Niklaus meint: Das Internet killt Tag für Tag einen Dienstleistungsjob

Niklaus meint: Das Internet killt Tag für Tag einen Dienstleistungsjob

Artikel erschienen in IT Magazine 2011/07
Seite 1
7. Juli 2011
Von Daniel Niklaus

Für den Wochenendtrip nach London braucht es keinen Reisebüro-Angestellten – Ebookers.ch genügt. Postangestellte, die Ende Monat Zahlungen entgegen nehmen? E-Banking ist Realität. Und wer ein Buch kauft, surft zu Amazon, und mit Kindle und Co. braucht es nicht einmal mehr den UPS-Boten, der das Buch vier Tage später nach Hause liefert. Ein Klick genügt, und wieder stehen ein paar Leute auf der Strasse. Sie sehen, das Internet zieht die Pistole an allen Ecken und Enden und richtet ein Blutbad unter den Zombie-Jobs an.

Selbst die IT-Industrie hat es erfasst. Verdrängte der Media Markt einst den Fachhandel, kämpft der Grossverteiler heute selbst einen tödlichen Kampf mit Vergleichs­portalen wie Toppreise.ch. Mit 5 Prozent Marge ist jede Frage des Kunden zu teuer. Auch der gut bezahlte Exchange-Admin wird durch die Umstellung auf Google Apps überflüssig. Mailkonten kann auch der billigere 2.-Jahr-Lehrling installieren, und lokal installierte Server braucht es sowieso nicht mehr. Und wer einen Entwickler für zehn Dollar die Stunde benötigt, surft zu Odesk.com.

Müssen wir Angst haben?

Wenn die Schweiz nicht reagiert, müssen wir uns zu Tode fürchten. Die Ostschweiz hatte einst eine blühende Textil-Industrie. Auf die Veränderung in der Branche hat die Region zu spät reagiert. Die Jobs wurden erbarmungslos ausgerottet. Heute gibt es noch einen einzigen Handsticker, der seine Maschine (Baujahr 1870) professionell einsetzt. Sollen wir die Jobs subventionieren? Das machen wir schon bei den Bauern. Die Produkte bleiben trotzdem zu teuer und sind international bedeutungslos. Oder sollen wir das Internet verbieten? Als die Schweizer Uhrenindustrie in den 80er-Jahren am Boden lag, hätten wir die Japaner auch bitten können, dass sie aufhören, Digitaluhren zu produzieren. Sinnlos. Branchenveränderungen sind nicht aufzuhalten. Wollen wir dagegen erfolgreich bleiben, gibt es nur eine Antwort: Stellen wir uns der Herausforderung.
 
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