Lüfterloser Mini-Server im schicken Design

von Simon Wegmüller

7. April 2018 - Das Schweizer Unternehmen Prime Computer baut lüfterlose PCs und hat neu auch einen kompakten, lautlosen Server im Angebot, der mit tiefem Stromverbrauch und langer Lebensdauer punkten soll.

Prime Computer hat einen neuen Server im Angebot, der vor allem mit tiefem Stromverbrauch, langer Lebensdauer und kompakter Bauart punkten will. Er hört auf den Namen Primeserver und kommt wahlweise mit 4-, 8- oder 12-Kern-Intel-Xeon-Prozessor, bis zu 128 GB DDR4-Arbeitsspeicher und bis zu fünf LAN-Anschlüssen. Gleichzeitig soll das Gerät komplett lautlos arbeiten, da kein Lüfter verbaut ist, wodurch sich der der Mini-Server auch für kleinere Büros ohne abgetrennten Serverraum eignen dürfte. Das tönt alles sehr vielversprechend, doch geht die Rechnung auch im Alltag auf?


Design und Verarbeitung

Sofort nach dem Auspacken sticht das Gehäuse des Primeserver ins Auge. Das aus Aluminium gefertigte Chassis ist ganz in Schwarz gehalten und wirkt sehr durchdacht. Auffallend sind die auf der Oberseite verteilten Rippen, die dafür sorgen, dass das Gerät nicht überhitzt – denn es kommt wie erwähnt komplett ohne Lüfter aus. Stattdessen wird die Wärme über das Gehäuse abgeleitet, wodurch sich dieses erhitzt und Oberflächentemperaturen von bis zu 60 Grad möglich und sogar normal sind. An der Front befindet sich neben dem Power-Button ein einzelner USB-Anschluss sowie LED-Anzeigen für Ethernet und Stromversorgung. An der linken Seite des Gehäuses finden sich Einschübe für zwei SSD-Laufwerke. Diese können mit einem einzigen Handgriff herausgenommen und falls nötig ausgetauscht werden. An der Rückseite finden sich dann alle wichtigen Ports: zweimal USB 3.0, einmal Management RJ45/LAN, zweimal RJ45/LAN, ein VGA-Anschluss sowie zwei Anschlüsse zur redundanten Stromversorgung. Mit rund 4,8 Kilogramm Gewicht ist der Server zwar nicht besonders leicht, dafür aber extrem kompakt. So passen denn etwa auch zwei Primeserver nebeneinander auf ein genormtes 19-Zoll-Tablar im Rack. Insgesamt wirkt die Verarbeitung tadellos, es gibt keine losen Teile oder hervorstehende Ecken und auch das Design überzeugt. So lässt sich das Gerät auch gut etwa in einem Büro platzieren, wo man sonst einen Server üblicherweise in einen separaten Serverraum verbannen würde.

Zudem arbeitet der Primeserver tatsächlich komplett lautlos. Dies machen die lüfterlose Bauweise und der Verzicht auf mechanische Bauteile möglich. So vernimmt man im Büro denn auch keinen Mucks vom Primeserver. Ein weiterer Vorteil der lüfterlosen Bauart: Es gelangen keine Staubpartikel ins Innere und die Komponenten sind besser vor Abnutzung und Verschmutzung geschützt, was dafür sorgt, dass die Geräte in Theorie wartungsfrei sein sollten, also keine Folgekosten entstehen dürften. Dank dem Fehlen eines Lüfters wird auch kein Staub aufgewirbelt, Bakterien und Mikroben können somit also nicht an die Umgebung weitergegeben werden.

Darüber hinaus verspricht Prime Computer für die Geräte fünf Jahre Garantie. Diese deckt sämtliche Defekte an mechanischen und elektronischen Bauteilen ab, die nicht auf unsachgemässen Umgang zurückzuführen sind. Wer trotzdem etwas herumbasteln möchte, kann dies aber trotzdem tun. Das Öffnen des Gehäuses führt nicht zum Garantieverlust.

Ebenfalls interessant: Der Server eignet sich für Umgebungen zwischen 0 bis 35 Grad Celsius. Gemäss dem Hersteller sollen die Server sogar bei einer Umgebungstemperatur von 40 Grad noch die volle Leistung erbringen. Viele herkömmliche Server drosseln die Leistung ab einer gewissen, meist deutlich tieferen Temperatur.


