39-Franken-Internet erfüllt Versprechen nur zum Teil

von Marcel Wüthrich

7. April 2018 - Mit Yallo Home und der Home Box verspricht Sunrise Bandbreiten von bis zu 250 Mbit/s für 39 Franken im Monat. Wir haben getestet, wie schnell und stabil das 4G-Internet in der Praxis ist.

Yallo Home: Das Angebot ist mehr als verlockend und hat durchaus für Aufsehen gesorgt, als es Yallo – eine Untermarke von Sunrise – vor einigen Wochen lancierte. Schliesslich verspricht Yallo mit Yallo Home und dem 4G-Router Home Box maximales Surfvergnügen zu Hause – mit Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s und Upload-Tempi von bis zu 50 Mbit/s, und das unlimitiert und ab 39 Franken pro Monat.

Doch ist das Angebot tatsächlich so gut, wie es anmutet? Nachdem man in Foren vereinzelt gelesen hat, dass die versprochenen Download-Raten im dreistelligen Mbit/s-Bereich eher Wunschdenken statt Realität und 10 Mbit/s das Höchste der Gefühle sind, wollten wir es genauer wissen und haben eine Yallo Home Box mit Yallo-Home-SIM-Karte zum Testen bestellt.


Kinderleichte Inbetriebnahme

In unserer Redaktion gelandet ist ein ziemlich ansehnlicher, rund 12x12x13 Zentimeter grosser Würfel mit einem leuchtenden und ein-/ausschaltbaren LED-Band in der Mitte und einem Huawei-Logo auf dem Deckel – unser 4G-Router, das Modell Huawei B529. Der Router besitzt an der Rückseite einen LAN/WAN-Port, Buchsen für optionale externe Antennen sowie eine WPS-Taste. Auf der Frontseite gibt es ein paar Status-LEDs, einen Power-Knopf und die Leuchten-Taste. Auf der Unterseite schliesslich befindet sich der Einschub für die Micro-SIM-Karte. Spannender ist aber, was im Router drin steckt. Denn nebst Dual-Band-WLAN (2,4 und 5 GHz) unterstützt der Router die Standards 802.11a/b/g/n/ac, kann bis zu 64 Geräte gleichzeitig verbinden und ist ausserdem mit einem Akku mit 3000 mAh bestückt, mit dem der Router laut Yallo bis zu zwei Stunden ohne Stromversorgung funken kann.

So einfach der Aufbau des Routers ist, so rasch hat man eine WLAN-Verbindung aufgebaut. Einschalten, den an der Unterseite aufgeklebten WiFi-Key eingeben und fertig ist der Internetzugang. Natürlich kann der Router darüber hinaus auch konfiguriert werden. Die dazu nötigen Default-Angaben (IP, Username, Passwort) sind ebenfalls auf der Unterseite angebracht. Über den Browser kommt man so auf ein Huawei-Interface, das die üblichen Optionen, die Möglichkeit, ein VPN einzurichten, Sicherheitsfunktionen oder auch Nutzungsstatistiken bietet. Benutzertechnisch ist das Interface keine Offenbarung. Wer Einstellungen vornehmen will, kommt aber doch recht schnell und logisch zum Ziel, also nichts auszusetzen an dieser Stelle.


Werte von 3,8 bis 67,5 Mbit/s

Testen wollten wir Yallo Home allerdings nicht wegen der Einfachheit des Routers oder des schicken Interfaces, sondern weil wir wissen wollten, wie schnell und zuverlässig man übers 4G-Netz surfen kann. Dazu haben wir die gesamte Redaktion mit dem Router nach Hause geschickt und sind so in den Besitz von Messergebnissen von insgesamt acht Standorten in der Deutschschweiz – mehrheitlich rund um den Grossraum Zürich – gekommen. Wir haben an den jeweiligen Standorten dann fünf bis fünfzehn Bandbreiten-Messungen gemacht, wobei wir den Speedtest von Ookla (www.speedtest.net) konsultiert haben. Um den Faktor WLAN-Verbindungsqualität zu eliminieren, haben wir unseren Rechner jeweils mittels LAN-Kabel an den Router gehängt. Dann haben wir den Router am Strom (das ist wichtig, später mehr dazu) in verschiedenen Zimmern der Häuser und Wohnungen aufgestellt, denn Yallo empfiehlt zur Optimierung der Surfgeschwindigkeit, verschiedene Standorte auszuprobieren und dabei die Nähe zu einem Fenster zu suchen. Und nicht zuletzt haben wir die Tests zu unterschiedlichen Tages- und Abendzeiten gefahren, denn ganz entscheidend für den Internetspeed, den man über das Mobilfunknetz erhält, ist die Zahl der Nutzer, die sich eine Mobilfunkzelle teilen.

