Geschenktipp: Dr!ft - RC-Rennspass der nächsten Generation

von Marcel Wüthrich

18. Dezember 2017 - Aus dem Kickstarter-Projekt Dr!ft ist ein sehr cooler RC-Racer geworden, der Elemente eines Computerspiels mit einer Fahrsimulation verbindet und mehr als eine Alternative zu Dnano oder Anki Overdrive darstellt.

Weihnachten hat dieses Jahr etwas früher Einzug auf der Redaktion von "Swiss IT Magazine" gehalten – und zwar in Form eines kleinen Plastikautos, dem man nicht ansieht, was in ihm steckt: Dr!ft – ein ferngesteuerter Spielzeug-Racer im Massstab 1:43, der als Kickstarter-Projekt vor gut einem Jahr rund eine viertel Million Euro generiert hat, und der seit kurzem und mit einiger Verspätung erhältlich ist – in der Schweiz für 229 Franken bei Swisscom.

Geliefert wird Dr!ft in einer edlen Box, in unserem Fall als "First Edition" zusammen mit einer Art Quartettkarte, der zu entnehmen ist, dass unser Auto von einer Daniela montiert wurde – die Autos werden von Hand vom Hersteller Sturmkind in Deutschland gebaut. Ebenfalls finden sich in der Verpackung ein paar Bierdeckel mit Dr!ft-Logo, mit denen man rasch einen Parcours erstellen kann, ein USB-Ladekabel, Abziehbilder, um das Auto nach eigenem Gusto zu schmücken sowie eine Kurzanleitung.


Racing-Simulator für den Schreibtisch

Dr!ft behauptet von sich, der erste Racing-Simulator für den Schreibtisch zu sein, der sich mit der Fahrdynamik eines echten Rennautos bewegt. Fakt ist nämlich, dass insbesondere Modellautos aufgrund ihrer Verkleinerung unrealistisch und kaum kontrollierbar zu fahren sind. Mit Dr!ft hingegen wird das Beschleunigen, Lenken und vor allem das Driften in den Kurven realitätsnah und funktioniert auf einem grossen Tisch genauso gut wie auf einem Parkettboden oder selbst einem relativ harten Filzteppich. Doch der Reihe nach.

Nimmt man seinen Dr!ft-Racer – in unserem Fall einen 1. Edition Silver V8 mit hochgerechnet 5,2 Liter Hubraum, 550 PS und einem Drehmoment von 600 Nm, der die 1,6 Tonnen Gewicht in 3,3 Sekunden von 0 auf Hundert beschleunigt – aus seiner wie gesagt edlen Verpackung, ist man zuerst vielleicht ein wenig enttäuscht. Der vermeintliche High-tech-Racer ist nämlich ein ziemlicher Plastikhaufen und darüber hinaus auch noch mit sechs Rädern bestückt. Sechs Räder deshalb, weil der Trick von Dr!ft darin liegt, dass das Auto nicht auf seinen Rädern an der Vorder- und Hinterachse fährt, sondern dass in der Mitte am Unterboden eine Art Drehschreibe mit zwei gummierten Rädern montiert ist. Diese beiden Räder sorgen für den Vortrieb, während die Drehschreibe das Auto quasi in Driftposition bringt. Das Auto ist ausserdem so auf dieser Drehschreibe und den Antriebsrädern ausbalanciert, dass es Kippbewegungen beim Beschleunigen und Bremsen macht oder bei Unebenheiten quasi mitfedert, was die Optik realistischer macht.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie sich unser 1. Edition Silver V8 fährt, und was er kostet.


