Bleibegespräche führen

Bleibegespräche führen

Bleibegespräche führen

(Quelle: iStock Photo)
Artikel erschienen in IT Magazine 2018/09
Seite 1
1. September 2018 -  Von Joachim Schönberger

Zuweilen bekommen Führungskräfte mit, dass ein Leistungsträger das ­Unternehmen verlassen möchte. Dann empfiehlt es sich, mit dem Mitarbeiter ein Bleibegespräch zu führen. Einige Tipps zum Vorbereiten und Führen solcher Gespräche.
Deuten Warnsignale darauf hin, dass ein wichtiger Mitarbeiter kündigen möchte, sollte sein Vorgesetzter ein Bleibegespräch mit ihm führen. Ein solches Gespräch hat drei Ziele:
• Erkunden, ob die Vermutung richtig ist, und wenn ja:
• herausfinden, wie weit sich der Mitarbeiter mental bereits vom Unternehmen entfernt hat und ob er noch zurückgeholt werden kann. Und erneut, wenn ja:
• ihn zum Bleiben motivieren.

Vorbereitung des Bleibegesprächs

Vor dem Gespräch sollten Sie als Führungskraft und/oder Arbeitgeber eine Selbstanalyse durchführen und sich fragen: Was habe ich als Führungskraft dazu beigetragen, dass der Mitarbeiter nicht im Unternehmen bleiben möchte? Gab ich ihm zum Beispiel ein Versprechen und hielt es nicht? Bin ich überlastet und gab ich meinen Stress an den Mitarbeiter weiter? Denn nicht selten sind emotio­nale Verletzungen der Grund, warum Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen möchten. Und haben Sie diese (unbewusst) bewirkt, beeinflusst dies auch die Atmosphäre im Bleibegespräch und dessen Erfolgsaussichten.

Erst danach sollten Sie Ihren Blick auf den Mitarbeiter richten und sich fragen:
• Welche (weiteren) Ursachen könnte eine eventuell beabsichtigte Kündigung haben?
• Was weiss ich über seine Präferenzen und Ziele im Beruf sowie sein Privatleben?

Manchmal ist das Ergebnis ernüchternd. Etwa, dass das Unternehmen dem Mitarbeiter keine angemessene Entwicklungsperspektive bieten kann oder dass aufgrund der quälenden Zusammenarbeit in den zurückliegenden Monaten das Tischtuch sozusagen endgültig zerschnitten ist. Dann empfiehlt es sich, den Mitarbeiter ziehen zu lassen – so schade und ­teuer dies aufgrund der damit verbundenen Stellenvakanz auch ist.

Einladung zum Bleibegespräch

Angenommen, dies ist nicht der Fall. Dann sollten Sie den Mitarbeiter zu einem Bleibegespräch einladen. Sprechen Sie diese Einladung auf keinen Fall spontan oder en passant aus. Am besten gehen Sie zu ihm, wenn er alleine ist, und bitten ihn um ein persönliches Gespräch. Nennen Sie den Anlass nicht, wenn er danach fragt. Erwidern Sie stattdessen beispielsweise: "Nichts Schlimmes, doch darüber würde ich gerne in Ruhe mit Ihnen unter vier Augen sprechen", und vereinbaren Sie einen Termin. Das Bleibegespräch sollte in einem Raum geführt werden, der Ruhe und Vertraulichkeit gewährleistet. Nehmen Sie sich Zeit, denn solche Gespräche nehmen oft einen unverhofften Verlauf. Zum Beispiel, wenn der Beschäftigte Ihnen Dinge erzählt, die Sie zuvor nicht wussten.

Das Gespräch beginnen

Teilen Sie zu Beginn des Bleibegesprächs dem Mitarbeiter Ihre Gedanken und Befürchtungen kurz mit. Denn der Mitarbeiter kennt den Gesprächsanlass ja noch nicht. Vermeiden Sie lange Vorreden, kommen Sie gleich zum Thema. Es empfiehlt sich, mit einer Ich-Aussage ins Gespräch einzusteigen, etwa: "Ich hatte in der letzten Zeit den Eindruck, dass Sie sich zurückziehen. Deshalb befürchte ich, dass Sie sich mental von uns verabschieden." Oder: "Unser Unternehmen ist zurzeit in einem grossen Umbruch. Deshalb befürchte ich, dass Sie den Eindruck haben könnten, Ihr Arbeitsplatz sei nicht sicher und sich nach einer Job-Alternative umschauen."

Starten Sie also mit einer Ich-Aussage und äussern Sie dann Ihr Bedauern, falls Ihre Befürchtungen zuträfen: "Das fände ich schade, weil ich Sie als Mitarbeiter und Mensch sehr schätze und deshalb gerne halten möchte." Warten Sie anschliessend, auch wenn es Ihnen schwerfällt, ab, bis der Mitarbeiter antwortet. Hören Sie ihm geduldig zu und stellen Sie höchstens Verständnisfragen.
 
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