CIO-Interview: «Wir betreuen heute eine viel komplexere IT»
Quelle: Aargauer Zentralmolkerei

CIO-Interview: «Wir betreuen heute eine viel komplexere IT»

Bei Schenker Storen läuft momentan eine grosse ERP- Migration. Aber auch sonst wird es dem kleinen IT-Team rund um den langjährigen Leiter Paul Häfeli nicht langweilig.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2014/01

     

Swiss IT Magazine: Herr Häfeli, seit über 13 Jahren kümmern Sie sich nun schon um die IT von Schenker Storen. Was hat sich in dieser langen Zeit verändert?
Paul Häfeli:
Eigentlich alles. Als ich im August 2000 hier angefangen habe, war die IT stark auf AS/400 ausgelegt und es gab erst einzelne PCs am Arbeitsplatz. Man hatte nur vereinzelt E-Mail, beziehungsweise nur intern mit AS/400. Die verschiedenen Rechner waren zwar miteinander vernetzt und es gab einen Server, aber damit hat man eigentlich noch nichts gemacht. Die Daten wurden immer noch lokal gespeichert, man wusste gar nicht genau, was damit anzufangen ist. Als erstes haben wir dann Exchange und eine Datenablage auf einem File-Server eingeführt. AS/400 beziehungsweise iSeries, wie es neu heisst, haben wir immer noch. Darauf läuft unser eigenentwickeltes ERP, das wir momentan jedoch am Ablösen sind.

Die IT war also deutlich kleiner, bevor Sie gekommen sind?
Im Bereich AS/400 war sie bereits gleich, im Office-Bereich hingegen tatsächlich erst im Aufbau. Das war dann meine Hauptaufgabe, inklusive der ganzen Vernetzung, der Server-Betreuung und dem Ausrollen. Das war nicht so einfach: Wir haben 37 Niederlassungen in der Schweiz, die alle mit dem Hauptstandort hier in Schönenwerd verbunden sind. Eine weitere Herausforderung dabei war, dass es lokale PCs gab, mit denen man von den Berechtigungen her alles machen konnte und es damit immer wieder nötig war, sie vor Ort frisch aufzusetzen. Wir haben dann natürlich das Ganze zusammengeführt und sind seit 2001 mit Citrix dort angekommen.

Was machen Sie alles eigenhändig?
Wir haben unser Netzwerk ausgelagert, den Rest versuchen wir komplett selbst zu machen. Wir ziehen natürlich da und dort einen Partner bei, der uns auch gerne unterstützt, wenn wir nicht mehr weiter kommen.

Ein Outsourcing der ganzen IT war für Sie nie ein Thema?
Wir haben es einmal geprüft, uns dann aber dagegen entschieden.

Warum?
Einerseits kennt AS/400 heute praktisch niemand mehr oder dann nur jemand, der kurz vor der Pensionierung steht (lacht). Andererseits ist es die ganze Infrastruktur, die stetig gewachsen ist, und weshalb es sich einfach nicht ergeben hat. Hinzu kommt, dass es punkto Performance, je nach dem wo der Outsourcing-Dienstleister zu Hause ist und die Infrastruktur dann steht, Probleme geben kann. Ausser wir hätten die IT bei uns behalten und externe Leute zugezogen, aber das wollten wir auch nicht, denn dann hat man immer wieder mit neuen Leuten zu tun. Wir haben darum lieber unsere Leute auf den Stand gebracht, den wir brauchen.

Entwickeln Sie auch selber? Falls ja: Was und in welchem Bereich?
Weniger, also eigentlich nur im Bereich AS/400, wenn es dort überhaupt noch Neuentwicklungen gibt. Im Prinzip geht es hier heute nur noch um Wartung und Anpassungen an neue Produkte. Neue Funktionen implementieren wir nicht mehr. In anderen Bereichen entwickeln wir kaum, eventuell mal ein Access-Progrämmchen oder ein Makro mit Visual Basic.


Wie sieht Ihre IT-Abteilung heute aus?
Wir sind im technischen Bereich drei Mann. Einer kümmert sich hauptsächlich um den First-Level-Support und PC-Bereich, der andere um den Second- und Third-Level und Server-Bereich. Zudem gehöre ich zu diesem Team. Weiter haben wir zwei externe Mitarbeiter, die vor allem unsere Applikationen im Bereich AS/400 betreuen, wobei eine Person als Projektleiter aktuell praktisch komplett in das angesprochene ERP-Projekt involviert ist. Ihre Aufgabe ist es, wie vorhin erwähnt, vor allem Programmanpassungen zu machen, wenn beispielsweise neue Produkte lanciert werden.

Woher kommen diese beiden externen Mitarbeiter?
Einer davon war früher bei uns tätig und hat sich dann selbständig gemacht, wobei er heute praktisch 100 Prozent für uns arbeitet. Er hat dann auch den zweiten, externen Mitarbeiter mit ins Boot geholt.

Wie sah es personell aus, als Sie angefangen haben?
Ähnlich. Windows- und Netzwerk-seitig waren es damals ich und eine halbe Person. Weiter hatten wir wie heute noch zwei Personen für den AS/400-Betrieb plus die beiden externen Mitarbeiter. Aber: Wir betreuen heute viel mehr Arbeitsplätze – aktuell sind es zwischen 450 und 500 – und eine viel komplexere IT.


Was läuft auf diesen 450 bis 500 PC-Arbeitsplätzen?
Wir setzen Windows 7 ein, zudem gibt es in den Aussenstellen Thin Clients mit Linux und Citrix.

Wie viele Clients stehen extern?
Draussen sind es rund 220, hinzu kommen rund 230 bis 250 hier in Schönenwerd, je nachdem ob man die Maschinensteuerungen auch dazu nimmt oder nur reine Office-
Arbeitsplätze zählt.

