WLAN für KMU leicht gemacht

von Luca Cannellotto

4. November 2017 - Netgear erweitert die Orbi-Familie um eine Pro-Version seiner WLAN Bridges. Das Angebot richtet sich an KMU, die ohne grossen Aufwand ein drahtloses Netzwerk für mehrere Endgeräte einrichten wollen, das auch grosse Büroflächen abdeckt.

Netgear lanciert mit dem Orbi Pro ein weiteres Modell seiner Reihe von WLAN Bridges. Das Pro im Namen deutet darauf hin, dass es sich bei diesem System um einen Vertreter der Orbi-Serie handelt, der für Unternehmen gedacht ist. So moniert auch der Text auf der Verpackung, dass es nicht mit anderen Produkten der Palette kompatibel ist. Im Grunde genommen ist das Orbi Pro mit der Modellbezeichnung SRK60 das Äquivalent zum System RBK50, das "Swiss IT Magazine" in der Ausgabe Nr. 5 dieses Jahres getestet hat, mit dem Unterschied, dass damit KMU angesprochen werden, die über keine eigene IT-Abteilung verfügen und nach einem einfachen Weg suchen, bis zu 40 Endgeräte drahtlos mit dem Firmennetzwerk zu verbinden.


Sinnvolle Verpackung

Netgear hat ein gut durchdachtes Basispaket geschnürt, das es auch kleinen Unternehmen erlaubt, in kurzer Zeit und ohne grosse Vorkenntnisse ein WLAN-Netz einzurichten, das grundlegenden Ansprüchen des geschäftlichen Alltags gerecht wird. Öffnet man die kompakte Verpackung, findet man alle Komponenten fein säuberlich sortiert und kann sogleich mit der Installation beginnen. Benötigt wird dafür eine funktionierende Internetverbindung, das ist allerdings die einzige Voraussetzung, die erfüllt sein muss, bevor man zur Einrichtung der Stationen schreiten und das Netzwerk beziehungsweise die Netzwerke aufsetzen kann, aber dazu später mehr.


Flächendeckende Netzwerke

Das Basispaket besteht aus zwei Stationen, einem AC3000-Router (802.11ac, MU-MIMO) und einem Satelliten, die laut Netgear eine Fläche von 350 Quadratmetern mit 3 Gigabit pro Sekunde abdecken können. Ein zusätzlicher Satellit deckt jeweils weitere 175 Quadratmeter ab. Mit mehreren solcher Knoten lässt sich ein Mesh-Netzwerk aufbauen, das auch grosse Büros mit WLAN versorgen kann. Für die Kommunikation zwischen den Stationen ist darüber hinaus ein dedizierter Backhaul-Kanal reserviert. Rein äusserlich ist das Orbi-Pro-System schlicht gehalten und soll sich dadurch unauffällig in jede geschäftliche Umgebung integrieren lassen. Die Gehäuse der beiden rund 900 Gramm schweren Stationen sind aus weissem Kunststoff, der nur vom Lüftergitter auf der Vorderseite durchbrochen ist. Router und Satellit unterscheiden sich optisch nur durch die Farbe der geschwungenen Abdeckplatte, die beim Router tiefblau und beim Satelliten silbern ist. Aus der Öffnung zwischen der Deckplatte und dem Gehäuse dringt das farbige LED-Licht für die Statusanzeige der Verbindung.

Der Querschnitt der beiden Stationen hat die Form eines flachen Rhombus, der sich nach oben hin verjüngt, was aber nicht für die Unterseite gilt, weil deren vordere Längsseite, wo das Lüftungsgitter ansetzt, beinahe gerade verläuft. Optisch setzt Netgear damit einen Akzent, allerdings führt das Design dazu, dass die hohen und schmalen Geräte nicht allzu stabil stehen und bei genügend Krafteinwirkung vornüber kippen können. Die Idee ist allerdings weniger, die beiden Stationen freistehend aufzustellen, sondern sie fix zu montieren. Hierfür sind im Lieferumfang jeweils zwei unterschiedliche Halterungen inkludiert, mit denen die Einheiten entweder an der Wand oder an der Decke montiert werden können. Wenig hilfreich ist allerdings, dass die Netzkabel nur etwas mehr als 1,8 Meter lang sind. Erschwerend kommt hinzu, dass das Netzteil jeweils am Ende des Kabels angebracht ist und eins ist mit dem Stecker, was unter Umständen zu Platzproblemen beim Anschluss des Systems an einer Mehrfachsteckdose führen kann.


