Hilfe für Migrantinnen mit IT-Know-how

Hilfe für Migrantinnen mit IT-Know-how

Artikel erschienen in IT Magazine 2018/12
Seite 1
1. Dezember 2018 -  Von Romeo Regenass

Trotz Fachkräftemangel finden qualifizierte Fachfrauen aus dem Ausland in der Schweiz oft nur mit Mühe eine adäquate Stelle. Das Projekt ICT@migrants macht Migrantinnen via Praktika und Assessment fit für den Einstieg in die IT-Branche.
Hilfe für Migrantinnen mit IT-Know-how
Telekom-Ingenieurin Christine Phelopos und zwei weitere Teilnehmerinnen von ICT@migrants. (Quelle: Flavian Cajacob)
Jane schaut auf über 14 Jahre bei Vodafone zurück: Beschaffung, Netzwerkstrategie, Business Intelligence. Sie hat eine aktuelle Weiterbildung als Project Management Professional (PMP), gute Englischkenntnisse und ist konversationssicher in Deutsch. Und trotzdem fand sie in der Schweiz bisher keine Stelle.

Jane heisst nicht wirklich Jane. Aber ihr Name tut nichts zur Sache, denn so wie Jane ergeht es unzähligen qualifizierten Migrantinnen. In ihrem Heimatland haben sie studiert und zum Teil Karriere gemacht, hier arbeiten die Fachfrauen als Raumpflegerin oder im Gastgewerbe, um über die Runden zu kommen. Oder sie sind vom Lohn ihres Ehemanns abhängig. "Da läuft doch etwas schief", sagt Giuliana Tedesco, stellvertretende Geschäftsleiterin von ECAP, "schliesslich herrscht hierzulande ein Mangel an Fachkräften." Tedesco weiss, wovon sie spricht: Trotz Uniabschluss arbeitete sie nach ihrer Einwanderung aus Italien in der ersten Zeit in der Reinigung und einer Fabrik. Heute ist sie Managerin in einem Unternehmen mit über 850 Angestellten.

SECO unterstützt das Projekt

Das Erwachsenenbildungsinstitut ECAP setzt sich seit bald 50 Jahren für die Bildung von Migrantinnen und Migranten ein. Und für die Gleichstellung von Frau und Mann. Das Projekt ICT@migrants geht einen Schritt weiter: Es will qualifizierten Berufsfrauen mit ICT-Know-how den Einstieg in die Branche ermöglichen und damit ihre Integration fördern. Im Rahmen der Fachkräfteinitiative leistet das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO finanzielle Unterstützung. Partner sind der Schweizerische Verband für Weiterbildung SVEB sowie Arbeitsintegration Schweiz.

"Wir wollen diesen gut ausgebildeten Frauen die Chance eröffnen, zumindest einmal einen Fuss in die Türe zur Informatikbranche zu bekommen", sagt Projektleiterin Giuliana Tedesco. Man sei aber ganz klar keine Informatikschule – vielmehr gehe es darum, den Stellensuchenden aufzuzeigen, wie der Schweizer Arbeitsmarkt funktioniert. "Dieser unterscheidet sich mitunter ganz wesentlich von jenem im jeweiligen Herkunftsland unserer Kursteilnehmerinnen".

In der Schweiz ist es zum Beispiel eine Selbstverständlichkeit, dass ein künftiger Arbeitgeber von einer Bewerberin einen Lebenslauf und Zeugnisse sehen will. In anderen Kulturkreisen würden solche schriftlichen Bestätigungen und Beurteilungen schlicht nicht existieren, so Giu­liana Tedesco. "Und wieder anderswo geziemt es sich für eine Frau nicht, einem Fremden eine Mobilnummer preis­zugeben."
 
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