Die Cloud als Primärspeicher

Cloud-Storage-Angebote unterscheiden sich stark, sowohl bezüglich Preis als auch Funktionalität. «Swiss IT Magazine» vergleicht zehn Anbieter aus der Schweiz und Deutschland.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2012/03

     

Cloud-Storage-Angebote für Privatanwender gibt es mittlerweile en masse. Häufig ködern die Anbieter mit kostenlosem Speichervolumen, wie dies beispielsweise bei Apple und seiner iCloud oder Microsoft und seinem Windows Skydrive der Fall ist, um nur zwei prominente Vertreter zu nennen. Nicht selten aber haben Unternehmen ganz andere Ansprüche als Privatpersonen in Bezug auf Kapazität, Flexibilität und Sicherheit, weshalb die meisten Consumer-Produkte nur bedingt für den Einsatz als Primärspeicher im Business in Frage kommen. Je nach Mitarbeiterzahl müssen Unternehmen ausserdem die Möglichkeit haben, dutzende oder gar hunderte Benutzerkonten für den gemeinsamen Zugriff auf Cloud-Inhalte zu definieren. Auch eine zentrale Verwaltung von Nutzergruppen und Zugriffsrechten sowie zusätzliche Collaboration-Tools für die betriebsinterne Zusammenarbeit sind im geschäftlichen Umfeld unverzichtbare Features.
Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, führen einige Anbieter spezielle Business-Versionen ihrer Cloud-Storage-Produkte. Andere Firmen haben sich sogar ganz auf den Business-Bereich spezialisiert und bieten keine Lösungen für Privatpersonen an. Die verschiedenen Angebote weisen gravierende Unterschiede in Bezug auf Speicherkapazität, maximale Nutzeranzahl, zusätzliche Features und natürlich auch in Bezug auf die Kosten auf. Um etwas Klarheit zu schaffen und KMU einen groben Überblick über die erhältlichen Angebote zu geben, hat «Swiss IT Magazine» eine Liste der wichtigsten Storage-as-a-Service-Produkte (StaaS) aus der Schweiz und Deutschland zusammengestellt. Voraussetzung war, dass sich mindestens ein Datencenter des Anbieters in einem der beiden Länder befindet. Einzige Ausnahme stellt Amazons Simple Storage Service (S3) dar. Dieser wurde in der Übersicht ebenfalls berücksichtigt, da Amazon zurzeit der wohl grösste Player – auch im Business-Segment – ist und daher als Referenzprodukt dient.
Marktübersicht
In unserer Marktübersicht finden Sie 10 Cloud-Storage-Anbieter.

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Vor- und Nachteile von Storage as a Service

In einem Punkt sind sich sämtliche Anbieter einig: Cloud Storage bringt unzählige Vorteile für KMU. Ständige Verfügbarkeit, hohe Flexibilität, sicherer Datenaustausch unter Mitarbeitern sowie Kosten- und Zeiteinsparungen, so die Vorzüge, die auf Anfrage von «Swiss IT Magazine» am meisten genannt wurden. Doch gibt es bei einem Daten-Outsourcing auch Nachteile? «Es gibt prinzipiell nur Vorteile», ist man beim Schweizer Anbieter Green.ch überzeugt. Eine etwas kritischere Sicht haben die Konkurrenten Softronics (Mydrive), Strato (Hidrive), Abilis (Driveonweb) und Swisscom, die alle die zur Verfügung stehende Bandbreite auf Seiten des Kunden als grösstes Problem sehen. «Je nach Datenmenge können die höheren Kosten für die Netzverbindung die Kostenvorteile des Cloud Storage Providers für den eigentlichen Speicherplatz übersteigen», meint man etwa bei Swisscom. Und auch bei Strato ist man gleicher Meinung: «Die Bandbreite ist entscheidend, damit die Geschwindigkeit stimmt. Eine Breitband-Internetverbindung ist daher unerlässlich. Wer diese nicht hat, sollte Hidrive nicht als Primärspeicher nutzen.»
Natürlich aber sind auch Sicherheit und Datenschutz heikle Punkte bei der Auslagerung von sensiblen Daten. «Neben dem Datentransport muss auch die Verarbeitung und Speicherung der Firmendaten verlässlich abgeschottet sein. Dies bieten viele Anbieter noch nicht an», gibt Abilis zu bedenken. Bei Strato, Swisscom und Wuala beispielsweise setzt man aber auf eine Client-seitige statt Server-seitige Datenverschlüsselung. «Grundsätzlich können alle Daten in die Cloud, auch sensible Dateien – sofern diese vor dem Upload mit Programmen wie Truecrypt verschlüsselt werden», so Strato. Von Swisscoms Seite heisst es: «Es ist darauf zu achten, dass die Verschlüsselung der Daten bereits vor der Übertragung zum Storage Provider erfolgt und dass der Schlüssel immer unter eigener Kontrolle ist.»


Nicht zuletzt ist für Unternehmen auch entscheidend, dass die gleichzeitige Bearbeitung von Dokumenten weiterhin gewährleistet ist und Storage as a Service nicht die Zusammenarbeit erschwert. «Es vereinfacht sie sogar. Die Mitarbeiter sind nicht mehr an einen Arbeitsort gebunden und können ihre Daten von überall aus abrufen. Dank Synchronisation und Dateisystemintegration sind die Dateien allenfalls auch lokal und immer aktuell erhältlich», ist man beim Schweizer Unternehmen Wuala überzeugt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ein Angebot entsprechende Collaboration-Tools beinhaltet: «Die interne Zusammenarbeit wird durch das Speichern in einer Cloud nicht erschwert, vorausgesetzt das Cloud-Angebot bietet dafür die entsprechenden Funktionen. Dies sind unter anderem eine intelligente Synchronisationsfunktion und ein umfangreiches Rollen- und Berechtigungskonzept», erklärt Alibis-Vertreter Christian Speck.

Datenschutz hat oberste Priorität

Bei der Frage, was bei der Wahl eines Online-Storage-Anbieters sonst noch beachtet werden sollte, herrscht wieder mehrheitlich Einigkeit. Sicherheit und Datenschutz sind das A und O, lautet der Tenor. Gerade in dem Zusammenhang seien Anbieter aus der DACH-Region laut Alibis klar vorzuziehen: «Dies ist vor dem Hintergrund der problematischen Behandlung von Unternehmensdaten in anderen Ländern sehr wichtig. Man beachte hierzu beispielsweise die Weitergabe von Unternehmendsdaten in den USA im Zuge des Patriot Act.» Und auch Green.ch hat einen Ratschlag für alle KMU, die auf der Suche nach einem Online-Storage-Anbieter sind: «Der Kunde soll nicht primär auf den Preis schauen, sondern wie seine Daten in der Cloud abgelegt und gesichert werden. Ein SLA ist ein absolutes Muss.» (vs)


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