Wie sieht es Server-seitig aus? Als Sie angefangen haben, gab es ja erst einen. Wie viele sind es heute?
Momentan haben wir 13 physische und 54 virtuelle Server in zwei re-
dundanten Rechenzentren, wobei wir bis auf zwei Server eigentlich alles virtualisiert haben, was möglich ist. Speziell ist vielleicht noch, dass wir unseren neuen Server-Raum hier in Schönenwerd mit Grundwasser kühlen und die Abwärme dann für die Warmwasseraufbereitung oder die Heizung nutzen. Das Projekt haben wir im Zusammenhang mit dem Neubau unseres Fabrikationsgebäudes, das vor rund zweieinhalb Jahren fertiggestellt wurde, durchgeführt.


Was ist mit mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets?
Wir haben iPads und diverse Smartphones im Einsatz.

Wozu brauchen Sie die iPads?
Wir haben die iPads ursprünglich für eine Messe angeschafft, um damit Prospekte beziehungsweise Produkte zu präsentieren. Heute werden sie weiterhin dafür gebraucht, aber natürlich nebenbei auch für E-Mail, Kontakte und Termine genutzt. Es sind hauptsächlich unsere Verkäufer und Geschäftsleiter in den Aussenstellen, die iPads haben.

Wie betreuen Sie die Tablets?
Wir haben eine MDM-Lösung, in der wir vor allem unsere Prospekte abgelegt haben, die dadurch automatisch verteilt werden können, wenn sich etwas ändert oder wenn es neue gibt. Zudem vergeben wir über das System auch gewisse Richtlinien.


Brauchen Sie die Mobile-Device-Management-Lösung auch für Ihre Smartphones?
Nein. Es war zwar angedacht, wir haben dann aber die Lizenzkosten dem Nutzen, der sich für uns daraus ergeben würde, gegenübergestellt und sind zum Schluss gekommen, dass wir das im Moment lassen. Nur des Verwaltens wegen zu verwalten, lohnt sich für uns nicht.

Von wie vielen Geräten sprechen wir hier?
Momentan sind um die 60 iPads im Umlauf. Bei den Smartphones und Mobiltelefonen – unsere Monteure haben noch «normale» Geräte, die dafür extra stossfest und staubsicher sind – sind es gegen die 500 Stück.

Wie sieht die lokale Telefonie aus? Setzen Sie auf VoIP?
Nein. Wir haben relativ früh, also vor acht bis zehn Jahren, Versuche gemacht und dabei schlechte Erfahrungen gesammelt. Das Problem war, dass die Apparate und Anlagen damals vermutlich noch nicht auf dem Stand waren, wie sie es heute sind. Wir haben uns damals dann entschieden, weiterhin herkömmlich zu telefonieren, die nötige Verkabelung hatten wir ja bereits. Wenn es um die nächste Generation geht, die in zwei bis drei Jahren sicher zum Thema wird, könnte VoIP aber durchaus eine Rolle spielen.


Sie haben bei der Aufzählung Ihrer Clients die Maschinen- und Storensteuerungen angesprochen. Haben Sie auch viel mit spezieller Software zu tun?
Ja, gerade im Bereich der Maschinensteuerungen haben wir tatsächlich spezielle Software, die wir extern entwickeln lassen. Dies gilt auch für unsere Storensteuerungen. Sonst setzen wir hauptsächlich auf Standardlösungen und Microsoft als Hersteller.

Sie setzen also auch Office ein? Welche Version?
Wir haben zwischen Weihnachten und Neujahr auf die 2013er-Version migriert.

Eine andere Migration ist derzeit noch voll im Gang, ich meine das angesprochene ERP-Grossprojekt. Wie läuft es?
Ein Teil ist bereits live, nämlich die HR-Abteilung. Dieses Jahr kommen weitere Bereiche dazu. Anfangs 2015 wollen wir das Projekt abschliessen.


Dann wird AS/400 anfangs 2015 also verschwinden?
Nein, wir werden es weiter laufen lassen, vor allem um vereinzelt noch auf alte Daten beziehungsweise alte Aufträge zugreifen zu können, wenn es beispielsweise um Reparaturen geht. Wir werden nicht komplett alle Daten zügeln, das wäre zu aufwendig.

Gibt es noch andere, vielleicht kleinere Projekte, die eben abgeschlossen wurden oder anstehen?
Ja, kürzlich haben wir erfolgreich von Exchange 2007 auf Exchange 2013 migriert. Dann wollen wir dieses Jahr auch einen Versuch mit der PC-Virtualisierung starten, vor allem im Bereich der Maschinensteuerungen. Zudem werden wir auch testen, wie es sich mit dem Virtualisieren und zur Verfügung stellen von einzelnen Applikationen verhält, im Hinblick darauf, dass wir irgendwann auch Citrix ablösen möchten.

Ist Cloud Computing für Sie ein Thema?
Nein, weil wir bis jetzt keine Applikation haben oder hatten, die wir auf diese Art und Weise betreiben wollen. Wir haben uns überlegt, Exchange aus der Wolke zu beziehen, aber auch dies bringt in unseren Augen bezüglich Kosten und Nutzen keinen Vorteil. Office 365 haben wir ebenfalls schon studiert, uns dann aber für Office 2013 entschieden. Ich kann mir allerdings durchaus vorstellen, dass die Cloud und Office 365 für ein kleineres Unternehmen etwas sind.


Zum Schluss möchte ich Sie noch um eine kurze Einschätzung bitten: Welchen Stellenwert hat die IT bei Schenker Storen heute?
Das kommt immer darauf an von welcher Seite man es betrachtet. Ohne IT läuft bei Schenker Storen aber nichts mehr. (mv)


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