbst wenn auch bei Powerlab die Implementation wie angetönt nicht ganz trivial war. Patrick Boller erklärt, dass man sich zuerst angeschaut habe, welche der Twint-Varianten für Powerlab am meisten Sinn mache. Da man ein selbstentwickeltes Kassensystem im Einsatz habe, das keine Schnittstelle zu Twint bietet, habe man sich relativ rasch für die App-Variante via Tablet entschieden. Somit musste Boller wie auch Karavasilis den ganzen Registrierungsprozess durchmachen – "durchackern", wie er selbst sagt. Der einmalige Registrierungsprozess sei zwar noch einigermassen simpel gewesen. Dann aber habe man die Möglichkeit, verschiedene Kassierer oder Teams festzulegen, und an diesem Punkt sei die Twint-Lösung für Powerlab bereits etwas überdimensioniert. Zudem habe es einige Zeit gedauert, bis das Ganze dann tatsächlich sauber funktioniert habe. Für Verwirrung sorgte beispielsweise, dass man sowohl ein Passwort für den Händler-­Account als auch für die App beziehungsweise das Mobilgerät selbst hinterlegen musste, und zu Beginn wollte die App bei Powerlab partout nicht reibungslos funktionieren. Letztlich seid gar die Hilfe des Twint-Supports nötig gewesen, dem Boller an dieser Stelle eine gute Note ausstellt. Doch bezüglich Inbetriebnahme sei Paymit deutlich einfacher gewesen, man habe nichts herunterladen, nichts installieren, sondern lediglich seinen QR-Code aufhängen müssen.

Ein Selbstversuch

"Swiss IT Magazine" wollte es an diesem Punkt nun etwas genauer wissen und hat den Registrierungsprozess selbst einmal durchgespielt. Als erstes muss man sich als Händler bei Twint registrieren, wobei Angaben zur Firma (kann man bequem via Handelsregistereintrag erledigen) und zu einem Händlerportal-Benutzer gemacht und ein Login erstellt werden muss. Danach bekommt man via SMS und E-Mail einen Verifikations-Code zugeschickt, die beide eingegeben werden müssen, um die Registrierung abzuschliessen. Nun kann man sich am Händlerportal anmelden (wobei jedes Mal eine SMS-Code nötig ist) und eine Händler-App hinzufügen. Hier muss man dann Basis-Angaben zu seinem Store machen, mindestens einen Kassierer und ein Smartphone oder Tablet inklusive mindestens achtstelligem Passwort hinzufügen und ein Gutschriftenkonto angeben. Ist dies erledigt, erhält man einen Zugangscode für das registrierte Mobilgerät – in unserem Fall ein iPad – auf das man die Twint-Händler-App herunterlädt. Dieser Code muss beim erstmaligen Login dann zusammen mit dem zuvor definierten Passwort eingegeben werden. Danach kann bereits mit dem Kassieren losgelegt werden, womit uns das Einrichten einer einfachen Twint-Tablet-­Kasse via App relativ simpel dünkte.

Einmal eingerichtet, konnten wir dann auch prüfen, welche Möglichkeiten das Händlerportal und die App abgesehen von den Finanztransaktionen bieten. Bei der App selbst halten sich die erweiterten Möglichkeiten in Grenzen. Man kann sich den Verlauf der Zahlungen eines Tages an der jeweiligen Kasse, sprich dem Tablet, ansehen – auf Wunsch auch für jeden einzelnen Kassierer. Ausserdem kann man den Kassierer wechseln. Im Händlerportal sind die Möglichkeiten dann etwas weiter gefasst. Man kann einstellen, wie die Tagesabschlüsse gruppiert werden sollen (ein Report für alles, ein Report pro Store oder pro Konto), kann Konten, Benutzer und Kassierer verwalten, die erfassten Stores bearbeiten oder neue Stores hinzufügen, und man kann seine Transaktionen einsehen, wobei umfassende Filtermöglichkeiten bereitstehen und die Ergebnisse auch als .CSV exportiert werden können.
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