Innere Werte

Während sich über Design streiten lässt und die geringe Länge der Netzkabel ärgerlich ist, zählen bei der Bewertung einer WLAN Bridge vor allem die inneren Werte der Geräte. Netgears Orbi Pro kann in diesem Bereich mit durchaus ansprechenden technischen Spezifikationen aufwarten. Beide Stationen verfügen über jeweils vier Gigabit Ethernet Ports, wobei im Falle des Routers einer der Ports als Uplink dient. Des Weiteren ist das System mit Triband-Technologie ausgestattet, was soviel heisst, dass sich damit drei voneinander isolierte Netzwerke mit einer jeweils eigenen SSID einrichten lassen. Zum einen ein Admin-Netzwerk, in das jegliche Endgeräte des Unternehmens sowohl über WLAN als auch über die Ethernet Ports eingebunden werden können, sowie ein Mitarbeiter-Netzwerk, in das sich diese mit ihren eigenen Geräten via WLAN einloggen können. Schliesslich gibt es noch ein Netzwerk, das Gästen des Unternehmens vorbehalten ist. Für den Zugang zum Gästenetzwerk können Administratoren darüber hinaus eine Zeitlimite setzen.

Das gesamte System lässt sich bequem über ein Web Tool aufsetzen und verwalten, mit dem sich Admins via Browser in die Stationen einloggen können. Ein Assistent führt sie dann in wenigen Schritten durch die Einrichtungsprozedur, die nur wenige Minuten in Anspruch nimmt und selbsterklärend ist. Ist die Grundinstallation abgeschlossen, können sich die Endnutzer bereits einloggen und im ihnen zugedachten Netzwerk arbeiten. Das Interface bietet dem Administrator die üblichen Einstellungen, die man von einem handelsüblichen Router erwarten würde. Darüber hinaus lassen sich hier zum Beispiel auch ein Logo und die firmeneigenen AGBs für die Nutzung des Gästenetzwerks hinterlegen, die den Nutzern dann beim Login angezeigt werden. Zusätzlich gibt es für die Administratoren auch die Möglichkeit, Mobile Apps zu verwenden, die es sowohl für iOS als auch für Android gibt. Diese sind im Funktionsumfang allerdings sehr eingeschränkt und erlauben nur wenige Einstellungen. So lassen sich in der App alle am Netzwerk angeschlossenen Geräte anzeigen und deren Zugang pausieren, die Schlüssel für die Netzwerke konfigurieren sowie ein Geschwindigkeitstest durchführen oder das System neu starten. Für alle anderen Einstellungen muss der Zugang über das Web Tool genutzt werden. Hier darf Netgear in Zukunft durchaus nachbessern.


Harte Fakten

Die besten Spezifikationen nützen allerdings wenig, wenn die Performance im alltäglichen Einsatz nicht stimmt, vor allem bei einem Produkt, das sich an Unternehmen richtet, die in der Regel darauf angewiesen sind, dass die Hardware mit möglichst wenig Wartung durchgehend verfügbar ist. Auch hier hat Netgear die Hausaufgaben gemacht. Die versprochene Abdeckung von 400 Quadratmetern hat sich zumindest in unserem Test bestätigt. Mit dem Router in einer entfernten Ecke der Bürofläche und dem Satelliten in deren Mitte erreicht man auch die letzten Winkel. Die Übertragungsraten sind dabei durchaus erfreulich. Je nach Distanz vom Router oder dem Satelliten konnten im WLAN Geschwindigkeiten zwischen 20 und 50 Mbit/s gemessen werden, wobei die Übertragungsrate konstant blieb und die Verbindung stabil. Nur in einigen wenigen Fällen hat sich unser Notebook offenbar mit dem weiter entfernten Router verbunden, anstatt sich über den näher gelegenen Satelliten in das Netzwerk einzuwählen, wodurch die Übertragungsgeschwindigkeit bis auf 10 Mbit/s sank, jedoch lässt sich selbst damit problemlos arbeiten, solange man nicht grosse Datenmengen übertragen muss.

Schliesst man ein Endgerät an einen der Ethernet Ports an, dann sind weitaus höhere Übertragungsraten erreichbar. Im Test konnten wir eine stabile Verbindung mit 365 Mbit/s herstellen. Damit lassen sich alle erdenklichen Szenarien abdecken. Mit einem nachgelagerten Switch zum Beispiel könnten durchaus mehr als nur vier Endgeräte via Ethernet mit dem Satelliten verbunden werden, falls der Bedarf dazu besteht. Alles in allem gibt es an Netgears Orbi Pro kaum etwas auszusetzen, und die Möglichkeit, die Reichweite des Netzwerkes mit weiteren Satelliten aufzurüsten, kommt auch Unternehmen entgegen, die sich im Wachstum befinden und womöglich nach einer gewissen Zeit mehr Bürofläche benötigen.

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