Schweizer Qualität und Support

Prime Computer mit Sitz in St. Gallen wurde 2013 gegründet und setzt voll und ganz auf das Gütesiegel Schweiz. So werden alle Geräte, auch der Primeserver, in der Schweiz gefertigt, die einzelnen Komponenten in der hauseigenen Werkstatt verbaut. Damit will das Unternehmen auch möglichst schnellen Support und Service garantieren. Und auch auf die Umwelt achtet das Unternehmen beim Bau seiner Geräte. So sollen die meisten Bestandteile wiederverwertbar oder recyclebar sein. Was definitiv ökologisch ist, ist der geringe Stromverbrauch, der bei maximal 45 W liegt. Der tatsächliche Stromverbraucht hängt natürlich mit der Konfiguration zusammen, doch insgesamt verbrauchen die Geräte eindeutig ein gutes Stück weniger Strom als herkömmliche Server. Hierbei ist auch zu berücksichtigen, dass die Umgebung nicht heruntergekühlt werden muss, was die Stromkosten noch weiter senkt. Durch den relativ geringen Stromverbrauch, dieser lag während der Testperiode bei durchschnittlich rund 36 Watt, eignet sich das Gerät hervorragend für den 24/7-Betrieb, was natürlich für einen Server eine grundlegende Voraussetzung ist.

Doch für welche Anwendungsbereiche eignet sich der Primeserver? Je nach Konfiguration ist genügend Leistung für verschiedenste Anwendungsszenarien vorhanden. Gehen wir von unserer Testkonfiguration aus, so liefert der Primeserver genügend Power, um etwa als dedizierter Sicherungs- und Entwicklungsserver, Mailserver, fürs Webserving oder als zentrale Anlaufstelle für Daten und Anwendungen von Desktop-PCs und Workstations zu dienen. Sehr rechenintensive Workloads wird der Primeserver nicht meistern können, hierfür reicht die CPU-Power der Xeon-Prozessoren schlicht nicht aus. Doch dafür wurde der Mini-Server auch nicht konzipiert. Vielmehr eignet sich dieser als Erstlösung, etwa für Einzelunternehmen oder KMU.


Konfigurationen und Betriebssysteme

Bezüglich Konfiguration bietet Prime Computer einiges an Spielraum. Zum einen gibt es den Server grundsätzlich entweder mit Xeon-D5141-8-Kern- oder D1521-4-Kern-Prozessor. Auf Anfrage fertigt der Hersteller aber auch Geräte mit 12-Kern-Xeon-CPUs an. Dazu gibt es zwischen 8 und 128 GB DDR4-RAM. Weiter lässt sich jeweils eine interne SSD verbauen, wahlweise mit Speicherkapazitäten von 512 GB, 1 TB oder 2 TB, sowie eine oder zwei 2,5-Zoll-SSD mit wahlweise 250, 500 GB, 1, 2 oder 4 TB Speicher in den Hardware-RAID-Konfigurationen 0 oder 1. Das ermöglicht ein System mit maximal 10 TB Speicherkapazität. Bei den Laufwerken setzt Prime Computer dabei durchgehend auf Samsung-Modelle. Beim uns zur Verfügung gestellten Testgerät handelt es sich um ein Mittelklasse-Modell mit Xeon-D1541-8-Kern-CPU, 8 GB Arbeitsspeicher sowie zwei Mal 250 GB 2,5-Zoll-SSD, welches ohne Betriebssystem mit 3420 Franken zu Buche schlägt. Stellt man sich die leistungsstärkste Konfigura­tion zusammen (abgesehen von der 12-Core-Xeon-Variante), also mit 8-Core-CPU, 128 GB RAM und insgesamt 10 TB SSD-Speicher, muss man dafür ohne Betriebssystem 11’877 Franken hinblättern.

Beim OS haben Kunden derweil ebenfalls einen grossen Spielraum. So unterstützt der Mini-Server eine Vielzahl gängiger Server-Betriebssysteme, darunter Microsoft Windows Server 2008, 2012 und 2016 (vorliegendes Testgerät), Red Hat Enerprise Linux Server, CentOS, Suse Enterprise Linux Server, FreeBSD, Fedora Core sowie Ubuntu. Auch unterstützt wird VMware ESXi.