Driften wie die Grossen

Doch genug zur Verpackung, Aufmachung und Funktionsweise: Fahren soll das Ding, und Spass machen dabei. Bevor es aber losgeht, will zuerst die Dr!ft-App (gibt’s für iOS und Android) aufs Smartphone geladen werden, mit welcher der Racer gesteuert werden kann. Einmal installiert muss man sich zuerst registrieren, bevor's losgehen kann. Das Auto wird von der App anstandslos erkannt und Smartphone und Auto sind via Bluetooth in Sekundenschnelle verbunden. Einmal auf den Startknopf gedrückt, erwacht unser V8 – jedes Fahrzeug soll je nach Motor anders klingen – mit einem tiefen Grollen zum Leben und brubbelt munter vor sich hin. Hier dann die nächste – und auch letzte – kleine Enttäuschung: Nicht das Fahrzeug macht den Sound, sondern das Smartphone. Das irritiert zwar ein wenig, dafür ist der Sound wirklich beeindruckend – die Entwickler haben keine Mühe gescheut und die verschiedenen Sounds an Originalfahrzeugen in einem Tonstudio aufgenommen. Gibt man Gas, knackt die Gangschaltung, bremst und driftet man, quietschen die Reifen, und legt man den Rückwärtsgang ein, könnte man meinem das Getriebe fällt auf den Asphalt.

Gas gibt man, indem man an der rechten Seite des Smartphone-Displays hochfährt, gebremst wird identisch an der linken Seite. Drückt man in der Mitte, zieht man die Handbremse, ausserdem findet sich ein Knopf für besagten Retourgang und einer, um das Licht einzuschalten.

Ist man sich von einem kleinen RC-Rennauto gewohnt, dass es losschiesst wie von der Tarantel gestochen, fährt das Dr!ft-Auto vergleichsweise gemächlich los – massstabsgetreu eben. Wirft man sich aber mit etwas Gas in die erste Kurve – was man durch Neigen des Smartphones erreicht – fängt der Driftspass auch schon an. Der Motor heult, die Reifen quietschen und das Fahrzeug schlittert unglaublich realistisch in der Gegend umher. Zieht man dann bei Vollgas noch die Handbremse, legt der Racer einen Drift hin, dass die Crew von "The Fast and the Furious" neidisch werden würde.

Cool ist, dass man mit ein wenig Übung wirklich das Gefühl hat, das Auto jederzeit beherrschen zu können. Man kann ganz langsam fahren und steuern, um den Rennboliden so quasi millimetergenau zu navigieren, oder man kann drauflos brettern, ohne dabei aber das Gefühl zu bekommen, nur Passagier im eigenen Spielzeug zu sein. Das funktioniert bereits auf einem (grossen) Tisch, macht aber deutlich mehr Spass in einem Grossraumbüro. Wobei man dann merkt, dass dem Dr!ft-Racer wohler ist, wenn er durch Kurven schlittern kann, denn Vollgas geradeaus zu fahren, ist bei umgerechnet über 200 km/h (in Realität ca. 1,5 Meter pro Sekunde) gar nicht so einfach.


229-Franken-Spass

Etwas gewöhnungsbedürftig ist zu Beginn die Steuerung via Smartphone, was aber dasselbe Problem für jedes RC-Modell ist, das mittels Handy gesteuert wird: Man vermisst den physischen Joystick und wenn man wählen könnte, würde man sich wohl eine klassische Fernbedienung wünschen, auf die man vielleicht noch das Smartphone packen könnte. Aber: Man gewöhnt sich an die Steuerung via Smartphone. Ausserdem kann man einiges anpassen, etwa den maximalen Neigungswinkel des "Steuerrads".

A propos anpassen: Eine der Ideen hinter Dr!ft ist auch, dass man sein Auto tunen kann – und zwar via App. Dieses Feature wird allerdings erst noch via Update nachgeschoben, konnte also noch nicht getestet werden. Bereits jetzt kann man an der App aber diverse Einstellungen vornehmen, etwa ob man im Drift- oder im Race-Modus fahren will, den Schwierigkeitsgrad oder ob die Strecke nass oder trocken simuliert werden soll. An dieser Stelle vermischt sich das Computergame mit dem physischen RC-Erlebnis. Es gibt ausserdem Spielmodi, um gegen einen Host virtuelle Rennen fahren zu können. Viel lustiger dürfte das Rennen aber gegen einen realen Gegner sein. Vorteil der Bluetooth-Verbindung ist nämlich, dass problemlos mehrere Autos gleichzeitig fahren können – laut Hersteller bis zu 30 an der Zahl.

Das Einzige, was man jetzt noch braucht, sind ein paar Freunde, die ebenfalls bereit sind 229 Franken für ein Spielzeug auszugeben – wenn auch zugegebenermassen ein ziemlich cooles.

Erhältlich im Swisscom Online-Shop für 229 Franken.

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