Damit ist wohl auch zu erklären, dass wir an ein und demselben Wohnort teils völlig unterschiedliche Werte gemessen haben. In Baden sind wir um 19.00 Uhr abends beispielsweise auf einen Download-Speed von 26,4 Mbit/s gekommen, um 22.00 Uhr haben wir 91,4 Mbit/s erreicht. Baden war aber nicht der Standort, an dem wir im Schnitt die schnellste Verbindung gemessen haben. Den schnellsten Durchschnitts-Speed gab es im Test im Kanton Uri, genauer gesagt in Attinghausen, mit einem Download-Schnitt von 67,49 und einem durchschnittlichen Upload von 40,05 Mbit/s. Erwähnenswert ist sicher auch der Test in der Stadt Zürich, wo mit Yallo-Home die Upload- über der Download-Geschwindigkeit gelegen hat. Wir erklären uns das mit der Anzahl Nutzer, die "unsere" Funkzelle mitbenutzt und dabei wohl mehrheitlich Daten gesogen, nicht aber hochgeladen haben.

Festhalten muss man aber ganz klar: Dreistellige Download-Raten, wie sie Yallo mit bis zu 250 Mbit/s verspricht, haben wir nirgends erreicht. Yallo Home steht und fällt mit dem Standort, an dem man den Internetanschluss nutzen will. In unseren Büroräumlichkeiten in Thalwil am Zürichsee haben wir zum Beispiel nie mehr als 6,3 Mbit/s Download geschafft und sind im Schnitt auf 3,79 Mbit/s gekommen. Das genügt nicht.

Ebenfalls nicht mit den Yallo-Angaben überein stimmt ausserdem die Akku-Lebensdauer, die ja bis zwei Stunden betragen soll. Im Test zeigte die Akkuanzeige allerdings bereits nach 45 Minuten nur noch einen von vier Balken an und das Power-Lämpchen leuchtete warnend rot. Nach knapp einer Stunde war dann Schluss mit mobilem Surfen via Box. Wichtig zu erwähnen im Zusammenhang mit dem Akku-Betrieb ist ausserdem, dass die Bandbreite der Box auf 21 Mbit/s gedrosselt wird, um eine Überhitzung der Batterie zu vermeiden. Vollen Speed gibt es also nur am Stromnetz.

Keine Beanstandung machen wir derweil, was die Stabilität der Internet-Verbindung angeht – was früher oftmals eine Schwäche war, wenn man versuchte, sein kabelgebundenes Internet durch eine Lösung übers Mobilfunknetz zu ersetzen. Im ganzen Test kam es zu keinem Ausfall – und wir haben auch über längere Zeit Netflix via 4G genutzt.


Geld-zurück-Garantie

Yallo vergleicht auf seiner Site das eigene Angebot mit Connect 200 von UPC (200/20 Mbit/s Down-/Upload) oder Internet M von Swisscom (100/100 Mbit/s), die mit rund 80 Franken doppelt so teuer sind wie Yallo Home für 39 Franken. Das allerdings ist Augenwischerei, denn mit diesen Festnetz-100-Mbit/s-Plus-Angeboten kann man kaum mithalten.

Yallo Home steht und fällt damit, wo man wohnt und den Router platziert. Das findet man nur durch Ausprobieren heraus, und an dieser Stelle muss man Yallo ein Kränzchen winden. Wohl im Wissen darum, dass das Angebot nicht für jedermann sein Versprechen erfüllt, bietet Yallo bei Go! XL eine Geld-zurück-Garantie: Bei Rücksendung des Modems innert der Rückgabefrist werden sämtliche Kosten zurückerstattet. Das ist fair.

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