SSDs, Performance und Features

Die verbauten Samsung EVO 850 SSDs liefern im Test sequentielle Schreib- und Leseraten von bis zu 540 MB/s (Read) und 520 MB/s (Write) und sorgen für einen extrem schnellen Boot-Vorgang. So braucht das Testsystem gerade einmal 55 Sekunden zum Hochfahren bis der Login-­Prompt erschein – für einen Server sensationell. Und auch Programme öffnen sich blitzschnell. Darüber hinaus unterstützen die SSDs die Turbowrite-Technologie von Samsung, die es ermöglicht, einen Teil des Flash-Speichers in einem simulierten Hochleistungsmodus von Single-Layer-Cell-Flash-Speicher, der oft in teuren Unternehmens-SSDs zu finden ist, als Pufferzone zu betreiben. Während des Schreibvorgangs werden die Daten aus dem Host-System zunächst mit hoher Geschwindigkeit in diese Pufferzone übertragen und dann während der Leerlaufzeiten aus dem Puffer in den primären Speicherbereich verschoben. Dies führt zu einer deutlich schnelleren Schreibleistung aus Anwendersicht. Das Ganze wird dabei automatisch angewendet, Nutzer müssen die Funktion also nicht manuell ein- beziehungsweise ausschalten.

Weiterhin unterstützen die Laufwerke den Samsung-RAPID-Modus. RAPID steht für Real-time Accelerated Processing of I/O Data und nutzt den verfügbaren Systemspeicher (RAM) auf dem Host-Computer als Input/Output-Cache zur Leistungssteigerung. Wenn genügend Arbeitsspeicher vorhanden ist ein willkommenes Feature. Um RAPID verwenden zu können, muss allerdings die Magician-Software von Samsung installiert werden. Die Software unterstützt die neue RAPID-Version 2.1, die laut Samsung die Fehlerbehandlung verbessert und einige Kompatibilitätsprobleme behebt. Einmal aktiviert, arbeitet der RAPID-Modus von selbst und passt die Menge an RAM, die er verwendet, automatisch an die Verfügbarkeit an. Im Allgemeinen verbraucht der RAPID-Modus bis zu 4 GB RAM oder 25 Prozent des gesamten Systemspeichers des Host-Computers, je nachdem, welcher Wert geringer ist. Die Samsung Magician Software kann darüber hinaus verwendet werden, um andere Funktionen und Einstellungen des Laufwerks zu verwalten. Beispielsweise können mit der Software die Verschlüsselung aktiviert oder deaktiviert sowie verschiedene Einstellungen vorgenommen werden, die für die Leistung, Ausdauer oder Zuverlässigkeit der Festplatte optimiert sind.

Natürlich müssen, bedingt durch die ultrakompakte und lüfterlose Bauart, gewisse Abstriche in Sachen Leistung gemacht werden. Die schon etwas ältere CPU aus dem Jahr 2015 im Testgerät (Intel Xeon D1541 mit einer Basis-Taktrate von 2,1 GHz) schlägt sich in der Praxis aber wacker und meistert auch anspruchsvollere Aufgaben ohne Probleme. Im Passmark-CPU-Benchmark-Test erreicht das System 9370 Punkte und liegt damit vor 80 Prozent aller getesteten Systeme. Für nicht-grafikintensive Anwendungen sollte der Primeserver also genügend Power liefern. Anders sieht es aber bei Anwendungen aus, die 3D-Beschleunigung erfordern, da sich im Innern des Geräts kein Platz für eine dedizierte Grafikkarte findet. Dafür ist der Primeserver, wie die meisten Server, aber schlicht und einfach auch nicht konzipiert. Die Grafikausgabe wird vom Baseboard Management Controller (BMC) Aspeed AST2400 übernommen, der keine 3D-Beschleunigung unterstützt, dafür aber die Möglichkeit zur Fernwartung bietet.

Nicht zu unterschätzen ist daher auch ein weiteres Feature: So verpasst Prime Computer dem Primeserver das gemeinsam von Dell, HP, Intel und NEC entwickelte Intelligent Platform Mangament Interface (IPMI) in der Version 2.0 inklusive KVM (Keyboard, Video, Mouse). IPMI erlaubt Administratoren eine nahezu vollständige Kontrolle über entfernte Server. Im Zusammenspiel mit BMC können Administratoren so aus der Entfernung den Zustand von Servern überwachen, Software installieren (oder entfernen), Hardware-Peripheriegeräte wie Tastatur und Maus verwalten, das System neu starten oder etwa die Software darauf aktualisieren.

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